25.04.2009 · Ein Papier der Finanzaufsicht über milliardenschwere Risiken deutscher Banken hat am Wochenende hohe Wellen geschlagen. Politiker und Banken versuchten, die Aufregung über die enorme Summe von über 800 Milliarden Euro zu dämpfen, die Bafin selbst stellte Strafanzeige wegen der Veröffentlichung.
Ein Papier der Finanzaufsicht über mehrere hundert Milliarden schwere Risiken deutscher Banken hat am Wochenende hohe Wellen geschlagen. Politiker und Banken versuchten, die Aufregung über die enorme Summe von über 800 Milliarden Euro zu dämpfen.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, die BaFin beziffere die Risiken der Banken aus ausfallgefährdeten Krediten und toxischen Wertpapieren auf insgesamt 816 Milliarden Euro. Finanzminister Peer Steinbrück sagte, die Liste spiegele nicht die derzeitige Situation der deutschen Banken wider. „Auf die Lage der Banken lassen sich keine Rückschlüsse ziehen“, sagte der Minister. Die Bankenangaben seien einseitig interpretiert worden.
Veröffentlichung: „Bedauerlich“ und „nicht witzig“
Steinbrück kritisierte, dass die Liste publik geworden sei. „Es ist bedauerlich, dass sie an die Öffentlichkeit gelangt ist“. Dies sei „nicht witzig“. Sein Staatssekretär Jörg Asmussen sagte, die Weitergabe solcher Informationen sei nach Kreditwesengesetz verboten. Auch Banken warnten davor, die Zahlen einseitig zu interpretieren. Aus mehreren Instituten war zu hören, es seien „Äpfel und Birnen“ zusammengezählt worden.
Die Finanzaufsicht Bafin stellte Strafanzeige wegen der Veröffentlichung. Es sei eine streng vertrauliche Aufstellung der Behörde über Vermögenswerte einzelner Banken an die Öffentlichkeit gelangt, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit. Dies könnte einen Verstoß gegen gesetzliche Verschwiegenheitspflichten darstellen. Deshalb habe man die Staatsanwaltschaft München gebeten, strafrechtliche Ermittlungen gegen Unbekannt aufzunehmen.
Details zu einzelnen Banken
Die Zeitung hatte Einzelheiten zu verschiedenen Instituten genannt: Die höchsten Risiken hätten die HSH Nordbank und die Commerzbank nach der Hypo Real Estate. Dabei berief sich das Blatt auf eine interne Aufstellung der Aufsichtsbehörde.
„Wir wissen nicht, wer die Zahlen zusammengestellt hat und können sie auch nicht nachvollziehen“, sagte ein Commerzbank-Sprecher. Auch eine HSH-Sprecherin sagte am Samstag, sie könne die Berechnung nicht nachvollziehen. In der Bilanz 2008 sei ausreichend Risikovorsorge getroffen. Die Bank hatte schon angekündigt, ihre Bilanzsumme um etwa die Hälfte zu reduzieren, was rund 100 Milliarden Euro entspricht. Die Papiere sollen ausgelagert werden. Die Hypo Real Estate wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.Sprecher anderer Banken verwiesen überwiegend auf bereits veröffentlichte Daten.
Bundesbank-Chef Weber warnt vor Überinterpretation
Bundesbank-Präsident Axel Weber forderte, mit den Zahlen nicht leichtfertig umzugehen. Das gelte wegen der Komplexität und Besonderheiten von bestimmten Wertpapieren wie auch wegen ihrer Preise, die sich jeden Tag änderten. Er könne nur davor warnen, aus einer solchen „eindimensionalen Liste“ auf die konkrete Betroffenheit einer Bank bei bestimmten Risiken zu schließen.
Auch die Bafin selbst warnte vor Fehlinterpretationen. Es gehe darin um Portfolien mit unterschiedlicher Ausrichtung. Eingeflossen seien nicht nur toxische oder andere Wertpapiere, sondern unter anderem Vermögenswerte, die nach Angaben der Banken nicht mehr zur Geschäftsstrategie passten und daher ausgegliedert werden könnten. Die Liste lasse keine Rückschlüsse auf Risiken, Verluste oder gar die Bonität der aufgeführten Kreditinstitute zu. Bei den Angaben handele es sich unter anderem um Bruttobeträge. Risikovorsorge, Sicherheiten und Gegengeschäfte seien darin zum Beispiel nicht berücksichtigt, stellte die Behörde klar.
Stammtisch
Werner Drente (entenmensch)
- 26.04.2009, 08:25 Uhr
Deckmantel des Verschweigens
Bodo Weis (stranger56web.de)
- 26.04.2009, 12:46 Uhr
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