Das Wirtschaftswachstum Chinas wird sich nach Ansicht der Weltbank im laufenden Jahr etwas stärker abschwächen als bisher erwartet. Die Aussichten auf eine „weiche Landung“ für die zweitgrößte Volkswirtschaft seien aber gut, heißt es im neuen Quartalsbericht der Weltbank zu China. Allerdings stellten unerwartet moderate Entwicklungen in den großen Industrieländern und eine Abschwächung am inländischen Immobilienmarkt Abwärtsrisiken dar.
Die Weltbank prognostiziert für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,2 Prozent. Zuvor war ein Plus von 8,4 Prozent vorhergesagt worden. Für 2013 wird ein BIP-Anstieg von 8,6 Prozent erwartet. Im vergangenen Jahr war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde noch um 9,2 Prozent gewachsen und galt damit als Motor der Weltkonjunktur.
Die Herausforderung sei, das Wachstum aufrechtzuerhalten und die weiche Landung zu bewerkstelligen, sagte der Chefökonom der Weltbank in China, Ardo Hansson, am Donnerstag in Peking. Risiken seien die schlechten Konjunkturaussichten in den reichen Industrieländern und die laufenden Korrekturen auf dem chinesischen Immobilienmarkt. China habe aber ausreichend Spielraum, um auf die Risiken zu reagieren.
Die Mindestanforderungen für das Kapital der Banken könnten weiter optimiert werden, um die Verfügbarkeit von Krediten zu verbessern. Die langfristigen Aussichten hingen aber von strukturellen Anpassungen ab.
Am Freitag werden die Daten zur Entwicklung des chinesischen BIP im ersten Quartal des laufenden Jahres veröffentlicht. Volkswirte erwarten im Durchschnitt einen geringeren Anstieg als im vierten Quartal, als auf Jahressicht ein Plus von 8,9 Prozent verzeichnet worden war. Nach vorläufigen Angaben der Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) dürfte die Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur um 8,4 Prozent gewachsen sein - so wenig wie zuletzt nach Ausbruch der globalen Finanzkrise in der ersten Jahreshälfte 2009.