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Veröffentlicht: 04.01.2013, 22:30 Uhr

Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler Niederlage eines Privatbankiers

Der ältesten Schweizer Bank Wegelin ist zum Verhängnis geworden, dass sie Amerikanern bei der Steuerhinterziehung half. Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler galt stets als einer der originellsten Köpfe der Schweizer Bankenszene - jetzt steht er vor einem Scherbenhaufen.

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© Wegelin & Co Konrad Hummler

Sein Anlagekommentar war stets frisch und unabhängig: Konrad Hummler, 59 Jahre alt, geschäftsführender Teilhaber des Bankhauses Wegelin & Co, der 1741 gegründeten ältesten Privatbank der Schweiz. Als Privatbankier war er so etwas wie der Friedrich von Metzler der Schweiz: Ein Mann, der die langfristige Vermögensanlage lobte, der die Manager in den Großbanken kritisierte, wenn sie zu sehr dem kurzfristigen Erfolg hinterherliefen, und der im Gegensatz dazu gern die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns und des Privatbankiers alter Schule beschwor.

Christian Siedenbiedel Folgen:

Jetzt ist Hummlers Bank nicht nur zerschlagen und verkauft, ausgerechnet an die genossenschaftliche Raiffeisenbank, eine Art große Volksbank. Nein, es ist nichts Geringeres als das Bild des „guten“ Privatbankiers selbst im Gegensatz zum „getriebenen“ Bankmanager, an dem Zweifel aufkommen können. Ausgerechnet diese Lichtgestalt der Schweizer Bankenwelt muss einräumen, dass sein Institut unrecht gehandelt hat - und das im großen Stil und über Jahre.

Das Geständnis

Offenbar hat die Bank nicht nur weggeschaut, wenn es um steuerliche Belange ihrer Kunden ging - sondern sich aktiv um Kunden der großen Konkurrenz UBS bemüht, von denen sie wusste, dass sie auf der Flucht vor den amerikanischen Steuerbehörden waren. Wegelin & Co. Privatbankiers gaben am Donnerstag in Amerika förmlich ein Schuldeingeständnis ab. In einer Anhörung am Bezirksgericht Manhattan gab die Bank zu, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, Gesamtvermögen in Höhe von mindestens 1,2 Milliarden Dollar am Fiskus vorbeizuschleusen. Das Institut zahlt als Ausgleich 57,8 Millionen Dollar (rund 44 Millionen Euro) an die Vereinigten Staaten. Der Betrag setzt sich aus der Wiedergutmachung für mutmaßlich entgangene Steuereinnahmen (20 Millionen Dollar), der Übergabe der durch die Bank zwischen 2002 und 2010 mit amerikanischen Kunden erzielten Gewinne (15,8 Millionen Dollar) sowie einer Buße (22 Millionen Dollar) zusammen. Die Bank stellt den Betrieb ein.

Mit der Übereinkunft verpflichtet sich die Bank zudem, sämtliche Unterlagen über amerikanische Kunden aufzubewahren und „im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens auf Anweisung schweizerischer Behörden“ herauszugeben. Im Gegenzug wird die Strafverfolgung gegen die Bank durch die amerikanischen Justiz- und Steuerbehörden eingestellt.

Hummler, der die Vorgänge am Freitag nicht kommentieren wollte, hatte bereits beim Verkauf des nichtamerikanischen Geschäfts von Wegelin vor rund einem Jahr dieser Zeitung gesagt, es sei nichts Geringeres als sein „Lebenswerk“, das er damit aufgebe. Der in St. Gallen geborene Ökonom und promovierte Jurist hatte aus dem angesehenen, aber beschaulichen Traditionshaus eine der am schnellsten wachsenden Vermögensverwaltungen seines Heimatlandes gemacht.

Mehr zum Thema

Zugleich hatte Hummler immer auch journalistische Ambitionen. Die linke „Wochenzeitung“ bezeichnete ihn einmal als den „besten liberal-konservativen Schreiber des Landes“. Schon während des Studiums war Hummler Chefredakteur der „Schweizerischen Hochschulzeitung“. Später wurde er Autor zahlreicher Publikationen und engagierte sich bei der „Neuen Zürcher Zeitung“. Den Posten als Verwaltungsratspräsident der NZZ-Mediengruppe hatte er allerdings voriges Jahr abgegeben. Zunächst hieß es, dieser Schritt geschehe nur vorübergehend, damit Hummler sich vollumfänglich um die Wahrung der Interessen seines Instituts kümmern könnte. Die Position als Verwaltungsrat, für die er 2011 für vier Jahre gewählt wurde, bleibe von diesem Schritt jedoch unberührt. Wie es jetzt dort weitergeht, ließ Hummler gestern im Dunkeln.

Konrad Hummler hatte die Auseinandersetzungen mit den amerikanischen Behörden stets als einen Kampf des Schweizer David gegen den amerikanischen Goliath um die Unabhängigkeit des Bankenplatzes und das Bankgeheimnis der Schweiz geschildert. Jetzt hat der David verloren - und muss die Kriegsschuld anerkennen.

Quelle: F.A.Z.

 

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