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Veröffentlicht: 17.06.2017, 21:35 Uhr

Kampf gegen Zigaretten Die Raucher verlieren die letzten Freunde

Die Gegner des Qualmens möchten auch dem letzten Raucher das Qualmen abgewöhnen. Trotzdem steigen die Gewinne der Tabakindustrie. Wie passt das zusammen?

von
© dpa Viele Raucher stehen die Kampagnen und Verbote der Gesundheitspolitik durch.

Rauchen ist an allem schuld, darum befreit die Welt vom Zigarettenrauch! So klingt es, wenn Gesundheitspolitiker und Mediziner gegen ihren Lieblingsgegner zu Felde ziehen, die böse Tabakindustrie. Bis 2040, so haben es die Zigarettengegner mit dem Segen der Weltgesundheitsorganisation auf ihrer jüngsten Konferenz beschlossen, wollen sie auch dem letzten Raucher auf dem Planeten das Rauchen abgewöhnt haben. Dafür soll die Tabaksteuer steigen und die Zigarettenwerbung komplett verboten werden.

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Besser könnte es für die großen Zigarettenhersteller wie Philip Morris (Marlboro) und British American Tobacco (Lucky Strike) nicht laufen. Denn seit ihnen die Gesundheitsapostel so richtig das Leben schwermachen, steigen ihre Gewinne. Das hört sich paradox an, ist aber so. Allein in den Vereinigten Staaten, wo die Zahl der verkauften Zigaretten seit Anfang des Jahrtausends um fast 40 Prozent gesunken ist, hat sich der Gewinn der Konzerne im selben Zeitraum beinahe verdoppelt. An der Börse haben die Aktienkurse sogar noch mehr zugelegt. Der Vorstandsvorsitzende von Philip Morris redet sogar so, als würde er die Welt am liebsten noch früher von der Zigarette befreien als die strammsten Vertreter der Anti-Raucherlobby.

Zigarettenhersteller könnten profitieren

Dahinter stecken kühle unternehmerische Überlegungen. Die Manager der Zigarettenkonzerne, deren Image in der gesundheitsbewussten Bevölkerung ähnlich mies ist wie das von Waffenproduzenten, sichern sich damit gerade einen Platz in der nächsten Generation der Schulbücher für den Wirtschaftsunterricht. Die passenden Kapitelüberschriften werden „Strukturwandel“ heißen, „Die Kraft der Innovation“ oder auch „Schöpferische Zerstörung“.

Üblicherweise geht es darin um die kleinen, wendigen Angreifer, die mit einer neuen Technik oder unter gewandelten Rahmenbedingungen die Platzhirsche zur Strecke bringen, die an ihren alten Erfolgsprodukten festhalten. Aktuelle Paradebeispiele dafür sind die Smartphone-Hersteller Apple und Samsung, von denen Nokia und Blackberry an die Wand gespielt wurden, und der Taxi-Schreck Uber, der gegen alle Widerstände schon jetzt den städtischen Personenverkehr verändert hat.

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Die Zigarettenhersteller haben gerade noch rechtzeitig aufgehört, ihren Gegnern Widerstand zu leisten. Niemand bestreitet mehr ernsthaft, dass Rauchen schlecht ist für die Gesundheit. Stattdessen haben die Konzerne in den vergangenen Jahren Milliarden in die Entwicklung neuer Produkte gesteckt, mit denen sie selbst die herkömmliche Zigarette auf Dauer ersetzen wollen, bevor das entweder die Behörden mit Verboten oder findige Emporkömmlinge mit massentauglichen Shishas und E-Zigaretten machen.

Harter Kern steht Verbote durch

Bevor sie sich fressen lassen, kannibalisieren sie sich lieber selbst. Geld genug haben sie dafür in der Kasse. Denn der harte Kern der Raucher, der Schockbilder auf den Packungen genauso hinnimmt wie das Rauchverbot in den Kneipen, hat sich auch von den happigen Preiserhöhungen der vergangenen Jahre nicht abschrecken lassen. Außerdem hat eine Serie von Übernahmen in der Branche mit den daraus folgenden Größenvorteilen dazu geführt, dass die Firmen die Herstellungskosten je Stück drücken konnten. So ist das dicke Polster entstanden, das die Selbstkannibalisierung erträglich macht.

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Am weitesten ist damit Philip Morris mit seinen Tabak-Sticks gekommen, die unter dem Namen Iqos angeboten werden. In Italien hat der Konzern schon eine Hightech-Fabrik dafür gebaut, die nächste soll Gerüchten zufolge in Dresden entstehen. Der Stick wird in einem Gerät von der Größe eines Handys nicht verbrannt, sondern erhitzt; dabei entsteht Dampf, nicht Rauch. Gesund ist auch das nicht. Aber verträglicher als die herkömmliche Methode. Klar, dass so ein Produkt in eigenen Geschäften mit Hochglanzoptik vermarktet wird. Das lässt bei der Marge Luft nach oben.

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