03.09.2010 · Die Mitarbeiter von Karstadt dürfen sich zu Recht freuen. Nach mehr als einem bangen Jahr der Ungewissheit hat der angeschlagene Warenhauskonzern einen neuen Eigentümer - und Nicolas Berggruen vermittelt glaubhaft den Eindruck, dass er tatsächlich an eine Zukunft für Karstadt glaubt.
Von Carsten KnopManche mögen diesen Optimismus zwar belächeln, verschieben sich die Käuferströme doch eindeutig weg vom klassischen Kaufhaus mit seinem „Alles unter einem Dach“-Konzept. Das ist richtig, und dennoch hat Berggruen eine reelle Chance.
Denn gerade für Karstadt gilt, dass das Unternehmen zu einem großen Teil aus eigener Schuld in die Krise geraten ist. Die Strategie stimmte schon viele Jahre nicht mehr. Als schließlich der frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff versuchte, Karstadt vor allem mit Finanzakrobatik zu stabilisieren, war alles zu spät. Seine Finanztricks hätten wegen ihrer Komplexität beinahe sogar noch die Rettung von Karstadt aus der Insolvenz unmöglich gemacht. Jegliche Kreativität wurde in solche Spielereien gesteckt, ansonsten hieß die Devise „Schrumpfen und sparen“. Investiert wurde in einige unrentable Prestigeprojekte; hehre Versprechungen wurden nicht erfüllt. Karstadt war am Ende.
In diesem Fall kann in dem Ende, wie es so schön heißt, tatsächlich ein Anfang stecken. Denn die Mitarbeiter haben trotz aller Zugeständnisse, die ihnen wieder und wieder abgetrotzt wurden, das Unternehmen in Gang gehalten. Das Jahr in der Insolvenz hat Karstadt im Kern gesund überstanden. Das ist ein großer Unterschied zum längst verschwundenen Schwesterunternehmen, dem stolzen Versandhaus Quelle. Die lange Ungewissheit, die zum Glück keine lähmende war, mündet nun in Zuversicht, die Berggruen geschickt zu adressieren weiß. Anders als andere, die zwischendurch im Rennen um Karstadt waren, nimmt Berggruen eigenes Geld in die Hand, um das Unternehmen zu sanieren. Die siebzig Millionen Euro sind zwar nur ein Anfang, aber immerhin. Er muss weitaus weniger Miete zahlen und verspricht für die absehbare Zukunft den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten. Das ist mehr, als zu erwarten war. Mahnungen, dass nun auch Berggruen liefern muss, was er verspricht, sind wohlfeil. Aber sein Konzept ist (noch lange) nicht zum Scheitern verurteilt.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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