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Waffenland Vereinigte Staaten Das Sturmgewehr läuft bestens

Ist Amerikas Waffenindustrie nach dem Massaker in einer Grundschule in Connecticut am Ende? Nein. Das Geschäft wird jetzt erst richtig brummen.

© RONDA CHURCHILL/The New York Tim Vergrößern Mein Haus, mein Sturmgewehr - ein Hobbyschütze in Las Vegas

Gouverneur John Kasich aus Ohio hatte viel zu erledigen vor Weihnachten. Drei Dutzend Gesetze galt es vor den Feiertagen auszufertigen. Ein strengeres Prüfungsrecht für Schulen unterschrieb der Republikaner, ein neues Scheidungsrecht und die Regel, dass Football-Spieler vom Platz müssen, wenn sie sich am Kopf verletzen. Und natürlich das neue Waffenrecht. Künftig müssen die Bürger in Ohio ihre Lizenz, eine Waffe verdeckt bei sich zu tragen, nicht mehr regelmäßig verlängern. Einmal erteilt, ist sie ewig gültig.

Hendrik Ankenbrand Folgen:  

Dass der Gouverneur diesen Beitrag zum Bürokratieabbau nur eine Woche nach dem Amoklauf in der Grundschule von Sandy Hook leistete, zeigt, dass Amerikas Waffenindustrie sich um ihren Markt und ihre Kunden nicht allzu große Sorgen machen muss. Mögen die Aktienkurse der großen Hersteller auch gelitten haben in den vergangenen Tagen, mag Präsident Barack Obama jetzt planen, den Verkauf von Sturmgewehren zu verbieten oder den Waffenhandel unter Privatleuten strenger zu kontrollieren - wirklich weh wird es Herstellern und Händlern nicht tun.

Die Waffenbranche folgt ihrem eigenen Konjunkturzyklus

Im Gegenteil, die Branche folgt ihrem eigenen Konjunkturzyklus. Die Faustregel lautet: Je heftiger die Waffenindustrie unter Beschuss gerät, desto prächtiger geht es ihr. „Eine goldene Ära ist angebrochen“, frohlockte das Blatt „Shooting Industry Magazine“ im Juli. Ein guter Konjunkturindikator ist die Zahl der „Background Checks“: Bei manchen Waffenkäufen müssen Händler bei der Bundespolizei Informationen über eventuelle Vorstrafen des Kunden einholen. Die Zahl der Abfragen zeugt von florierenden Umsätzen der Branche und verrät die neuesten Umsatztreiber: Amokläufe und - Obama.

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Nach der Wiederwahl des Waffengegners im November stieg die Zahl der Vorstrafenabfragen auf ein Rekordhoch von zwei Millionen. Am vergangenen Samstag, dem Tag nach dem Massaker von Connecticut, gingen geschätzte 130.000 Handfeuerwaffen über Amerikas Ladentische. Je mehr Waffen, desto mehr Amokläufe, beweist eine Recherche des Internetportals „Mother Jones“. Seit 1982 habe Amerika 62 Massaker dieser Art durchlitten - aber fast die Hälfte ereignete sich in den vergangenen sechs Jahren, in denen die Waffenindustrie Verkaufsrekorde feierte. Zyniker könnten sagen: Massaker sind der beste Moment, um in die Waffenindustrie zu investieren.

Im Horten von Waffen sind die Amerikaner Weltspitze

Die F.A.S. hat die Kurse der größten Hersteller in den vergangenen zehn Jahren geprüft: Kein Amoklauf hat sie nennenswert gedrückt - das Massaker in Connecticut ist die erste Ausnahme. Ob sie dauerhaft wirkt, ist fraglich. Vielmehr hat die Waffenlobby NRA am vergangenen Freitag gleich ein Konjunkturprogramm für Waffenhersteller gefordert: Bewaffnete Polizisten an jeder Schule.

Die Rechnung „Mehr Waffen = mehr Sicherheit“ mag Europäer verblüffen, für viele Amerikaner ist sie plausibel. Im Horten von Waffen sind die Amerikaner Weltspitze, auf 100 Einwohner kommen 89 Schusswaffen. Mehr haben nicht mal die Menschen im Bürgerkriegslands Jemen, oder die Schweizer, die ihre Dienstwaffen nach dem Armeedienst behalten dürfen.

Infografik / Waffenmarkt nach Amoklauf (2) © F.A.Z. Bilderstrecke 

Für den modernen amerikanischen Soldaten oder Veteranen gehörten Waffen eben zum Berufsalltag, schreibt die Branchen-Postille „Shooting Industry“, wieso also nicht auch zum Freizeitvergnügen? „Der amerikanische Bürger hat es kapiert: Waffen sind Okay!“

Der Freiheitsanspruch der Waffennarren

Wie groß das Geschäft wirklich ist, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Auf nur knapp fünf Milliarden Dollar taxiert der Branchenverband National Shooting Sports Foundation die Umsätze, dagegen sieht der Marktforscher IBIS den Markt zwölf Milliarden Dollar schwer, bei einem jährlichen Wachstum von 6 Prozent. 12 Prozent bleiben danach als Gewinn bei den Herstellern hängen.

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