03.06.2005 · Bis 2009 will der Subkontinent mehr als die Hälfte des Weltmarktes an sich binden. Zudem fordert das Land, eine Genehmigung zur Auslagerung von Stellen in einem neuen Welthandelsabkommen festzuschreiben.
Indien will ein weltweites Verbot aller Gesetze erreichen, die die Verlagerung von Stellen untersagen. „Alle Alarmglocken klingeln bei uns immer dann, wenn Vorschläge für ein Gesetz zum Verbot von Outsourcing aufkommen“, sagte der indische Handelsminister Kamal Nath. Zuletzt war die Verlagerungsdebatte in Amerika geführt worden, wo die Angst vor dem Verlust Tausender Stellen die Politik vor der Präsidentschaftswahl stark beeinflußt hatte. Indien will nun vor allem die Vereinigten Staaten dazu bringen, in ein neues Welthandelsabkommen eine ausdrückliche und grundsätzliche Genehmigung zur Auslagerung von Stellen aufzunehmen.
„Wir vernehmen diese kritischen Töne der Auslagerung gegenüber immer wieder“, sagte Nath. „Deshalb müssen wir die ganze Angelegenheit ein für allemal vom Tisch bekommen.“ Dabei beruhten die Sorgen der Amerikaner mehr auf Emotionen als auf wirtschaftlichen Tatsachen. Schließlich würden beide Seiten und damit auch die amerikanischen Unternehmen davon profitieren, wenn sie ihre Kosten dank der Verlagerung von Stellen nach Indien senken könnten. Nach Berechnungen des indischen Branchenverbandes Nasscom liegen die Kosten für eine Stunde Software-Entwicklung in Indien zwischen 18 und 26 Dollar. In Amerika und Europa betragen sie hingegen 55 bis 65 Dollar.
Rosige Aussichten
Zugleich forderte Nath Amerika am Rande der Jahrestagung des Amerikanisch-Indischen Wirtschaftsrates auf, die Einwanderungsbestimmungen zu lockern: „Wir brauchen mehr Visa für kurzfristige Aufenthalte, um in Unternehmensprojekten mitwirken zu können“, sagte der indische Handelsminister. Für die Amerikaner ist dies ein rotes Tuch, da sie eine Aufweichung der Einreisebestimmungen befürchten.
Unbegründet sind die Ängste der Amerikaner und letztlich auch der Europäer vor dem wachsenden Oursourcing-Giganten Indien nicht. Das Land rechnet damit, bis zum Jahr 2008 einen Anteil von 51 Prozent am Weltmarkt der Auslagerung von Geschäftsprozessen und der Entwicklung von Informationstechnologie zu erobern. Bis März 2009 solle dann die Umsatzmarke von 50 Milliarden Dollar genommen sein, sagte S. Ramadorai, Chairman des indischen Software-Marktführers Tata Consultancy Services und der indischen Nationalen Vereinigung der Software- und Service Unternehmen (Nasscom). Der Branchenverband sieht die Lage rosig: Allein in diesem Fiskaljahr soll der Export von Software und der damit verbundenen Dienstleistungen um 32 Prozent auf einen Wert von 22,5 Milliarden Dollar steigen.
„Wir liegen deutlich vor unseren Wettbewerbern.“
Der Grund für die Verlagerung nach Indien liegt auf der Hand: Die junge Elite dort ist gut ausgebildet, spricht leidlich Englisch und ist vor allem billig - auch wenn die Gehälter in den Software-Metropolen wie Bangalore, Hyderabad oder Delhi schnell steigen, So betreiben inzwischen 400 der wichtigsten 500 größten Unternehmen Amerikas ihre eigenen Rechenzentren auf dem Subkontinent oder beauftragen damit einen indischen Dienstleister. Derzeit kontrolliere Indien 44 Prozent des weltweiten Auslagerungs- und Software-Geschäftes, sagte der Nasscom-Chairman. Dies habe im vergangenen Fiskaljahr (31. März) einen Erlös von 17,2 Milliarden Dollar gebracht - mit einem Plus von 35 Prozent der schnellste Anstieg seit vier Jahren. 5,2 Milliarden Dollar dieser Gesamtsumme entfallen auf sogenannte Call-Center, die für ausländische Unternehmen die Bearbeitung etwa von Kundenanfragen per Telefon oder per E-Mail übernehmen.
Die Branche ist inzwischen ein bedeutender Faktor für Indiens Wirtschaft geworden - nicht nur aufgrund des positiven Images, das sie dem Land verleiht. Denn Indiens Outsourcing-Center beschäftigen 1,05 Millionen Menschen. Indirekt finden dank des neuen Industriezweiges weitere 2,5 Millionen Menschen Arbeit, etwa als Köche, Fahrer oder Wächter.
„Die weltweiten Ausgaben in diesem Sektor werden deutlich steigen“, freut sich Nasscom-Präsident Kiran Karnik. „Und wir liegen deutlich vor unseren Wettbewerbern.“ So weise Kanada einen Branchenumsatz von 12,6 Milliarden Dollar auf, während der ewige Konkurrent China gerade einmal auf 1,9 Milliarden Dollar komme.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2477 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,40 $ | −0,42% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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