15.07.2010 · Die chinesischen Bahntechnik-Hersteller kommen mit Kunden aus Argentinien ins Geschäft. Bei der Finanzierung der des Milliarden-Projekts sind Pekings Staatsbanken behilflich. Plagiatsvorwürfe begleiten die Eisenbahngeschäfte.
Von Christian Geinitz, PekingChina, sonst ein Importeur westlicher oder japanischer Bahntechnik, steigt immer mehr ins Exportgeschäft mit Zügen ein. Es nutzt dazu ein altes Modell der Industrieländer, die Finanzierung über Staatsbanken gleich mitzuliefern. Anlässlich des Besuches der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner bei Präsident Hu Jintao in Peking unterzeichneten beide Seiten mehrere Abkommen zur Lieferung chinesischer Bahntechnik nach Argentinien. Das Gesamtvolumen der zehn Verträge betrage 10 Milliarden Dollar, meldeten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den argentinischen Transportminister Juan Pablo Schiavi. Außerdem wurde bekannt, dass sich die großen Hersteller China Northern Railway (CNR) und China Southern Railway (CSR) an einer 800 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Melbourne und Sydney in Australien beteiligen wollen.
China könnte für das Projekt, das insgesamt 40 Milliarden Dollar umfasst, Wagen und andere Ausrüstung liefern, sagte der Chef des Australischen Eisenbahnverbands, Bryan Nye, in Hongkong: „China ist ein starker Kandidat.“ Auch auf das 19-Milliarden-Dollar-Projekt einer Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen São Paulo und Rio de Janeiro in Brasilien könnten sich die Chinesen bewerben, hieß es am Mittwoch. In Argentinien sollen CNR und CSR für 2,5 Milliarden Dollar die Eisenbahn in Buenos Aires modernisieren. Die Bestellungen dürften zu den größten Exportaufträgen in der Geschichte der chinesischen Bahntechnik gehören. CSR hat 2009 Produkte im Wert von 1,2 Milliarden Dollar ausgeführt, 2001 waren es 59 Millionen Dollar.
Der chinesische Markt für Superschnellzüge beträgt 100 Milliarden Dollar im Jahr
Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua helfen chinesische Anbieter in Argentinien auch bei der Erneuerung einer Güterbahnlinie, der Strecken-Elektrifizierung sowie bei S- und U-Bahn-Vorhaben. Die chinesische Staatsbank Citic teilte mit, CNR werde 20 Hochgeschwindigkeitszüge mit 220 Wagen nach Argentinien liefern. Dafür gewährten Citic und das Förderinstitut China Development Bank dem argentinischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen einen zehnjährigen Kredit über 273 Millionen Dollar.
Mit 86.000 Kilometern ist Chinas Eisenbahnnetz das längste der Welt hinter dem der Vereinigten Staaten. Bis 2020 soll es auf 120 000 Kilometer wachsen. Nach offiziellen Angaben sind derzeit 10.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke im Bau, bis 2020 sollen 16 000 Kilometer fertig sein. Der Markt für Superschnellzüge in China beträgt gegenwärtig etwa 100 Milliarden Dollar im Jahr. Medienangaben zufolge stellt CSR in Zusammenarbeit mit ausländischen Herstellern aus Deutschland, Japan, Kanada und Frankreich derzeit 70 Prozent der chinesischen Superschnellzüge her. 2009 habe man erstmals Züge und Güterwaggons nach Australien und Singapur ausgeführt. Früheren Angaben zufolge will das Eisenbahnministerium Hochgeschwindigkeitsbahnen künftig auch nach Nordamerika, Russland und Saudi-Arabien exportieren. Vizeminister Wang Zhiguo sagte, Chinas Staatsbetriebe bauten solche Strecken bereits in der Türkei und in Venezuela.
Wieder Plagiatsvorwürfe gegen chinesischen Hersteller
Wie schon nach dem Bau der deutschen Magnetschwebebahn Transrapid in Schanghai gibt es immer wieder Plagiatsvorwürfe gegen die chinesischen Hersteller. So hat sich ein japanisches Hochgeschwindigkeitskonsortium unter Führung von Kawasaki Heavy Industries aus der Zusammenarbeit mit der CSR-Tochtergesellschaft Sifang in Qingdao zurückgezogen. Nach Erteilung einer Lizenz 2004 zum Bau von Shinkansen-Zügen verleibten sich die chinesischen Partner offenbar immer mehr der japanischen Technik ein.
Trotz des identischen Äußeren werden die Bahnen heute als rein chinesische Produkte vermarktet; jede Woche verlassen zwei Komplettzüge das Werk. China sei gut darin, vorhandene Techniken „zusammenzuführen“, sagte der Eisenbahnwissenschaftler Yang Hao der Zeitung „China Daily“. „Die Stärken von anderen zu absorbieren trägt zu Chinas Wettbewerbsfähigkeit bei. Hinzu kommen Vorteile wie niedrige Herstellungskosten und kürzere Bauzeiten.“ Auf deutscher Seite ist unter anderem Siemens in China aktiv. Der Münchner Konzern baut in Kooperation die Hochgeschwindigkeitszüge für die Strecke Peking-Tianjin.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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