01.07.2009 · Peking wirbt für sich und seinen Yuan. Das Land mobilisiert eine breite Allianz, um dem Zahlungsmittel in seinen Nachbarstaaten, aber auch in Hongkong und Taiwan mehr Gewicht zu verleihen. Für die südostasiatischen Länder hat dies einige Vorteile.
Von Christoph HeinIn Pang Sang, der Provinzstadt im unzugänglichen Norden der Militärdiktatur Burma, hat vieles Wert - Rauschgift, Waffen, Mädchen. Wer aber hier ganz normal einkaufen gehen will, der sollte harte Dollar oder den chinesischen Yuan in der Tasche haben. Denn Burmas Kyat, die heimische Währung, mögen die Händler am wenigsten. Das hat gute Gründe: Das Wirtschaftsgeschehen in weiten Teilen Burmas wird längst von China diktiert. Auch in Teilen Kambodschas, Laos' und Vietnams ist der Yuan eine gern gesehene Währung, da er stabil ist und den grenzüberschreitenden Warenverkehr mit China vereinfacht.
Was die Händler und Hehler längst vormachen, sieht auch Peking inzwischen als Erfolgsmasche. Mit hoher Geschwindigkeit baut China die Bedeutung des Yuan aus, ohne ihn voll konvertibel zu machen. Auf allen Ebenen bemüht sich die chinesische Regierung deshalb, dem Yuan mehr Gewicht zu verleihen. Wie immer in China, ist auch der Bedeutungsgewinn für die chinesische Währung eine konzertierte Aktion von Politikern, Zentralbankiers und staatlichen Banken. Xiao Gang, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Bank of China, sagte gerade: „Zeit ist reif, den Yuan zu internationalisieren.“ Er begründete dies mit dem wachsenden Interesse der Unternehmen, ohne den Umweg über den amerikanischen Dollar in Yuan abrechnen zu können.
China will Asean-Staaten überzeugen
Der Vorstoß Pekings ist breit gefächert: Mit Brasilien sprechen die Chinesen über die Abwicklung des bilateralen Handels in den beiden Landeswährungen Yuan und Real. Mit einer ganzen Reihe von Ländern arbeiten sie Währungssicherungsabkommen in Yuan aus. Mit der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong hat Peking gerade einen Vertrag zum Einsatz des Yuan im grenzüberschreitenden Handel geschlossen.
Es könnte auch als Modell für eine künftige Annäherung an Taiwan gelten: Schon jetzt plant China für die Taiwan gegenüberliegende Provinz Fujian eine engere wirtschaftliche Vernetzung und will die Nutzung des Yuan ausweiten. Viele taiwanische Hersteller betreiben Fabriken in Festlandchina, verbuchen ihre Gewinne in Dollar, investieren in Yuan und brauchen in ihrer Heimat taiwanische Dollar. Zeitgleich aber arbeiten die Chinesen an einem deutlich größeren Projekt: Sie wollen ihre Nachbarstaaten in Südostasien, repräsentiert durch den Zehn-Staaten-Bund Asean, zur Handelsfinanzierung mit dem Yuan gewinnen.
Chinesen geben im Wirtschaftsleben den Ton an
Kambodscha prüft zudem ein Währungsabkommen mit dem großen Nachbarn. Chea Chanto, Gouverneur der kambodschanischen Zentralbank, betonte am vergangenen Wochenende, dass der Handel mit Yuan in Asien stetig wachse. Bislang aber wickelt sein Land noch mehr als 90 Prozent aller Banktransaktionen in Dollar ab. Malaysia und Indonesien haben schon deutlich zum Ausdruck gebracht, ihren Handel mit China gerne in Yuan statt in der Drittwährung Dollar abzurechnen. Das hat nicht nur damit zu tun, dass das Wirtschaftsleben auch in Südostasien zu weiten Teilen von ethnischen Chinesen geprägt wird. Der Wechsel zum Yuan spart - da die chinesische Währung im Vergleich zum Dollar wenig volatil ist - Kosten für Geschäfte zur Währungsabsicherung (Hedging) und vereinfacht die Buchführung.
Zudem dürfte der Yuan auf mittlere Sicht weiter gegenüber dem Dollar aufwerten. Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) rechnet mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 3 Prozent jährlich. Der Schulterschluss mit China bringt dem Rest Asiens zudem einen starken Partner. Indonesiens Finanzministerin Mulyani Indrawati hatte schon Ende April angekündigt, dass der staatliche Versorger Perusahaan Listrik Negara die Rechnungen seiner chinesischen Lieferanten gerne in Yuan begleichen möchte.
Pilotprogramme in den Grenzprovinzen
Zunächst aber ist der Blick auf das Experiment in Südchina gerichtet. „Die Vorbereitungen für die Pilotprogramme laufen gut. Sie sollten bald umgesetzt werden“, versprach Nong Rong, Stellvertretender Generalsekretär der China-Asean Expo. Er gehe davon aus, dass Unternehmen nun den grenzüberschreitenden Handel ausbauen würden, da das Risiko von Währungsschwankungen entfallen werde. Den Chinesen selber dienen die beiden Grenzprovinzen Guangxi und Yunnan als Erprobungsgebiet. Zugleich soll der Yuan im internationalen Geschäft in der Wirtschaftsmetropole Schanghai und den vier Handelsstädten, unter ihnen Guangzhou und Shenzhen in der „Fabrik der Welt“, eingesetzt werden dürfen.
China wirbt für den Yuan
Für Hongkong haben der Chef der dortigen Zentralbank, Joseph Yam, und sein Pekinger Gegenüber Zhou Xiaochuan ein Abkommen unterzeichnet, das schon nächsten Monat in Kraft treten soll. Analysten der ICBC erwarten, dass rund die Hälfte von Hongkongs Handelsvolumen mit China auf mittlere Sicht in Yuan abgerechnet werde. Zhou möchte den Dollar als Weltwährung abgelöst sehen durch die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Peking wirbt für sich und seinen Yuan aber auch mit Großzügigkeit: Es hat Argentinien, Belarus, seiner Sonderverwaltungsregion Hongkong, Indonesien, Malaysia und Südkorea jüngst 650 Milliarden Yuan (67,8 Milliarden Euro) als bilaterale Swap-Abkommen angeboten. Sie erlauben dortigen Importeuren chinesischer Waren, direkt in Yuan abzurechnen.
Seitdem er im Juni 2005 aus seiner Dollarbindung entlassen wurde, hat der Yuan 21 Prozent an Wert gewonnen. Damit sank der Gewinn der Exporteure Chinas, die in Dollar abrechnen und dann in die heimische Währung tauschen müssen. Gerade in der Wirtschaftskrise haben die Chinesen aber wenig Interesse daran, ihre Währung weiter aufwerten zu lassen - entgegen allem Drängen aus Amerika und Europa.
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Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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