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Weltklimagipfel Klimawandel löst immer mehr Unwetter aus

07.12.2010 ·  Der vom Menschen ausgelöste Treibhauseffekt lässt die Zahl der Unwetter und die Schäden steigen. Auf der Klimakonferenz in Cancún drängen auch die Versicherer, den Klimawandel zu begrenzen.

Von Andreas Mihm, Cancún
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Peter Höppes Welt sind die Stürme und Beben, die Regengüsse und Flutwellen. Er sucht sie zu ergründen, zu erklären, zu verhindern. Denn Peter Höppe ist nicht nur Meteorologe. Er leitet auch die Georisikoforschung des Rückversicherers Munich Re. Die Münchener Versicherung sieht den Anstieg der Risiken aus ungewöhnlichen Umwelt- und Naturereignissen mit Sorge, denn das kostet sie Geld. Für das gerade auslaufende Jahr hat Höppe eine neue schlechte Nachricht: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass 2010 das wärmste Jahr des letzten Jahrtausends wird.“ Höppe steht mit der Prognose nicht allein. Gerade erst hat die Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) der Vereinten Nationen am Rande des Weltklimagipfels in Cancún mitgeteilt, dass 2010 voraussichtlich eines der drei heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sei. Nur die Jahre 1998 und 2005 seien noch wärmer gewesen, sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. Ein Ausreißer in den Temperaturtabellen sei das auch nicht: Das Jahrzehnt 2001 bis 2010 werde sich als die wärmste Dekade „überhaupt“ erweisen.

Das sind keine guten Nachrichten. Denn steigende Temperaturen tragen nicht nur zum langsamen Schmelzen der Eismassen und zum Anstieg des Meeresspiegels, sondern auch zu vielfältigen Wetterphänomenen bei, die direkt Auswirkung auf das Leben, die Gesundheit und Ernährung von Milliarden Menschen haben. Natürlich könne man nicht jedes einzelne Unwetter dem Klimawandel in die Schuhe schieben, heißt es beim Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Doch zeige die Häufung der vergangenen Jahre einen klaren Zusammenhang. „Seit 1980 hat sich die Zahl wetterbedingter Schadensereignisse verdreifacht, und nach unserer Einschätzung wird dieser Trend auch in den nächsten Jahren anhalten“, sagt Versicherungsmann Höppe und fügt hinzu: „Wir haben keinen Anlass daran zu zweifeln, dass die Dynamik des Klimawandels weiter zunehmen wird.“ Das betrifft vor allem Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber nicht nur. Die Umweltorganisation Germanwatch hat am Wochenende in Cancún einen Klima-Risiko-Index vorgestellt. Im Jahr 2009 zählten demnach „überraschenderweise auch Länder wie Taiwan, Saudi-Arabien und Australien“ zu den zehn Staaten, die am meisten unter Wetterextremen litten, sagt Sven Harmeling von Germanwatch. Dies zeige, „dass kein Land vor Wetterkatastrophen gefeit ist“.

Großes Leid, Krankheit und Armut

Die Generalsekretärin des Weltklimarates, Christina Figueres, erinnerte unlängst auf einer Konferenz des Schweizer Rückversicherers Swiss Re in New York daran, dass auch der New Yorker Stadtbezirk Brooklyn Ziel eines Tornados war. Der mexikanische Präsident Felipe Calderón wies in seiner Eröffnungsrede zur Weltklimakonferenz auf die tropischen Wirbelstürme hin, die sein Land regelmäßig heimsuchen, auf die Flutwellen in Pakistan, die sommerliche Hitzewelle mit Großfeuern in Russland. Bundesumweltamt und Umweltministerium listeten kürzlich noch einmal die deutschen Schlechtwetterereignisse des vergangenen Jahres auf: Sturmtief „Daisy“ mit Schneechaos im Januar vor allem im Norden, das Orkantief „Xynthia“ mit Böen von 120 Stundenkilometern, Schafskälte im Juni, Hitzewelle im Juli und intensive Regenperiode im August.

Video: Klima-Gipfel in Cancún eröffnet

Germanwatch hat über die Umweltkatastrophen der vergangenen Jahre Buch geführt. Zu den zehn Ländern, die 2009 besonders unter Wetterextremen wie Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen litten, zählten die Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Bangladesch, Nepal und Bhutan. Angeführt wurde die Liste vom zentralamerikanischen El Salvador. Deutschland landet auf Platz 68.

Die Umweltschützer haben auch einen Langzeitvergleich für die Jahre 1990 bis 2009 aufgestellt. Hier liegt Bangladesch als das am stärksten von Wetterextremen betroffene Land auf Platz 1, gefolgt von Birma und den zentralamerikanischen Ländern Honduras und Nicaragua. Danach kommen Vietnam, Haiti, die Philippinen, die an Haiti grenzende Dominikanische Republik, die Mongolei und Tadschikistan. Deutschland liegt auf Platz 28.

Großes Leid, Krankheit und Armut sind oft die Folgen. „Große Unwetterereignisse verursachten in den vergangenen Jahren im Durchschnitt Schäden von etwa 100 Milliarden Dollar“, sagt Höppe und meint damit nicht den Betrag, den die Versicherung hernach erstattet. Der Hurrikan „Katrina“ hat nach seinem Wüten 2005 im Mississippi-Delta einen Schaden in dreistelliger Milliarden-Dollar-Höhe hinterlassen. Allein die Rechnung an die Versicherer belief sich auf mehr als 60 Milliarden Dollar.

Unwetter als Alarmzeichen

Aber auf Rückerstattung können nur die hoffen, die überhaupt eine Versicherung haben. Die Weltbank warnt in einem Bericht über „Klimarisiken und Finanzinstitutionen“, dass die Versicherungsprämien mit den Klimarisiken steigen würden. Das ist nicht alles: „Versicherungsunternehmen könnten sich gezwungen sehen, wie es in einigen Regionen schon Realität ist, bestimmte Risiken gar nicht mehr zu versichern.“ Auch hier werden am Rande der Klimakonferenz Lösungswege gesucht. Vielleicht könnte aus dem 30-Milliarden-Dollar-Klimafonds, die die Industriestaaten bis 2012 für die ärmsten und unwettergeplagtesten Länder auflegen wollen, Versicherungsprämien mitfinanziert werden, heißt es.

Klimaverhandler sehen in den häufiger werdenden Unwettern ein Alarmzeichen: „Wir müssen das Ziel erreichen, den Anstieg der Erdtemperatur auf 2 Grad zu begrenzen, weil ansonsten um die Jahrhundertmitte Kippeffekte drohen, die zum Teil auch noch zu einem noch schnelleren Aufheizen der Atmosphäre führen könnten“, sagt Höppe. Das ist das Ziel, auf das Klimapolitiker ihre Aktivitäten ausrichten. Der Weltklimarat hat versucht, solche „Kippeffekte“ zu benennen, die, einmal ins Rutschen gekommen, zu einem schnellen Temperaturanstieg führen könnten: Schmelzen des Grönlandeises, Schmelzen des westantarktischen Eisschildes, Ozonloch über Europa, Methanausgasungen in Ostsibirien, Störung des indischen Monsuns, Kippen der Amazonasvegetation, Wiederbegrünung der Sahara. Ob diese Effekte so eintreten würden, wissen die Wissenschaftler nicht. Sie sagen aber auch: Man sollte es besser nicht ausprobieren.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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