Wegen des Warnstreiks am Frankfurter Flughafen sind am Dienstag hunderte Flüge ausgefallen. Die Gewerkschaft Verdi hatte an zahlreichen deutschen Verkehrsflughäfen ihre Mitglieder aufgerufen, die Arbeit niederzulegen, um den Druck für die nächste Verhandlungsrunde am Mittwoch zu erhöhen. Am Drehkreuz Frankfurt wurden dem Betreiber Fraport zufolge 445 Flüge annulliert. Aus ankommenden Maschinen durften die Passagiere zwar aussteigen, ihr Gepäck blieb aber unbearbeitet. Der am Morgen begonnene Warnstreik sollte gegen 14.30 Uhr beendet werden.
Die Fluggesellschaften hatten vorsorglich bereits Hunderte Flüge gestrichen und diese auf Listen im Internet veröffentlicht. Die Passagiere können kostenlos umbuchen oder ihre Flüge stornieren. „Diese Zusammenarbeit ist wichtig und entlastet uns enorm“, erklärte ein Lufthansa. Für Mittwoch rechnet die Airline bereits wieder mit relativ normalen Flugplänen. „Der Streik wird sich natürlich noch ein wenig auswirken, aber insgesamt dürfte es wieder ein vergleichsweise normaler Tag werden.“ Die Fluggesellschaften hatten bereits am Montag Maschinen umgeleitet oder stehen lassen, um nach dem Streik wieder schnell in die üblichen Umläufe zu kommen. „Der Flughafen ist heute keineswegs vollgelaufen“, berichtete Fraport-Sprecher Mike Schweitzer. Das kleine Restprogramm werde von Not-Teams mit kleinen Verzögerungen auf den Weg gebracht. Für den gesamten Tag waren am größten deutschen Flughafen ursprünglich rund 1300 Starts und Landungen geplant gewesen.
Innenminister Friedrich: „Unangemessene Reaktion“
In Köln/Bonn, einem Flughafen ohne ein solches Verbot und hohem Cargo-Anteil, legten Beschäftigte von Mitternacht an die Arbeit nieder. Der Ausstand dauert bis 10 Uhr. Auch an den anderen betroffenen Flughäfen sollen Beschäftigte von Gepäckabfertigung, Bodenverkehrsdiensten, Technik, Sicherheit und Verwaltung helfen, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat die Ausweitung der Streiks auf Flughäfen als „unangemessene Reaktion“ kritisiert. „Da wir ein substanzielles Angebot gemacht haben, ist es ungerechtfertigt, die Bevölkerung jetzt mit diesen Streiks zu malträtieren“, sagte Friedrich der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.
Der zweite Vorsitzende der DBB-Tarifunion, Willi Russ, erklärte am Montag, dass die Gewerkschaft „mit gezielten Nadelstichen dafür sorgen wolle, dass die Tarifverhandlungen, die am 28. März 2012 in Potsdam fortgeführt werden, möglichst zu einem Abschluss kommen“.
In Rheinland-Pfalz blieben die Busse am Morgen in den Depots. „Da geht nix“, sagte ein Verdi-Sprecher. Allein in Mainz rechnet er mit 110.000 Fahrgästen, die sich nach einer Alternative umsehen müssen. Im Saarland ist am Tag vor den Verhandlungen die Müllabfuhr am stärksten betroffen.
Scheitern die Gespräche in Potsdam, könnte auf Deutschland eine Streikwelle von Beschäftigten der Metallindustrie, des öffentlichen Dienstes, der Banken und der Telekom zurollen. Am Montag hatte Verdi-Chef Frank Bsirske in Stuttgart angekündigt, dass in diesem Fall in den verschiedenen Branchen „Verabredungen getroffen werden, gemeinsam sichtbar zu werden“. Wenn die Tarifparteien für ihre Bereiche keine Lösung am Verhandlungstisch fänden, könnte es im Mai zu konzertierten Aktionen kommen.
Das bisherige Angebot der Arbeitgeber von 3,3 Prozent mehr Gehalt auf zwei Jahre lehnte Bsirske ab. „3,3 Prozent wären selbst für 12 Monate zu wenig, geschweige denn für 24“, sagte er. Die Gewerkschaften fordern für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens 200 Euro.
Lohn-Gerechtigkeit
volker mayer (mayervo)
- 27.03.2012, 20:36 Uhr
@ Paul Banaschak - Verrohung der "öffentlichen" Angestellten?
Hans-Jürgen Junge (Junge61C)
- 27.03.2012, 19:33 Uhr
Diktat und Erpressung
Karl Schleef (Ausserberg)
- 27.03.2012, 15:41 Uhr
Ungerechtes Recht
monika mostert (moni711)
- 27.03.2012, 15:13 Uhr
Herr Maehler
Michael Scheffler (Striesner)
- 27.03.2012, 14:57 Uhr