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Welthandel : Erleben wir gerade das Ende der Globalisierung?

Volle Kraft voraus? Dem Welthandel fehlt die Dynamik. Bild: Laif/Andre Schumacher

Der Welthandel verlangsamt sich, nationalistische Politiker sind im Aufwind. Was ist da los?

          Wenn es in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Gewissheit gab, dann diese: Die Welt rückt immer enger zusammen. Dieser Megatrend der Globalisierung erfasste die Weltwirtschaft kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Dank des Internets schrumpften Distanzen, plötzlich war es egal, ob der Geschäftspartner in Passau oder in Peking saß. Der Welthandel wuchs rasant, die Wertschöpfungsketten wurden global und die Arbeitsteilung immer feingliedriger. Nicht nur die Unternehmen sprengten Grenzen – auch Politik und Popkultur überwanden alte Mauern. Und die Wohlstandsgewinne in Ländern wie China, aber auch in den Industriestaaten waren enorm.

          Dem Welthandel fehlt die Dynamik

          Lange schien es wie in Stein gemeißelt, dass es so immer weitergehen würde. Schließlich hört der technologische Wandel nicht auf – und längst nicht alle Weltregionen sind bislang vom Wandel gleichermaßen erfasst. Doch jetzt bekommt diese Gewissheit Risse. Denn wirtschaftlich, politisch und geostrategisch mehren sich nach Ansicht von Fachleuten die Anzeichen dafür, dass die Globalisierung stockt oder zumindest einen anderen Charakter bekommt: Der Welthandel wächst längst nicht mehr mit so großen Raten wie bisher, die Doha-Runde der Welthandelsorganisation WTO gilt als gescheitert, Parteien, die auf Abschottung und Nationalismus setzen, sind im Aufwind, und die ungebremsten Flüchtlingsströme offenbaren eine Seite der Globalisierung, die für die meisten Menschen im Westen bislang unsichtbar war.

          „Die Rückbesinnung auf nationale Themen, die auf die große Phase der Globalisierung folgt, ist beunruhigend“, fasst Karsten Junius, der Chefvolkswirt der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin, zusammen. Und der Chefökonom der DZ Bank, Stefan Bielmeier, konstatiert im Konjunkturausblick für das kommende Jahr eine „deutliche Verlangsamung der Globalisierung“.

          Der Hauptgrund für die Bedenken der Ökonomen ist die fehlende Dynamik des Welthandels. Schon Anfang 2015 veröffentlichten Forscher des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank eine Studie mit dem Titel: „The Global Trade Slowdown“, die globale Verlangsamung des Handels. Die Forscher beschrieben, dass der länderübergreifende Warenaustausch zuletzt nur noch um rund 3 Prozent im Jahr gewachsen ist – in den zwei Jahrzehnten vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 waren es im Schnitt mehr als 7 Prozent.

          Kurzzeitig schrumpfte der Welthandel in diesem Jahr sogar. Diese Entwicklung sei nicht einfach eine Folge des insgesamt schwächeren Wirtschaftswachstums der großen Wirtschaftsnationen und Schwellenländer, sie habe auch strukturelle Gründe. So würden Exportunternehmen in China und den Vereinigten Staaten vermehrt auf Vorleistungen aus dem eigenen Land setzen, anstatt sie zu importieren. Rein betriebswirtschaftlich gäbe es hingegen sogar Gründe für mehr Handel. Denn die niedrigen Energiepreise haben den Transport billiger gemacht.

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