Viele Volkswirte der Banken haben vor dem Wochenende die Anleger an den Kapitalmärkten darauf eingestimmt, dass nach den griechischen Wahlen die Auflagen für Kredite an Griechenland neu verhandelt werden. Zwar steige nach einem Wahlsieg der linken Partei Syriza die Wahrscheinlichkeit, dass sich die neue griechische Regierung und die Troika nicht verständigten. „Erfolgreiche Neuverhandlungen sind aber bei jedem denkbaren Wahlausgang das wahrscheinlichste Szenario, und nicht der Austritt Griechenlands aus dem Euro“, schreibt die Credit Suisse in einem Brief an ihre Kunden.
„Die Kosten eines schnellen Austritts Griechenlands sind sowohl für Griechenland als auch für den Euroraum zu hoch, heißt es von der britischen Bank Barclays. „Deshalb werden die europäischen Politiker fast alles tun, um mit Griechenland neue Kompromisse zu schließen und den Austritt aus dem Euroraum zu verhindern.“
Konkrete Prognosen
Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, hat sich getraut, die denkbaren Wahlausgänge sogar mit konkreten Prognosen darüber zu versehen, ob in Griechenland am Ende des Jahres noch in Euro gezahlt wird. Im Vergleich zu seinen Kollegen in anderen Banken ist Schmieding skeptisch. Er veranschlagt die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland unter einer von der linken Partei Syrizia geführten Regierung am Jahresende noch den Euro hat, auf nur 30 Prozent. Schmieding vermutet, dass Europa nach einem Wahlsieg von Syriza Griechenland kaum entgegenkommen werde. Vom Führer der Syriza-Partei, Alexis Tsipras, werde vielmehr verlangt werden, das von ihm bisher bekämpfte Programm der Troika zu unterschreiben und Syriza zu einer „verantwortlichen Links-Partei“ zu wandeln.
Falls Tsipras dazu auch nach einem Wahlsieg nicht bereit sei, dürften EU und EZB Griechenland nicht länger stützen, erwartet Schmieding. Dann drohe Chaos in Griechenland, die Bankkonten würden leergeräumt, und ohne neues Geld werde Griechenland auch bald kein Öl mehr importieren können. Dann bleibe Tsipras nur noch, mit der EU über einen mehr oder weniger geordneten Austritt aus dem Euro zu verhandeln.
Gleichwohl hat auch Schmieding bei den europäischen Politikern Bereitschaft ausgemacht, Griechenland nach den Wahlen entgegenzukommen, ja sogar zu „belohnen“, aber eben nur dann, wenn es eine verantwortliche Regierung wählt. Dann könnte ein Kompromiss nach Neuverhandlungen der bisherigen Auflagen darin liegen, dass Griechenland mehr Zeit bekommt, um sein Staatshaushaltsdefizit zu verringern. Auch könnte Europa zusätzliches Geld für Infrastrukturprojekte in Griechenland geben. Auf der anderen Seite werde Europa auf seinen Forderungen nach Deregulierung, Privatisierung und anderen wirtschaftlichen Strukturreformen beharren, vermutet Schmieding. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade Deutschland nachgeben und die Unterstützungsleistungen für Griechenland noch einmal erhöhen könnte, sei bei einem Wahlsieg der konservativen Neo Dimokratia am höchsten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland den Euro unter einer von Neo-Dimokratia-Führer Antonis Samaras gebildeten Regierung noch am Jahresende hat, taxiert Schmieding immerhin auf 75 Prozent.
Ein Szenario, das die Volkswirte mit am schwersten einschätzen können: Was passiert, wenn auch nach diesen Wahlen keine Regierung zustande kommt? Barclays und Credit Suisse rechnen lieber nicht damit. Und für Schmieding liegt dann die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland den Euro Weihnachten noch hat, bei 50 Prozent.
Der Unsinn geht weiter
Peter Nicol (pnicol)
- 18.06.2012, 03:32 Uhr
Verstehe die Frage nicht. Europa startete mit nationalen Währungen:
gute Resultate.
Horst Müller (KonzeptionistzuVerlassen)
- 16.06.2012, 19:31 Uhr
Das Elend der Griechen
Erwin Stahlberg (Nundenn)
- 16.06.2012, 19:23 Uhr
Y-Seriennnummern nicht mehr willkommen!
Shora Fix (shorafix)
- 16.06.2012, 17:53 Uhr
Steuern zahlen?
Matthias Herlitzius (Herlitzius)
- 16.06.2012, 16:54 Uhr