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Weltwirtschaft : Transformationen

Die Industrienationen stehen nicht nur vor der Bewältigung einer Krise des Finanzsystems, die alleine schon fordernd ist. Viele Länder müssen ihr Wirtschaftsmodell ändern.

          Ob es nach der Zypern-Entscheidung der Europäischen Union an den Finanzmärkten so entspannt zugehen wird wie in den vergangenen Monaten, müssen die kommenden Tage zeigen. Auch sehr erfahrene Marktteilnehmer zeigten sich über das Wochenende unsicher.

          Unbestreitbar bleibt der aktuelle Befund der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass die in den vergangenen Monaten konstatierte größere Zuversicht an den Finanzmärkten eine allmähliche Belebung der Wirtschaft in den Industrienationen antizipiert, die sich in vielen Ländern erst noch einstellen und bestätigen muss. Hierzu bedarf es langfristiger Konzepte im Umgang mit einer sich verändernden Demographie, oft nicht genügend flexiblen Wirtschaftsstrukturen und einem über die Jahrzehnte entstandenen Schuldenberg.

          Zudem scheinen in der reichen Welt Diskussionen über Verteilungsfragen an Bedeutung zu gewinnen. Die Industrienationen stehen nicht nur vor der Bewältigung einer Krise des Finanzsystems, die alleine schon fordernd ist. Viele Länder benötigen darüber hinaus Transformationen ihres Wirtschaftsmodells. Institutionen wie die BIZ singen dieses Lied schon lange.

          Transformationen sind aber möglicherweise auch anderswo notwendig. Die Schwellenländer sind in den vergangenen Jahren häufig als der künftige Wachstumsmotor der Weltwirtschaft beschrieben worden, und nicht zuletzt auch deutsche Unternehmen profitieren von der Dynamik in Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Aber die Geschäftsmodelle der Schwellenländer sind sehr unterschiedlich. Der chilenische Ökonom und frühere Politiker Andres Velasco hat dieser Tage die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos und Brasiliens in jüngerer Zeit verglichen. Brasilien hatte viele Jahre den Ruf eines sehr dynamischen Landes, während Mexikos Ruf unter der hohen Drogenkriminalität litt.

          Tatsächlich aber profitiert Mexiko stark von der engen Einbindung in die Arbeitsteilung mit der Wirtschaft der Vereinigten Staaten, während Brasilien wie andere Länder auf der Südhalbkugel spürt, dass der Boom der Rohstoffwirtschaften nicht naturgegeben ist. Chinas neue Führung verspricht ein solides Wirtschaftswachstum, aber die Börse hegt schon länger Zweifel an der Dauerhaftigkeit des roten Wirtschaftswunders. Generell macht an den Finanzmärkten die unkritische Euphorie für Schwellenländer einer differenzierteren Einschätzung Platz. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Börse die wirtschaftliche Zukunft korrekt antizipiert.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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