05.07.2005 · Der ehemalige VW-Betriebsratschef Volkert ist nach seinem Rücktritt offenbar abgetaucht. Die Dimension der Korruptionsaffäre ist derzeit noch nicht absehbar, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.
Der langjährige Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Klaus Volkert, soll sein Aufsichtsratsmandat bei dem Automobilkonzern niederlegen. Das erfuhr die F.A.Z. aus Aufsichtsratskreisen.
Dem Vernehmen nach dringt IG-Metall-Chef Jürgen Peters, der als Vertreter von Chefkontrolleur Ferdinand Piech selbst im Aufsichtsrat sitzt, auf ein sofortiges Ausscheiden Volkerts, der im Zusammenhang mit der VW-Korruptionsaffäre bislang nur sein Amt als Betriebsratschef abgegeben hat.
„Ermittlungen werden Monate dauern“
Volkert soll im Kontrollgremium Platz machen für seinen bisherigen Stellvertreter und designierten Nachfolger Bernd Osterloh. Volkert, der auch im Vorstand der IG Metall sitzt, sei aber abgetaucht und lasse sich selbst seiner Gewerkschaft gegenüber verleugnen, heißt es. Volkert sitzt auch im Präsidium des Aufsichtsrates, dem ansonsten nur Piech, Peters und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) angehören. Rückt Osterloh nicht bald nach, wären die Arbeitnehmer in der nächsten Präsidiumssitzung nur mit einem Vertreter dabei.
Die Korruptionsaffäre wird VW wohl noch längere Zeit in Atem halten: „Die Ermittlungen werden nicht Wochen, sondern Monate dauern“, sagte der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe, der Frankfurter Allgemeinen. Am Montag übergab VW der Staatsanwaltschaft erstmals schriftliche Unterlagen, um die vor Wochenfrist gestellte Strafanzeige gegen zwei ehemalige Mitarbeiter zu untermauern.
Dimensionen noch nicht absehbar
Bisher waren die Strafverfolger nur mündlich über den Verdacht unterrichtet worden, daß der frühere Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster und ein Mitarbeiter aus der VW-Personalabteilung, Klaus-Joachim Gebauer, sich der Untreue und des Betrugs schuldig gemacht hätten. Wie viele Ermittler auf den Fall angesetzt werden, hänge von der - momentan nicht absehbaren - Dimension des Falles ab, sagte Ziehe.
Aktuell stünden nur Schuster und Gebauer im Mittelpunkt der Ermittlungen. Wenn sich der Anfangsverdacht nach eigenen Recherchen aber auf weitere Personen erweitere, könne dies der Beginn eines umfangreichen Verfahrens werden. In Aufsichtsratskreisen wird vermutet, daß der Fall noch weite Kreise ziehen könnte: „Alle Erfahrung sagt, daß da eine ganze Reihe von Leuten involviert ist.“
Materialkosten drastisch senken
Unterdessen hat Ministerpräsident Wulff als Vertreter des VW-Hauptaktionärs Niedersachsen eine lückenlose Aufklärung der Affäre und Konsequenzen für die Betroffenen verlangt. Mit Blick auf VW-Personalvorstand Peter Hartz, der durch die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit Volkerts Liebesaffäre mit einer Brasilianerin in Erklärungsnot geraten könnte, sagte Wulff bei einem Fernsehauftritt: „Wir haben die Äußerung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Ferdinand Piech, wonach kein Aufhebungsvertrag angeboten wird. Das ist richtig. Aber es kann auch für Peter Hartz und für andere keinen Persilschein geben, sondern wir werden jetzt die Dinge aufbereiten.“
IG-Metall-Chef Peters bezeichnete diese Äußerung als durchsichtigen Versuch, Hartz öffentlich zu beschädigen. Unterdessen hat Wolfgang Bernhard, seit Anfang Mai im Volkswagen-Vorstand zuständig für die Markengruppe VW, die Mitarbeiter auf Veränderungen eingeschworen: „VW hat bis zu 40 Prozent höhere Kosten als der Wettbewerb. Deshalb müssen wir die Abläufe in der Produktion systematisch durcharbeiten und effektiver gestalten“, schreibt Bernhard in einem Brief an die Mitarbeiter. Darin bekräftigt er, daß die Materialkosten bis Ende 2006 um eine Milliarde Euro gesenkt werden müßten.
Bernhard setzt auf mehr Qualität
Zugleich will Bernhard die Produktqualität verbessern: „Es gibt keine Qualitätsstatistik, bei der wir uns auf den vorderen Plätzen befinden, in einigen liegen wir sogar ganz hinten. So kann das nicht weitergehen! Qualität ist schließlich ein Kernwert der Marke Volkswagen.“ Ab sofort bemesse sich der Bonus der Führungskräfte auch an der Qualität der Produkte.
Bernhard will ein hohes Tempo vorlegen: „Wir müssen schnell handeln. Die nächsten drei Jahre werden sehr schwierig.“ VW sei einer Offensive japanischer und koreanischer Hersteller ausgesetzt, die mit Hochdruck auf den europäischen Markt drängten.
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