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F.A.Z. exklusiv : Weidmann macht Druck auf Draghi

Jens Weidmann ist Präsident der Deutschen Bundesbank. Bild: Helmut Fricke

Der Bundesbankpräsident will, dass das Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank dieses Jahr endet. Im F.A.Z.-Interview spricht er auch über die Nachfolge an der Notenbank-Spitze.

          Bundesbankpräsident Jens Weidmann fordert, das billionenschwere EZB-Staatsanleihekaufprogramm in diesem Jahr zu beenden. „Das hielte ich aus heutiger Sicht für angemessen“, sagte Weidmann im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er bekräftigte seine grundsätzliche Kritik an dem Staatspapiere-Kauf durch die Notenbanken der Währungsunion. „Die Käufe haben nicht vernachlässigbare negative Nebenwirkungen. So sind die Zentralbanken dadurch inzwischen zu den größten Gläubigern der Staaten geworden.“

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Inzwischen wurden schon für rund 2,3 Billionen Euro Papiere gekauft. Weidmann hatte sich während der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Herbst für ein klares Enddatum ausgesprochen. Die Mehrheit des Rats war jedoch anderer Ansicht und folgte dem EZB-Präsidenten Mario Draghi. Zuletzt hatten Spekulationen über ein früheres Ende der Anleihekäufe den Euro-Wechselkurs zum Dollar auf ein Drei-Jahres-Hoch gehoben.

          Wird Weidmann nächster EZB-Chef?

          Obwohl die Wirtschaft wächst, beträgt der Leitzins null Prozent. Weidmann sieht aber noch kein Überhitzen der Konjunktur. Wegen des Aufschwungs sollen die Löhne kräftiger wachsen. Im nächsten Jahr 2019 erwartet die Bundesbank mehr als 3 Prozent Lohnwachstum in Deutschland, sagte Weidmann. Dieser Kostendruck werde auch die Inflationsrate anheben.

          Im Interview mit der F.A.Z. warnte Weidmann auch vor dem Vorschlag aus Brüssel für einen weiteren Krisenfonds. „Die jüngsten Vorschläge der Kommission haben mich nicht überzeugt: Die Fiskalregeln werden im Ergebnis nicht gestärkt, während gleichzeitig zunehmend Elemente von Gemeinschaftshaftung im Euroraum eingeführt werden sollen. Das macht die Währungsunion nicht zukunftsfester“, warnt der Bundesbankpräsident.

          Weidmann sprach sich zudem gegen eine übereilte Aufnahme Bulgariens in die Währungsunion aus. Es sei eine der klarsten Lehren aus der Krise, dass Länder, die an der Währungsunion teilnehmen, den Verzicht auf eine eigene Geldpolitik auch gut verkraften können müssen. Daher müsste ihre Wirtschaft dauerhaft bereit sein für den Euro. „Mit einem überhasteten Beitritt auf Biegen und Brechen ist letztlich weder dem betreffenden Land noch der Währungsunion und der EU geholfen.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte darauf gedrungen, dass alle EU-Länder möglichst schnell den Euro einführen sollten.

          Auf die Frage, ob nach dem Amtsende Draghis im Herbst 2019 auch mal ein Deutscher EZB-Chef werden könnte, sagte Weidmann, man dürfe keine Nationalität ausschließen. Sonst könnte die Zustimmung zur Währungsunion beschädigt werden. Es sei aber auch keine Nationalität gesetzt. Entscheidend sei die Stabilitäts-Orientierung. Weidmann selbst gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Mario Draghis.

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