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Weltmarktführer vergrößert Produktspektrum Intel will mit multifunktionalen Chips schneller wachsen

27.07.2008 ·  fib. FRANKFURT, 27. Juli. Intel will sich mit einer reformierten Produktstrategie neuen Märkten öffnen. Während andere Chiphersteller wie AMD, Infineon oder Powerchip derzeit Verluste in Milliardenhöhe einfahren, ist der Weltmarktführer ...

Von Stephan Finsterbusch
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Intel will sich mit einer reformierten Produktstrategie neuen Märkten öffnen. Während andere Chiphersteller wie AMD, Infineon oder Powerchip derzeit Verluste in Milliardenhöhe einfahren, ist der Weltmarktführer der Halbleiterindustrie hochprofitabel und kann es sich offenkundig leisten, mit multifunktionalen Ein-Chip-Systemen die Entwicklung der Industrie weiter voranzutreiben. Intel peilt nach eigenen Angaben eine Ausweitung der Anwendungsbereiche seiner Bausteine an, eine Diversifizierung seines Geschäfts und eine deutliche Anhebung der Kundenzahlen.

Das Unternehmen arbeitet seit mehr als zehn Jahren an dieser Strategie. Nun könnte sie kurz vor dem technischen Durchbruch stehen. Seit den achtziger Jahren dominiert der Konzern aus Santa Clara in Kalifornien den internationalen Markt für Mikroprozessoren. Diese Bausteine werden vor allem in Computern eingesetzt und sind dort quasi die Schaltzentrale. Intel kommt in diesem Markt auf einen Anteil von mehr als 80 Prozent. Dadurch sieht es sich den kartellrechtlichen Angriffen von Konkurrenten und Wettbewerbshütern auf der ganzen Welt ausgesetzt. Auch deswegen will der Vorstand um den Vorsitzenden Paul Otellini nun das Produktspektrum vergrößern.

Riesige Marktchancen erhofft

Otellini sieht vor allem im Einsatz von speziell entwickelten Chips in mobilen Internetanwendungen riesige Marktchancen. Die gesamte Halbleiterbranche wird dieses Jahr etwa 300 Milliarden Dollar umsetzen. Im kommenden Jahr werden mindestens 10 Prozent mehr erlöst, weil die Industrie durch immer neue Erfindungen rund um das globale Datennetz wichtige Impulse erfährt. Otellini nahm vor zwei Jahren mit den Ein-Chip-Systemen ein Geschäftsmodell auf, das das Management schon einmal Ende der neunziger Jahre anvisiert, dann aber aufgrund des mit revolutionären Mikroprozessoren im Intel-Kerngeschäft unerwartet stark auftrumpfenden Konkurrenten AMD erst einmal beiseite gelegt hatte. AMD konnte das Tempo jedoch nicht halten.

Nun ist Intel wieder vorn und treibt die technische Entwicklung voran. Dabei werden die Zentralrechenbausteine (CPU) auf kleinstem Raum an andere Chip-Applikationen herangerückt. Als Steuerzentrale dienen zunächst Intels Pentium-M-Prozessoren, später dann die kleinen Atom-Chips. Die sogenannten System-on-a-Chip-Einheiten (SoC) integrieren digitale, analoge und gemischte Funktionen auf einem einzigen Stückchen Silizium. Der Baustein soll knapp die Hälfte der Fläche und ein Drittel weniger Energie verbrauchen als für die jeweils gleichen Funktionen benötigten separaten Chips. So sind SoC-Systeme gegenüber klassischen Bausätzen kleiner, stromsparender und preiswerter. Das macht sie für den Einsatz in Radios, Industrierobotern, TV- und Kommunikationsgeräten interessant. Intel rechnet sich Chancen aus, neben dem klassischen Geschäft mit Computerherstellern in der Informations- und Unterhaltungstechnologie Fuß zu fassen. Das ist wichtig. Denn Intel sieht sich seit seiner Gründung vor 40 Jahren als Wachstumsfirma. Sie erlöste im vergangenen Quartal 9,5 Milliarden Euro, verbuchte einen Betriebsgewinn von 2,2 und einen Überschuss von 1,6 Milliarden Euro. Der Hersteller ist einer der wenigen in der Chip-Industrie, der in der durch Überkapazitäten geprägten Branchenkrise mit ihren rasch fallenden Preisen steigende Erlöse und Gewinne verbucht.

Auf fremdem Terrain

Intel will mit seiner SoC-Strategie über die kommenden Jahre Umsatz und Gewinn im zweistelligen Prozentbereich erhöhen. Mit der Technik betritt es jedoch ein Feld, das bislang von Unternehmen wie Freescale, MIPS Technologies, ARM Holdings oder IBM bestellt wurde. Derzeit hat Intel eigenen Angaben nach 15 unterschiedliche System-on-a-Chip-Projekte am Laufen. Dabei halten die Ingenieure des Konzerns an der schon Ende der siebziger Jahre in den Grundstrukturen eingeführten x86-Architektur ihrer zentralen Steuerbausteine fest. Damit setzt Intel bis heute in der Halbleiterbranche technische Standards, hält die wichtigsten Patente und kann auf eine Schar von Programmierern zurückgreifen, die mit diesem System umzugehen wissen.

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