25.01.2005 · Die Managerelite ist zuversichtlich, sieht aber auch Risiken: Als Wachstumsbremse nennen sie die wachsende Regulierung durch immer neue Vorschriften, wie am Vorabend des World Economic Forum bekannt wurde.
Die internationale Managerelite setzt große Hoffnungen auf die Geschäftsentwicklung ihrer Unternehmen im Jahr 2005. Gleichzeitig sehen die Konzernlenker aber auch wachsende Risiken - und haben gelernt, damit umzugehen. Als Wachstumsbremse Nummer eins für ihr Unternehmen nennen sie vor allem die Tendenz zu einer wachsenden Regulierung des Geschäftslebens durch immer neue Vorschriften. Dazu gehören unter anderem auch die von Land zu Land unterschiedlichen Bilanzierungsrichtlinien.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC), die am Vorabend des World Economic Forum im Schweizer Wintersportort Davos vorgestellt wurde. Die Studie mit dem Titel „Global CEO Survey“ basiert auf mehr als 1.300 Interviews mit Vorstandsvorsitzenden, die Ende des Jahres 2004 geführt wurden. Dabei wurden auch 392 Manager aus Europa befragt.
Überregulierung als größtes Wachstumshindernis
Während in der Befragung des Vorjahres rund 31 Prozent der Befragten sehr zuversichtlich über die Geschäftsentwicklung ihrer Konzerne waren, stieg dieser Wert in der aktuellen Untersuchung deutlich auf 41 Prozent an. Weitere 50 Prozent der Manager gaben an, zumindest mit einiger Zuversicht in das laufende Jahr zu gehen. Zusammengenommen sehen demnach 91 Prozent der Unternehmenslenker positive Vorzeichen für 2005. Ein deutlicher Anstieg vor allem gegenüber dem Jahr 2002, in dem die Studie nur bei 72 Prozent der Manager einen zuversichtlichen Ausblick für das Folgejahr ergab.
Als größtes Wachstumshindernis für ihr Unternehmen sehen die Manager inzwischen die Überregulierung. Die Angst vor neuen Auflagen und Verordnungen übersteigt inzwischen sogar die Wachstumsbedrohung, die von einem härteren Wettbewerb - unter anderem durch Billiganbieter - ausgeht. Während in der vorangegangenen Befragung noch 63 Prozent die Wettbewerbsverschärfung als härteste Herausforderung betrachteten, sank dieser Wert für das Jahr 2005 auf 54 Prozent. Demgegenüber nennen jetzt 60 Prozent der Manager die Regulierungsfragen als bedrohlichstes Szenario. Als weitere Hemmnisse werden das Abwandern hochqualifizierter Mitarbeiter oder auch Imageprobleme genannt.
Unternehmer wollen Forschungsausgaben erhöhen
Die aus dem Terrorismus resultierende Gefahr hingegen tritt in der Wahrnehmung immer weiter in den Hintergrund. Während diese Bedrohung für das Wachstum der eigenen Unternehmen im Jahr 2003 noch von 40 Prozent der Befragten als groß oder sehr groß angesehen wurde, ordnen aktuell nur noch 34 Prozent der Manager den Terror in diese Kategorie ein. Neu hinzugekommen ist allerdings die Gefahr, die nach Ansicht der Unternehmensführer von dem hohen Ölpreis ausgeht: Hier sehen mit 55 Prozent deutlich mehr als die Hälfte große oder sehr große Risiken für die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr.
Von diesen Risiken lassen sich die Manager allerdings offenbar nicht beeindrucken, sondern setzen auf verstärktes Ausschöpfen der Wachstumschancen. So gehen 61 Prozent der Befragten davon aus, daß sie im laufenden Jahr höhere Investitionen tätigen werden als im Vorjahr. 54 Prozent wollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhen, und ebenso viele Unternehmen beschleunigen ihre Expansionspläne. Rund die Hälfte der Befragten will sogar mehr Mitarbeiter einstellen und neue Dependancen öffnen.
Große Anforderungen aus dem Ausland
Auffällig ist nach Angaben von PWC, daß die Herausforderung durch Regulierungsfragen in Europa oder Asien als sehr viel härter empfunden wird als in Amerika. So geben die Unternehmensführer aus den Vereinigten Staaten - hier gilt seit dem Jahr 2002 vor allem der Sarbanes-Oxley Act als Herausforderung - nur mit 54 Prozent die Überregulierung als eine der größten Schwierigkeiten an. In Europa hingegen nennen 61 Prozent und in Südamerika sogar 71 Prozent der Manager dieses Thema an vorderster Stelle, wenn es um die Identifizierung der wichtigsten Wachstumshemmnisse geht.
Diese Erkenntnis der Studie steht in Übereinstimmung mit den Ergebnissen, die die Fragen zum Thema Unternehmensführung, Risikomanagement und Anpassung an das regulatorische Umfeld ergeben haben. So gehen die meisten Manager davon aus, daß sich ihr Unternehmen auf seinem Heimatmarkt gut in dem bestehenden Gefüge aus Rechtsrahmen und anderen regulatorischen Anforderungen zurechtfindet. 95 Prozent der Befragten sind dieser Ansicht. Dieser Wert allerdings fällt rapide ab, wenn es um die Anforderungen auf den Auslandsmärkten geht. Nur noch 65 Prozent der Befragten sind zuversichtlich, daß ihr Unternehmen im Ausland den Anforderungen genügt. Die starke Exportorientierung Europas trägt daher dazu bei, daß die Angst vor Regulierung hier größer ist als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten.
„Glaubwürdigkeit wiederherstellen“
„Wir haben in den vergangenen Jahren viel Zeit investiert, um die neuen Regeln - vor allem die des Sarbanes-Oxley Act in den Vereinigten Staaten - zu verstehen und sicherzustellen, daß wir ihnen genügen“, betont auch Leif Johanson, Vorstandsvorsitzender des Automobilherstellers Volvo, in einem PWC-Interview. „Wir können nicht weiterhin so viel Geld und Zeit dafür aufwenden“, fügt er hinzu. „Bisher aber hat es sich gelohnt. Ob es uns gefällt oder nicht: alle Unternehmen müssen ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Investoren wiederherstellen. Dabei ist die Befolgung dieser Regeln ein wichtiger Bestandteil.“
„Wenn Sie zu viele Spiel- oder Bilanzierungsregeln beherrschen müssen, kann das operative Geschäft darunter leiden“, betont auch Wolfgang Wagner, der bei PWC für Kontinentaleuropa zuständig ist und dem globalen Führungsgremium der Gesellschaft angehört.
Bilanzierungsregeln müssen sich erst bewähren
„Durch die unterschiedlichen Rechtssysteme in den Vereinigten Staaten und Europa kommt es bei gleichzeitiger Anwendung zu einer Multiregulierung und zu Unsicherheit. Auch entstehen hohe Kosten, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden“, sagte Wagner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch aus diesem Grund würden inzwischen viele Gesellschaften in Europa darüber nachdenken, ihre Börsennotierung in den Vereinigten Staaten einzustellen. Ein Schritt, der sinnvoll sei, wenn sich aus der Notierung in New York keine wesentliche Verbesserung des Zugangs zum Kapitalmarkt ergebe. Dies sei auch bei vielen deutschen Unternehmen der Fall, deren Aktien bisher dort gehandelt würden, fügt Wagner hinzu.
Auch wenn es schon viele Initiativen zur Vereinheitlichung der Bilanzierungsregeln gibt, wird es seiner Ansicht nach noch einige Zeit dauern, bis sich ein wirklich international akzeptierter, einheitlicher Standard für die Rechnungslegung durchsetzt. So müsse zunächst dem gerade eingeführten Standard IFRS Gelegenheit gegeben werden, sich in der Praxis zu bewähren. Erst in fünf bis zehn Jahren rechnet Wagner mit einem globalen Standard.
„Gute Führung sichert den Unternehmenserfolg“
Er sieht die Ergebnisse der Studie zudem auch in seiner praktischen Arbeit bestätigt. „Immer mehr Unternehmen erkennen, daß die Prinzipien der guten Unternehmensführung, das vorausschauende Risikomanagement und der Umgang mit Regulierung und Bilanzierungsvorschriften zu wesentlichen Instrumenten geworden sind, um den Unternehmenserfolg zu sichern“, erklärt er. Dies rechtfertige in vielen Fällen die hohen Kosten, die dadurch entstünden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,35 $ | −0,47% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?