18.10.2011 · Temperaturen und Niederschlag waren über das Jahr hinweg ideal für einen sehr guten Wein. Nur Frost- und Hagelschäden vereiteln eine noch bessere Weinernte.
Von Lukas Weber, MainzDie zum Teil extreme Witterung im Verlauf des Jahres hat am Ende offenbar einen überdurchschnittlichen Wein hervorgebracht. Nachdem die Lese jetzt beendet ist, berichtet die Branche von hoher Qualität in sämtlichen Sorten bei einer durchschnittlichen Erntemenge. Einzelne Winzer leiden allerdings unter Frost- und Hagelschäden.
Abgesehen davon seien Temperaturen und Niederschlag über das Jahr hinweg fast ideal gewesen, sagte der Präsident des deutschen Weinbauverbands Norbert Weber am Dienstag in Mainz. Die infolge des warmen Frühlings ungewöhnlich frühe Blüte habe zu einem frühen Lesebeginn geführt. Ende Juni gab es in einigen Regionen Trockenstress, der vor allem die jungen Stöcke schädigt - die älteren können sich mit ihren tiefen Wurzeln ausreichend mit Wasser versorgen. Trotz der Nässe im August seien die Trauben gesund, sagte Weber, außerdem durch kalte Nächte und sonnige Tage im September reich an Extrakten.
Nach der beklagenswert geringen Ernte des Vorjahres von nur 7 Millionen Hektolitern wurde jetzt wieder der langjährige Durchschnitt von 9 Millionen Hektolitern erreicht. Das nährt die Hoffnung der Winzer auf ein erfreuliches Geschäftsjahr, denn die geringe Menge von 2010 hat im ersten Halbjahr zu einem deutlichen Verlust von Marktanteilen geführt. Der Umsatz sei trotzdem leicht gestiegen, sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts Monika Reule, die deutschen Weine hätten also nur im unteren Preissegment verloren und im oberen zugelegt.
Die Freude über die Ernte wird freilich getrübt durch zum Teil verheerende Witterungsschäden in einigen Regionen. Vor allem in Franken und in Württemberg wurde durch Frost Anfang Mai und Hagel im Sommer ein großer Teil der Ernte vernichtet, so dass gegenüber dem zehnjährigen Mittel ein Rückgang von 21 beziehungsweise von 30 Prozent gemeldet wird. Einzelne Betriebe hätten 80 bis 100 Prozent ihrer Ernte verloren, sagte Weber. Das treffe vor allem kleinere Winzer hart.
Deutschland ist das wichtigste Weinimportland. Deshalb achten die Weinbauern stets auch auf die Ernten der großen Erzeugernationen. Bei einer Gesamternte von 164Millionen Hektolitern in der EU haben die Spanier mit rund 40Millionen etwa 3 Prozent weniger, die Franzosen mit fast 49Millionen Hektolitern 4 Prozent mehr geerntet. In Italien gab es mit 44Millionen Hektolitern eine Missernte mit einem Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Fünf-Jahres-Mittel.
Lukas Weber Jahrgang 1957, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend und Wirtschaft“.
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