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Freizeit oder Geld : Was ist uns ein freier Tag wert?

  • -Aktualisiert am

Der Norden Deutschlands bekommt einen weiteren Feiertag. Bild: dpa

Vier norddeutsche Bundesländer wollen einen weiteren Feiertag einführen – zum Missmut der Arbeitgeber. Die wollen einen finanziellen Ausgleich. Das wirft eine interessante Frage auf.

          Im vergangenen Jahr konnten sich die Arbeitnehmer freuen: Zum Luther-Jubiläum bekamen sie den Reformationstag frei. Jetzt soll der 31. Oktober in vier norddeutschen Bundesländern zum gesetzlichen Feiertag werden. Hamburg und Schleswig-Holstein haben sich schon dafür entschieden. Bremen und Niedersachsen wollen folgen.

          Wenig begeistert sind die Arbeitgeber. Geht es nach ihnen, soll der zusätzliche Feiertag finanziell ausgeglichen werden. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung hatte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, kürzlich eine Anhebung des Pflegebeitrags der betroffenen Beschäftigten um 0,5 Prozentpunkte gefordert. Die Erhöhung sei sogar gesetzlich zwingend vorgeschrieben.

          Das ist aus juristischer Sicht nicht richtig. Die gesetzliche Regelung gilt nur für zusätzliche Feiertage, die immer auf einen Werktag fallen. Das ist beim Reformationstag nicht der Fall. Sollte der Forderung der Arbeitgeber allerdings stattgegeben werden, würden die betroffenen Arbeitgeber für den zusätzlichen Feiertag Abstriche beim Nettogehalt machen müssen – je nach Gehalt bis zu 265,50 Euro im Jahr. Wäre uns der zusätzliche Feiertag das wert? Oder allgemeiner formuliert: Was ist uns ein freier Tag wert?

          Freizeit gewinnt gegen Geld

          Die Rechnung ist im Grunde einfach: Wir tauschen Einkommen gegen Freizeit. Doch wann sind wir dazu bereit? Die Deutsche Bahn hat in den Tarifverhandlungen im vergangenen Jahr ihre Mitarbeiter vor genau diese Wahl gestellt. Die Mitarbeiter konnten entscheiden, ob sie ab 2018 lieber mehr Geld auf dem Konto, eine verringerte Wochenarbeitszeit oder mehr Urlaubstage haben möchten. Das Ergebnis: 56 Prozent der Mitarbeiter entschieden sich für die angebotenen sechs Tage mehr Urlaub. 41 Prozent fanden die Gehaltserhöhung von 2,6 Prozent besser. Der kleine Rest wollte die verringerte Wochenarbeitszeit. Für den Großteil der Mitarbeiter war das zusätzliche Geld also kein Anreiz, auf die Freizeit zu verzichten. Die sechs Urlaubstage waren ihnen mehr wert.

          Ein ähnliches Bild zeichnet auch eine Umfrage des Berliner Marktforschungsinstitut Civey für die „Wirtschaftswoche“. Dort gaben 45 Prozent der Beschäftigten an, dass sie in ihrer nächsten Gehaltsverhandlung lieber um mehr Urlaub statt um mehr Geld verhandeln möchten. Das zeigt: Freie Zeit hat für viele Deutsche einen hohen Wert. Unklar bleibt, wann und aus welchen Gründen die Beschäftigten freie Zeit einer höheren Gehaltsabrechnung vorziehen.

          Beim Reformationstag verhält es sich jedoch etwas anders. Falls die Arbeitgeber mit ihrer Forderung durchkommen, müssten die Beschäftigten für den freien Tag tatsächlich zahlen. Ob sich hier immer noch viele – vor die Wahl gestellt – für den freien Tag entscheiden würden, bleibt fraglich.

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