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Schlechter Ruf der Finanzbranche Hoffnung auf den ehrbaren Kaufmann

Die Vertrauenskrise ist noch immer nicht überwunden: Vor allem für die Banker müssen dringend neue Boni-Regelungen her. Das zeigen zwei Studien von Edelman und Media Tenor vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos

© REUTERS Auf nach Davos: Für die schöne Kulisse haben während des Weltwirtschaftsforums nur wenige einen Blick übrig

Europa hofft auf Deutschland, um die Euro-Krise zu lösen - und grundsätzlich erwarten die Menschen in der Wirtschaft die Rückkehr des „ehrbaren Kaufmanns“. Das gilt ganz besonders für die Finanzwirtschaft. So lassen sich die Ergebnisse von zwei umfangreichen Studien zusammenfassen, die unmittelbar vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgelegt worden sind. Das „Edelman Trust Barometer“ zeigt, dass das Vertrauen in die deutschen Institutionen, also in Regierung, Wirtschaft, Medien und Nichtregierungsorganisationen, unter 31.000 Befragten in 26 Ländern einen großen Sprung nach vorne gemacht hat (siehe Grafik). Zu sehr sollten sich die Deutschen darüber aber wohl auch nicht freuen. Denn die Tatsache, dass in der Euro-Krise so sehr auf Deutschland gezählt wird, dürfte nicht zuletzt mit der Erwartung finanzieller Hilfe verknüpft sein. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum die Deutschen selbst ihren Institutionen und Politikern im Ländervergleich weiterhin eher skeptisch gegenüberstehen, auch wenn sich die Lage angesichts der guten wirtschaftlichen Situation im vergangenen Jahr etwas verbessert hat.

Carsten Knop Folgen:

Die Daten des PR-Unternehmens Edelman zeigen zudem, dass die große Vertrauenskrise, die die Schwierigkeiten des Finanzsektors für viele Institutionen auf der Welt mit sich gebracht hat, noch lange nicht überwunden ist. Zwar haben sich auch hier einige Umfragewerte gegenüber dem extrem niedrigen Stand vor einem Jahr etwas verbessert. Aber eindeutig ist, dass das Vertrauen in die jeweiligen Akteure umso stärker steigt, je weiter ihre jeweiligen Branchen oder Organisationen von Banken und der Finanzindustrie entfernt sind: Während zum Beispiel 77 Prozent der Befragten Vertrauen in die Informationstechnologie-Branche haben, die damit den Spitzenplatz markiert, liegt dieser Wert für die Banken und andere Finanzdienstleister bei lediglich 50 Prozent. Damit verharrt diese Branche - die über die Geld- und Kreditversorgung ja eigentlich den Schmierstoff für die gesamte Wirtschaft bereitstellen soll - auf dem letzten Platz. Zum Vergleich: Selbst Hersteller von Bier und Spirituosen kommen auf einen sehr viel besseren Wert von 62 Prozent.

Ein schlechterer Ruf als Produzenten von Atomenergie

Die Ergebnisse decken sich mit dem Befund einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Media Tenor, das in seiner Arbeit aber einen ganz anderen Weg beschritten hat. Ausgewertet wurde hier die Berichterstattung über Wirtschaftsthemen in führenden Medien der Welt. Ziel war es, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Branchen derzeit den besten Ruf haben. Das Ergebnis ist ebenfalls eindeutig: Die Finanzindustrie hat nach diesen Daten inzwischen einen schlechteren Ruf als die Produzenten von Atomenergie. Der Ruf der britischen Bank Barclays ist sogar beinahe so schlecht wie der von Tepco, des japanischen Betreibers des havarierten Atomkraftwerks Fukushima. Grund hierfür ist nach den Ergebnissen von Media Tenor vor allem der Libor-Skandal, in dessen Epizentrum Barclays steht. Etwas verbessert hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung hingegen die Lage von BNP Paribas und der Bank of America, auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wurde 2012 wieder neutraler wahrgenommen als früher. Das wiederum habe sein Grund nicht zuletzt darin, dass es der Vorstandsvorsitzende Lloyd Blankfein grundsätzlich geschafft habe, sich den Medien fernzuhalten.

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