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Weleda : Die Anthroposophen AG

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Weleda Heuschnupfenspray Bild:

Weleda wurde schon von Rudolf Steiner gegründet. Ein Interview mit Patrick Sirdey, dem Vorstandschef des Arznei- und Kosmetikherstellers.

          Weleda wurde schon von Rudolf Steiner gegründet. Ein Interview mit Patrick Sirdey, dem Vorstandschef des Arznei- und Kosmetikherstellers.

          Herr Sirdey, Weleda wurde von Rudolf Steiner gegründet. Muss man bei Ihnen Anthroposoph sein?

          Nein, natürlich nicht.

          Auch kein ehemaliger Waldorf-Schüler wie Sie?

          Auch das nicht. Wichtig ist uns eine gewisse Offenheit für die Anthroposophie als Quelle des Handelns, um unser Denken, unseren spirituellen Antrieb zu verstehen.

          Was unterscheidet Sie von anderen Unternehmen?

          Wir fragen uns immer: Was für Auswirkungenhat das, was wir tun, auf uns, die Gesellschaft und die Natur.

          Was ergibt sich daraus?

          Zum einen die konsequente Verwendung natürlicher Rohstoffe und der Verzicht auf chemische Hilfsstoffe. Mensch und Natur bilden eine Einheit, die Erde muss unter allen Umständen geschont werden. Zum anderen leben wir eine Unternehmenskultur, die ethische, soziale und ökologische Elemente verbindet. Wir bieten viele Maßnahmen zur Mitarbeiterentwicklung an, Veranstaltungen und eine Waldorf-Kindertagesstätte, die ganzjährig geöffnet ist. Unsere Motivation fußt nicht in erster Linie auf dem Gehalt, sondern vor allem auf der Begeisterung für die Marke.

          Was verdienen Sie in der Geschäftsführung?

          Maximal sechs- bis siebenmal so viel wie die Mitarbeiter in der niedrigsten Lohngruppe.

          Lässt sich ein Unternehmen mit immerhin 270 Millionen Euro Umsatz und fast 1700 Mitarbeitern mit einer solchen Gehaltspolitik führen?

          Wir zahlen anständig. Aber wer 300000 Euro verdienen will, der soll sie anderswo einfordern. Das passt bei uns nicht ins Gefüge. Wichtig ist für uns, dass jeder Mitarbeiter von seinem Gehalt leben kann.

          Profitieren Sie jetzt von der Sehnsucht nach Werten?

          Ja. Die Menschen achten seit der Finanzkrise verstärkt darauf, ob Unternehmen ethisch-ökologische Standards erfüllen. Das ist eine Erklärung dafür, dass unser Umsatz voriges Jahr zweistellig gewachsen ist, bei Naturkosmetik in Deutschland sogar um 16 Prozent, das ist gewaltig. Was die Entwicklung der Wirtschaft insgesamt betrifft, bin ich trotzdem skeptisch.

          Warum?

          Weil sich in den Köpfen vieler Wirtschaftsführer und Gesellschafter nichts geändert hat.

          Wie radikal sind Sie? Wollen Sie die Börse abschaffen?

          Ich bin nicht derjenige, der das zu bestimmen hat. Aber was wir derzeit vielfach erleben, hat mit Wirtschaftsleben nichts mehr zu tun. Unternehmen und ihre Mitarbeiter werden wie Waren gehandelt und zum Objekt der Spekulation. Wir tun alles, um Weleda gegen ein solches Schicksal zu immunisieren.

          Kann Weleda feindlich übernommen werden?

          Vom Konstrukt her eigentlich nicht, darauf hat Steiner geachtet. Weleda ist eine Aktiengesellschaft mit zwei anthroposophischen Großaktionären, der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Ita Wegman Klinik. Die übrigen Namensaktien befinden sich in Besitz von Personen, die Mitglieder der Gesellschaft sind. Auch ich besitze eine Aktie. Trotzdem: Man weiß nie, was passiert, wenn es Weleda einmal schlecht gehen sollte oder einem der Großaktionäre. Deshalb bereiten wir die Überführung in eine Stiftung vor.

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