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Währungen Der Siegeszug des Yuan

 ·  Von jedem chinesischen Geldschein blickt Mao Tse-tung. Doch selbst wem es zuwider ist, den Despoten in die Hand zu nehmen, kommt nicht umhin, der Währung immer mehr Beachtung zu schenken. Eine Analyse.

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© AFP Die Konvertibilität soll 2015 kommen.

Den amerikanischen Dollar nennt man „Greenback“, weil seine Rückseite grün bedruckt ist. Künftig werden wir uns auch an den „Redback“ gewöhnen müssen, die chinesische „Volkswährung“. Allerdings ist der Renminbi, der auch Yuan heißt, nicht wirklich mit dem Dollar zu vergleichen. Nur die Hunderter sind so rot, wie der Name nahelegt, und während auf dem Dollar Freiheitskämpfer und demokratische Präsidenten abgebildet sind, ziert alle Yuan-Scheine ein Porträt von Mao Tse-tung.

China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft, die wichtigste Exportnation, der reichste Devisenbesitzer, Amerikas größter Gläubiger. Die Wirtschaft keines anderen Staates trägt so viel zum globalen Wachstum bei. In den Industrienationen sorgen Billigwaren aus China für steigenden Wohlstand und geringe Inflation. Gleichzeitig leihen die Chinesen aus ihrem Handelsüberschuss den Amerikanern das nötige Geld, um in Fernost einzukaufen. Dank der rasanten Aufholjagd stellt China heute kaufkraftbereinigt etwa 14 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, genauso viel wie die Eurozone. Der Einwohnerzahl gemäß werden es eines Tages 20 Prozent sein.

Alle wichtigen Transaktionen muss die Notenbank genehmigen

Angesichts dieser tektonischen Verschiebung ist es nur natürlich, dass die chinesische Währung künftig eine wichtigere Rolle spielt. Bisher hat sich die Liberalisierung der Wirtschaft nur unzureichend im Finanzwesen widergespiegelt. Zeitweilig erwies sich das als Vorteil: Die rückständigen Staatsbanken wurden von der Krise kaum infiziert. Der abgeschottete Währungsraum ermöglichte es, den Renminbi an den Dollar zu binden und den Export zu beflügeln.

Doch das abgeriegelte System hat viele Nachteile. Alle wichtigen Transaktionen muss die Notenbank genehmigen. Während sich Güter, Dienstleistungen und Menschen immer freier bewegen, gelangt Kapital nur mit hohem Aufwand über die Grenze. Anleger und Kreditnehmer auf beiden Seiten sind von den jeweils anderen Märkten und deren Chancen ausgeschlossen. Händler können zumeist nur in Devisen abrechnen, was Aufwand und Wechselkursrisiken erhöht. Seine riesigen Handelsbilanzüberschüsse tauscht China um, damit es den Außenwert der Währung kontrollieren kann. Die ausgegebenen Yuan-Beträge lassen sich nicht im Ausland verwenden, der Gegenwert landet in den Devisenreserven.

Die Dollarreserven sind kaum zu verwalten

Der dadurch angehäufte Fremdwährungsschatz ist kaum noch zu verwalten, der hohe Dollaranteil macht China von der amerikanischen Geldpolitik abhängig. Das Gleiche gilt, solange der Renminbi voll oder teilweise an den Dollar gekoppelt ist. Die künstliche Unterbewertung verteuert die Einfuhr, importiert Inflation, enthält den Verbrauchern Kaufkraft vor. Staatliche Zinsvorgaben haben den Geschäftsbanken zwar kalkulierbare und hohe Erträge beschert. Negative Realzinsen fressen aber das Geld der Sparer auf, während die geringen Sollzinsen vor allem Staatsunternehmen zugutekommen. Renditeorientierte Anleger und Privatunternehmen ohne Zugang zu Darlehen sehen sich fast zwangsläufig zu Schattengeschäften gezwungen.

Solange der Renminbi nicht konvertibel ist, solange es Kapitalkontrollen gibt, solange Zinsen und Wechselkurse den Markt ignorieren, solange Staatsbanken vom Wettbewerb ausgenommen sind - so lange wird China keine konkurrenzfähigen Finanzmärkte aufbauen. Es begibt sich damit zum einen eines lukrativen Geschäftszweigs, wie er etwa in Hongkong blüht. Zum anderen bleibt Pekings Einfluss in der Welt beschränkt, und es sieht sich in wachsender Abhängigkeit von Washington und dessen Währung. Angefacht von der Finanzkrise, dringt China deshalb auf eine multipolare Ordnung mit mehreren lokalen Leitwährungen neben dem Dollar. Eine davon soll der Renminbi werden. Die Konvertibilität soll 2015 kommen, bis 2020 dürften auch die anderen Restriktionen fallen. Dann möchte Schanghai ein Weltfinanzzentrum wie New York sein.

Es ist bemerkenswert, mit welchem Tempo Peking die Internationalisierung vorantreibt. In den Statistiken zum globalen Zahlungsverkehr rangiert der Renminbi zwar nur auf Platz 16. Aber zu Jahresbeginn stand er erst an Position 20. Die Bedeutung der Valuta ist enorm gewachsen, seit China den Auslandseinsatz in Hongkong und anderswo erprobt, seit es seinen Außenhändlern die Fakturierung in Yuan erlaubt und seit es immer mehr Vereinbarungen zur gegenseitigen Anerkennung von Währungen schließt, zuletzt mit den Schwergewichten Südkorea und Japan.

Der Westen sollte diese Entwicklung unterstützen: um seinen Unternehmen Handel und Investitionen in Fernost zu erleichtern, um von einem neuen tiefen Devisenmarkt zu profitieren, um die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Amerika und China zu entschärfen. Noch etwas kommt hinzu: Die Neuordnung der Finanzmärkte ist eines der wenigen Felder, auf denen das verkrustete China eine weitere Öffnung zulässt. Die Reform könnte sich als Motor zu einer größeren Liberalisierung des Landes herausstellen. Und die hat es dringend nötig.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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