http://www.faz.net/-gqe-8cn8a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.01.2016, 16:52 Uhr

SAP-Vorstand Leukert sagt „Ein Grundeinkommen hilft allen“

Die Digitalisierung ändert fast alles. Viele Menschen fürchten, abgehängt zu werden. Ein Manager des IT-Unternehmens SAP sagt, was nun zu tun ist.

von
© dpa Bernd Leukert

Herr Leukert, die Digitalisierung der Wirtschaft geht mit hohem Tempo voran. Viele Menschen befürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes und haben Sorge vor immer größer werdenden Einkommensunterschieden. Wie könnte die Antwort auf diese Herausforderung aussehen?

Carsten Knop Folgen:

Die gesamte Gesellschaft wird von der vierten industriellen Revolution große Vorteile haben. Es stimmt auch, dass sich Kompetenzen verlagern werden. Wissen, das man vor zwanzig Jahren erworben hat, hat morgen wahrscheinlich einen geringeren Wert. Das wird noch nicht einmal so sehr Führungskräfte treffen, auch nicht die weniger gut bezahlten normalen Arbeiter. Aber das mittlere Gehaltssegment wird unter Druck kommen.

Mehr zum Thema

Anders formuliert: Wer sehr gut ausgebildet ist und sich ständig weiterbildet, wird grundsätzlich auch künftig einen guten Job haben. Im mittleren Management, zum Beispiel in der Steuerabteilung, im Einkauf oder auch in einer Bank, wird es aber ohne Weiterbildung eine Verlagerung in Richtung geringerer Einkommen geben. Hier wird die Informationstechnologie viele der heutigen Aufgaben übernehmen können.

So weit zur Bestandsaufnahme. Was kann man nun tun?

Ich bin der Meinung, dass man die Bedingungen für ein faires Einkommen nicht der Wirtschaft überlassen sollte. Hier ist die Politik gefragt, den richtigen Rahmen zu setzen.

Bis hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen?

Ja, davon würden langfristig auch diejenigen profitieren, die weiterhin höhere Gehälter beziehen. Wenn wir an dieser Stelle nichts tun, droht die Gesellschaft auseinanderzubrechen.

Die Zukunft heißt also Einkommen ohne Arbeit?

Zum einen reden wir natürlich über sehr langfristige Entwicklungen. Zum anderen muss das System so strukturiert sein, dass man auch künftig noch gute Anreize hat, um etwas zu erreichen. Durch Arbeit. Vom Aufstieg mancher Volkswirtschaften im asiatischen Raum kann Europa sich einiges abschauen.

Was können wir kurzfristig tun?

Wir müssen für jede Art von Innovation offen bleiben, den Fortschritt als Chance sehen – und früher und mehr in Ausbildung investieren. Das gilt für Unternehmen, aber auch für den Staat. Im Bildungssystem sollte man dabei auch die Berufsschulen nicht vergessen. Auch dort steht viel zu wenig zum Thema Digitalisierung auf dem Lehrplan. Aber für einen Handwerker führt daran künftig auch kein Weg vorbei. Denken Sie doch nur einmal an eine moderne Heizung oder den digital vernetzten Haushalt. Zudem: Vergessen wird häufig auch die Gruppe derjenigen, die älter als 50 Jahre sind. Da wiederum sind vor allem die Unternehmen gefragt, mehr in Weiterbildung zu investieren.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Grundeinkommen Geld für gar nichts

Tausend Euro im Monat für jeden, einfach so. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Wirtschaft auf den Kopf stellen. Die Idee ist so populär wie nie zuvor. Mehr Von Sebastian Balzter

15.05.2016, 18:05 Uhr | Wirtschaft
Spanien Großbrand in Europas größtem Reifenlager

Am Freitag stand in der spanischen Stadt Sesena eine rund 11 Hektar große Fläche in Flammen, auf der ungefähr 70.000 Tonnen Reifen lagerten. Bis zu sechs Meter hohe Stichflammen und schwarze, giftige Rauchwolken stiegen in den Himmel auf. Die Anwohner in den umliegenden Gemeinden wurden angewiesen, das Haus nicht zu verlassen und die Fenster zu schließen. Mehr

13.05.2016, 19:51 Uhr | Gesellschaft
Im Gespräch: Bernd Reisig FSV Frankfurt zu einer kleinen Sekte geworden

Unter Bernd Reisig als Geschäftsführer etablierte sich der FSV Frankfurt in der Zweiten Liga - die muss der Verein nun verlassen. Reisig wirft der Vereinsführung deshalb Fehler vor. Mehr

18.05.2016, 12:11 Uhr | Rhein-Main
Interaktiv Was die Flüchtlinge für Ihren Arbeitsplatz bedeuten

Hunderttausende Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland geströmt. Die Angst vor einer Einwanderung in die Sozialsysteme ist groß. Wo arbeiten die Flüchtlinge künftig? Und was bedeutet das für Ihre Stelle? Mehr Von Anna Steiner, Andre Piron und Bernd Helfert

18.05.2016, 13:19 Uhr | Wirtschaft
Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr

21.05.2016, 13:13 Uhr | Wirtschaft
.