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Welterbe-Status Die Unesco lässt das Geld fließen

27.06.2009 ·  Das Wattenmeer hat ihn gerade bekommen, das Dresdner Elbtal hat ihn erst vor kurzem verloren: Den Status als Welterbe der Unesco. Was die Elbstadt wirtschaftlich gut verkraften kann, ist für kleinere Städte unentbehrlich.

Von Christian Geinitz, Leipzig
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Das größte Kleinod Deutschlands umfasst mehrere tausend Quadratkilometer. Am Freitag hat die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, die Unesco, das Wattenmeer der Nordsee zum Welterbe erklärt. Damit gehört das 9500 Quadratkilometer große Gebiet, das sich über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Holland erstreckt, zu den wichtigsten 880 Kulturstätten der Welt. In Deutschland sind es jetzt wieder 33, nachdem am Tag zuvor das Dresdner Elbtal seinen Status wegen eines umstrittenen Brückenbaus verloren hatte.

Von der Aufnahme in den begehrten Zirkel erwarten die beteiligten Nationalparks und die Landesregierungen auch einen wirtschaftlichen Nutzen. „Es werden sicher mehr qualifizierte Touristen kommen, vor allem aus dem Ausland“, sagt Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) der F.A.Z. Außerdem könnten Urlauber zurückkehren, die an die Ostseeküste abgewandert seien. Wichtig ist Sander, dass der neue Status die wirtschaftliche Nutzung der Region nicht behindert. „Wir haben der Unesco klargemacht, dass wir uns die Erschließung vorbehalten, zum Beispiel für Öl oder Gas. Die Aberkennung fürchten wir also nicht.“

Dresden kann gut verzichten

Dresden hat diese Aberkennung gerade hinter sich und glaubt, sie wirtschaftlich gut verkraften zu können. „Die Stadt ist bekannt genug, einen nennenswerten Rückgang im Tourismus fürchten wir nicht“, sagt Stadtsprecher Kai Schulz. Auswirkungen erwartet er allenfalls für Gäste aus Übersee, aber die machten nur 8 Prozent der 3,3 Millionen Übernachtungen im Jahr aus. Härter trifft die Stadt, dass sie nicht von der Förderung der Bundesregierung profitiert. Erstmals stellt das Bundesverkehrsministerium in diesem Jahr 150 Millionen Euro für die deutschen Welterbestätten zur Verfügung. Dresden hatte sich um 6 Millionen Euro für die Sanierung dreier Schlösser und einer Kapelle beworben. Nun steht zu befürchten, dass mindestens eines der Projekte gestrichen wird.

Schulz weist darauf hin, dass es sonst keine Sonderzahlungen für die Welterbestätten gibt, auch nicht vonseiten der Unesco. „Im Gegenteil, die Mitgliedschaft kostet uns noch Geld.“ So bringt die Stadt immerhin 160.000 Euro im Jahr für die Finanzierung zweier Welterbe-Büros auf. Andere Stätten tragen solche Kosten gern, um zum „Kreis der Erlauchten“ zu gehören, wie Thomas Weiss sagt, der Direktor der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. „Dresden mag auf den Welterbestatus verzichten können, für uns ist er unentbehrlich.“

Mit Weltnaturerbe Subventionsvorteil

Weiss ist Chef des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, einer 142 Quadratkilometer großen Kulturlandschaft aus Schlössern, Parks und Gärten an der Elbe, die seit 2000 zum Welterbe zählt. Seitdem habe sich die Zahl ausländischer Gäste deutlich erhöht, heute sei fast jeder Fünfte der bis zu einer Million Besucher im Jahr kein Deutscher. Im Haushalt des Gartenreichs stammen mehr als 7 der 9,5 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt und vom Bund. Um einer Unesco-Auflage nachzukommen, finanzierten die Behörden zusätzlich die Umlegung einer Bundesstraße. „Ohne das Welterbe wäre das alles nicht möglich“, sagt Weiss. Auch erleichtere das Renommee die Hilfe privater Stiftungen.

Das gilt auch im Westen. Die Völklinger Hütte, ein altes Eisenwerk im Saarland, rückte 1994 als erstes Industriedenkmal auf die Unesco-Liste. 2009 erhalten Stadt und Hütte Völklingen erstmals 4 Millionen Euro aus dem Welterbe-Topf des Bundes. Der Status sei zudem in Antragsverfahren für Zuschüsse wichtig, sagt Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig. „Wir haben einen Subventionsvorteil gegenüber den Orten, die kein Welterbe sind.“ Um das Privileg nicht zu verlieren, denken die Verantwortlichen langfristig. In Wörlitz etwa sinkt der Grundwasserspiegel und könnte das Gartenreich austrocknen lassen. „Dagegen müssen wir uns wappnen“, sagt Weiss.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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