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Nobelpreisträger Stiglitz : Ungleichheit als Wachstumsrisiko

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Nur geteilter Wohlstand kann nachhaltig sein, so Joseph E. Stiglitz. Bild: dpa

Die Zukunft der Marktwirtschaft in der jetzigen Form steht auf dem Spiel, schreibt Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz. Was Unternehmen jetzt tun sollten. Ein Gastbeitrag.

          Die wachsende Ungleichheit ist eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft. Zu diesem Schluss sind die in Davos versammelten Wirtschaftsführer in den vergangenen Jahren gelangt. Sie haben erkannt, dass dies nicht allein eine moralische Frage ist, sondern auch eine wirtschaftliche. Wenn normale Bürger nicht über genügend Einkommen verfügen, um die von Unternehmen hergestellten Produkte zu kaufen, wie sollen diese Unternehmen dann wachsen? Diese Einsicht stimmt mit den Erkenntnissen des Internationalen Währungsfonds (IWF) überein, wonach Länder mit geringerer sozialer Ungleichheit ökonomisch besser dastehen.

          Ist eine Mehrheit der Bürger der Meinung, dass sie keinen gerechten Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung hat, kann sich diese gegen unser wirtschaftliches und politisches System wenden – oder zumindest gegen jene Teile, denen die Schuld dafür gegeben wird. Fühlt sich die Mehrheit von der Globalisierung benachteiligt, dann könnten sich diese Menschen gegen die Globalisierung wenden.

          Besorgniserregend ist dabei, dass der Ausgang der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten sowie das Brexit-Votum in Großbritannien nahelegen, dass sich ein solcher Aufstand schon formiert. Das ist durchaus verständlich, schließlich stagniert in den Vereinigten Staaten das Durchschnittseinkommen der unteren 90 Prozent seit einem Vierteljahrhundert auf demselben Niveau. Die durchschnittliche Lebenserwartung nimmt dort sogar wieder ab.

          Acht Männer besitzen so viel wie 3,6 Milliarden Menschen

          Die Organisation Oxfam, die sich der weltweiten Bekämpfung der Armut verschrieben hat, beobachtet seit Jahren die weltweite Zunahme der Ungleichheit. 2014 zeichnete sie ein sehr eingängiges Bild davon. Sie besetzte einen metaphorischen Bus mit den 85 reichsten Menschen des Planeten – von denen viele in Davos anzutreffen sind –, die zu diesem Zeitpunkt über dasselbe Vermögen verfügten wie die untere Hälfte der weltweiten Bevölkerung.

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          Die Größe dieses Busses schrumpft seitdem Jahr für Jahr zusammen. Dieses Jahr legt Oxfam dar, dass ein solch großes Gefährt nicht länger erforderlich sei. Heute reiche auch ein Minivan, um den acht reichsten Männern (in der Tat sind es alles Männer) Platz zu bieten. Diese besitzen ebenso viel wie die unteren 3,6 Milliarden Menschen.

          Bild: FAZ.NET / Statista - Lizenz: CC BY-ND

          Es ist nicht überraschend, dass dies auch von den führenden Managern in Davos erkannt wurde. Für manche ist es eine moralische Frage; für alle ist es jedoch auch eine wirtschaftliche und politische. Die Zukunft der Marktwirtschaft in der jetzigen Form steht auf dem Spiel. Auf jedem Treffen haben sich die Wirtschaftsführer in Davos der Frage gewidmet: Gibt es etwas, was die Unternehmen tun können, um diesem Übel beizukommen, dass die politische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit unserer demokratischen Marktwirtschaften bedroht? Die Antwort ist: ja.

          Geld in Steueroasen parken ist nicht intelligent, sondern unmoralisch

          An erster Stelle steht eine ganz einfache Idee: Zahlt Eure Steuern. Das ist der Grundbaustein der unternehmerischen Sozialverantwortung. Verzichtet auf die Verlagerung von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen. Mag sein, dass sich Apple ungerecht behandelt fühlt; schließlich war die Steuervermeidungsstrategie des Unternehmens nur ein klein wenig ausgefeilter als die anderer Unternehmen.

          Verzichtet auf Verschleierungsstrategien und die Nutzung von Offshore- oder Onshore-Steuerparadiesen, seien diese nun in Panama oder den Cayman Islands, in Irland oder Luxemburg ansässig. Verzichtet darauf, Länder in einen gegenseitigen steuerrechtlichen Wettbewerb zu treiben, ein Rennen in den Abgrund, bei dem die wirklichen Verlierer die Armen und die ganz normalen Bürger in aller Welt sind.

          Es ist eine Schande, wenn sich ein Präsident damit brüstet, beinahe zwei Jahrzehnte lang keine Steuern gezahlt zu haben – weil das intelligente Leute nicht tun würden –, oder wenn ein Unternehmen lediglich 0,005 Prozent seines Gewinns in Steuern abführt, wie es Apple getan hat. Das ist nicht intelligent, es ist unmoralisch. Allein dem afrikanischen Kontinent entgehen 14 Milliarden Dollar Steuereinnahmen, weil die Superreichen Steueroasen nutzen.

          Oxfam hat errechnet, dass der Betrag ausreichen würde, um über eine angemessene Gesundheitsversorgung das Leben von vier Millionen Kindern zu retten und genug Lehrer anzustellen, damit jedes afrikanische Kind die Schule besuchen kann.

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