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SAP-Vorstand Leukert sagt : „Ein Grundeinkommen hilft allen“

Bernd Leukert Bild: dpa

Die Digitalisierung ändert fast alles. Viele Menschen fürchten, abgehängt zu werden. Ein Manager des IT-Unternehmens SAP sagt, was nun zu tun ist.

          Herr Leukert, die Digitalisierung der Wirtschaft geht mit hohem Tempo voran. Viele Menschen befürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes und haben Sorge vor immer größer werdenden Einkommensunterschieden. Wie könnte die Antwort auf diese Herausforderung aussehen?

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Die gesamte Gesellschaft wird von der vierten industriellen Revolution große Vorteile haben. Es stimmt auch, dass sich Kompetenzen verlagern werden. Wissen, das man vor zwanzig Jahren erworben hat, hat morgen wahrscheinlich einen geringeren Wert. Das wird noch nicht einmal so sehr Führungskräfte treffen, auch nicht die weniger gut bezahlten normalen Arbeiter. Aber das mittlere Gehaltssegment wird unter Druck kommen.

          Anders formuliert: Wer sehr gut ausgebildet ist und sich ständig weiterbildet, wird grundsätzlich auch künftig einen guten Job haben. Im mittleren Management, zum Beispiel in der Steuerabteilung, im Einkauf oder auch in einer Bank, wird es aber ohne Weiterbildung eine Verlagerung in Richtung geringerer Einkommen geben. Hier wird die Informationstechnologie viele der heutigen Aufgaben übernehmen können.

          So weit zur Bestandsaufnahme. Was kann man nun tun?

          Ich bin der Meinung, dass man die Bedingungen für ein faires Einkommen nicht der Wirtschaft überlassen sollte. Hier ist die Politik gefragt, den richtigen Rahmen zu setzen.

          Bis hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen?

          Ja, davon würden langfristig auch diejenigen profitieren, die weiterhin höhere Gehälter beziehen. Wenn wir an dieser Stelle nichts tun, droht die Gesellschaft auseinanderzubrechen.

          Die Zukunft heißt also Einkommen ohne Arbeit?

          Zum einen reden wir natürlich über sehr langfristige Entwicklungen. Zum anderen muss das System so strukturiert sein, dass man auch künftig noch gute Anreize hat, um etwas zu erreichen. Durch Arbeit. Vom Aufstieg mancher Volkswirtschaften im asiatischen Raum kann Europa sich einiges abschauen.

          Was können wir kurzfristig tun?

          Wir müssen für jede Art von Innovation offen bleiben, den Fortschritt als Chance sehen – und früher und mehr in Ausbildung investieren. Das gilt für Unternehmen, aber auch für den Staat. Im Bildungssystem sollte man dabei auch die Berufsschulen nicht vergessen. Auch dort steht viel zu wenig zum Thema Digitalisierung auf dem Lehrplan. Aber für einen Handwerker führt daran künftig auch kein Weg vorbei. Denken Sie doch nur einmal an eine moderne Heizung oder den digital vernetzten Haushalt. Zudem: Vergessen wird häufig auch die Gruppe derjenigen, die älter als 50 Jahre sind. Da wiederum sind vor allem die Unternehmen gefragt, mehr in Weiterbildung zu investieren.

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