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Kommentar : Deutsche Rentennuss

Hohe Rentenunterschiede zwischen Männern und Frauen: Die Ergebnisse der OECD-Studie kamen für die SPD und CSU wie gerufen. Bild: dpa

Die OECD hat einen neuen Rentenvergleich vorgelegt. SPD und CSU werden ihre Forderungen nach höheren Leistungen für ihre Zielgruppen dort bestätigt sehen. Doch sollten sie alles lesen.

          In welchem Tempo auch immer CDU, CSU und SPD die Bildung einer neuen Bundesregierung ausloten – irgendwann steht die heikle Kursbestimmung in der Rentenpolitik an. Die Gefahr ist groß, dass wie schon vor vier Jahren schlicht und teuer Wahlversprechen addiert werden: mehr Rente für ältere Mütter (CSU) plus Stabilisierung des Rentenniveaus samt Einführung einer Solidarrente für Geringverdiener (SPD).

          Zu diesen beiden Punkten liefert der Rentenvergleich der Industrieländerorganisation OECD nun wie bestellt Argumentationshilfe. Der Bericht weist auf die in Deutschland besonders hohen Rentenunterschiede zwischen Männern und Frauen hin, und er kritisiert die unterdurchschnittliche Absicherung der Geringverdiener.

          Gerne werden SPD und CSU hier ihre Forderungen nach höheren Leistungen für diese Zielgruppen bestätigt sehen. Doch sollten sie alles lesen. Die OECD bemängelt eben auch fehlende Anreize für längeres Arbeiten, und sie warnt davor, dass die Rentenlasten schon ohne neue Zusagen von derzeit 10 auf 12,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen werden. Die deutsche Rentennuss wird die nächste große Koalition also nicht knacken, wenn sie die Kosten einfach wieder ausblendet.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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