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Im Gespräch: Sberbank-Chef Herman Gref „Was privatisiert werden kann, muss privatisiert werden“

Herman Gref leitet die größte russische Bank, zuvor war er ein reformorientierter Wirtschaftsminister. Im F.A.Z.-Interview sagt er, warum die Sberbank privatisiert werden muss – und auch der Erdölkonzern Rosneft.

© REUTERS Herman Gref

Herr Gref, gemessen an der Marktkapitalisierung leiten Sie die viertgrößte Bank Europas. Jetzt reisen Sie nach Davos, wo Sie auf Vertreter der west- und mitteleuropäischen Finanzbranche treffen werden. Dort kämpfen die Banken mit den Folgen der Schuldenkrise. Hier in Russland ist die Sberbank in einer komfortablen Lage: Ihr Reingewinn im Jahr 2012 ist nach russischer Rechnungslegung um 11 Prozent auf umgerechnet 8,5 Milliarden Euro gestiegen. Werden Sie Ihren Branchenkollegen in Davos Ratschläge erteilen?

Nein. Wir haben hier in Russland noch viele Schwierigkeiten und einen sehr großen Plan, was wir in unserem Geschäft verändern möchten. Wir müssen uns auf unsere inneren Probleme konzentrieren. Gleichwohl war das vergangene Jahr für die Sberbank hinsichtlich Gewinn und Marktkapitalisierung sehr erfolgreich und auch wichtig, denn wir waren im Ausland sehr aktiv: In der Schweiz haben wir nach einer Einigung mit der Finanzmarktaufsicht Finma im Juni die Übernahme der SLB Commercial Bank abgeschlossen. Die Gespräche dauerten drei Jahre, Gott sei Dank sind sie jetzt vorbei. Auch haben wir die österreichische Volksbank International gekauft, und im September haben wir die Übernahme der türkischen Denizbank abgeschlossen. Heute hat die Sberbank schon 13 Prozent ihrer Vermögenswerte im Ausland.

Das Geschäft der Sberbank in Russland basiert derzeit auf Kreditvergabe. Die Verschuldung des Staates ist niedrig, aber die Verschuldung der Haushalte erhöht sich relativ schnell. Die Sberbank steigerte die Vergabe von Retail-Krediten 2012 um 42 Prozent, die Retail-Depositen kletterten nur um 17 Prozent. Ist die Kreditexpansion für die Sberbank, die ja bereits die dominierende Bank des Landes ist, der einzige Weg zu wachsen?

Ich mag das Wort «Expansion» nicht, es ist zu aggressiv. Die Sberbank ist bereits sehr groß, und dieses Wort erweckt einen falschen Eindruck. Ja, 42 Prozent Retail-Kreditwachstum ist sehr viel. Dieses Segment boomte im vergangenen Jahr. Wir haben die Chance genutzt, sind stärker als der Markt gewachsen und konnten dabei nicht die Balance zu den Depositen wahren. Aber ist dieses Kreditwachstum eine Gefahr für die russische Wirtschaft oder eine Chance? Die Haushaltsverschuldung ist kein großes Problem, es gibt noch Potenzial für mindestens 50 Prozent weiteres Wachstum. Ich mache mir da keine Sorgen. Natürlich wäre es besser für das Land, wenn die jährliche Steigerung nicht 42 Prozent, sondern 20 Prozent bis 25 Prozent betragen würde. Aber wenn der Markt schnell wächst, muss auch die Sberbank schnell arbeiten. Über alle Kategorien hinweg ist unser Verhältnis von Krediten zu Depositen, die Loan-Deposit-Ratio, ausgeglichen. Das ist sehr gut. Und dieses Jahr wird ein solches Kreditwachstum wie 2012 unmöglich sein.

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Für die stark wachsende Kreditvergabe refinanzieren sich die russischen Finanzinstitute immer stärker über die Zentralbank. Die Verschuldung der Banken bei der Notenbank beträgt rund 80 Milliarden Dollar, fast der Stand von der Finanzkrise und doppelt so viel wie zu Jahresanfang 2012. Entsteht hier eine Blase?

Auch die Sberbank hat ihre Abhängigkeit von der Zentralbank verdoppelt, am Jahresende kamen 10 Prozent unserer Schulden von dort. Aber die Währungshüter haben schon gesagt, dass das Volumen von 80 Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren mindestens verdoppelt wird. Das ist ein neues Modell der Geldpolitik in Russland, ein neuer makroökonomischer Faktor, aber kein Problem. Entscheidend bleibt das ausgeglichene Verhältnis von Krediten zu Depositen.

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