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Streit um VW-Gehälter : Die Volkswagen-Millionenfrage

  • Aktualisiert am

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (links, SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) Bild: dpa

Wie viele Millionen hat ein Volkswagen-Vorstand verdient? Diese Frage entzweit den Konzern – vor und hinter den Kulissen.

          Die Bezahlung des Vorstands hat im Aufsichtsrat von Volkswagen einen Eklat ausgelöst. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hatte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch auf der Sitzung vor vier Wochen über Veränderungen abstimmen lassen wollen, über die die Mitglieder des Gremiums nicht vorab informiert worden seien. Das neue Entlohnungssystem sei erst auf der Sitzung selbst mit einer Präsentation vorgestellt worden.

          Vor allem dem gerade erst in den Aufsichtsrat berufenen niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sind dies laut „Handelsblatt“ zu wenig Informationen in zu kurzer Zeit gewesen. Deshalb habe er auf der Sitzung nicht über die Anpassung der Vorstandsgehälter abstimmen wollen. Der Politiker sitzt ebenso wie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) als Vertreter des Großaktionärs Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat.

          Das schon im vorigen Jahr erneuerte Vergütungssystem, bei dem es vor allem um die Deckelung der Vorstandsbezüge geht, sollte in einzelnen Punkten nachjustiert werden, schreibt das „Handelsblatt“ weiter. Die Landesregierung hatte damals darauf bestanden, für die Gehälter der VW-Vorstände eine Grenze bei rund zehn Millionen Euro einzuführen.

          Ein heikles Thema für die Politik

          Die abermalige Anpassung der Vorstandsbezüge soll demnach auf der Hauptversammlung im Mai von den VW-Aktionären beschlossen werden. Althusmann wolle die Abgabe seiner Stimme noch vorher nachholen, warte aber auf Details. Pötsch wolle ihm diese zusenden, schreibt die Wirtschaftszeitung weiter.

          Von einem Betriebsratsmitglied soll Althusmann auf der Sitzung allerdings bedrängt worden sein, einfach zuzustimmen – wie die Gewerkschaftler im Aufsichtsrat, heißt es im „Handelsblatt“. Althusmann habe dies jedoch entschieden abgelehnt. Schließlich ist die Bezahlung des VW-Vorstands sowohl für ihn als auch für Weil ein Thema, das in der Vergangenheit für viel Unmut gesorgt hatte.

          Weil kritisierte am Sonntag in der Zeitung „Die Welt“ Äußerungen von VW-Chef Matthias Müller zur Regulierung von Managergehältern. „Eine Begrenzung von Managergehältern auf fünf Millionen Euro pro Jahr mit den Verhältnissen in der DDR zu vergleichen, ist komplett abwegig“, sagte Weil.

          „Immer mit einem Fuß im Gefängnis“

          Müller hatte im „Spiegel“ auf die Frage nach einer Gehalts-Obergrenze von beispielsweise fünf Millionen Euro geantwortet: „In Deutschland besteht der Drang, alles politisch regeln zu wollen. Aber wo soll das enden? Wir hatten so was bereits einmal in Form der DDR. Da ist auch alles geregelt worden.“ Weil sagte, mit diesen Äußerungen werde Müller „den Verhältnissen in Deutschland nicht einmal von Ferne gerecht“.

          Sein Einkommen von gut 10 Millionen Euro 2017 begründete Müller mit den Worten: „Es gibt zwei Gründe für ein so hohes Gehalt: die Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie das Risiko, das man als Konzernchef trägt. Als solcher steht man immer mit einem Fuß im Gefängnis.“

          Der Volkswagen-Konzernchef bereitet das Wolfsburger Unternehmen zudem schon mal auf die Zeit nach seinem Ausscheiden im Jahr 2020 vor. Er könne sich vorstellen, nach seinem Abschied von der Spitze des Vorstands einen der Aufsichtsratsplätze zu übernehmen, sagte er in dem Interview.

          „Weiblicher, jünger und internationaler“

          Dabei will der VW-Chef bei der Bestimmung seines Nachfolgers ein gewichtiges Wort mitreden. „Ich würde auf jeden Fall gerne mit dem Aufsichtsrat diskutieren, wie der Konzern nach meiner Zeit geführt werden soll“, sagte er. Das Spitzenmanagement von Volkswagen müsse demnach „weiblicher, jünger und internationaler“ werden. Mit Blick auf die aktuelle Führungsebene sagte der 64 Jahre alte Manager dem Wochenmagazin „Der Spiegel“: „Das ist ein riesiges Problem des Konzerns.“

          Anders als sein Vorgänger Winterkorn, der nach dem Vorstands- auch den Aufsichtsratsvorsitz anstrebte, will Müller so großen Einfluss auf den Konzern nach 2020 nicht haben. „Aufsichtsrat ja, Vorsitzender des Aufsichtsrats nein“, sagte er: „Das ist zu viel Arbeit, wenn man es richtig macht.“ Finanziell dürfte er darauf nicht angewiesen sein.

          Müller war von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch im September 2015 auf dem Höhepunkt des Diesel-Skandals zum VW-Vorstandschef gemacht worden. Müller ließ schon damals erkennen, dass er seinen Posten als Porsche-Chef in Stuttgart nur ungern verließ, und machte von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass er in Wolfsburg nur für eine Amtsperiode zur Verfügung stehe. Sein Vertrag läuft noch bis 2020. Herbert Diess, Chef der Kernmarke VW, der bald 60 Jahre alt wird und im Sommer 2015 von BMW zu Volkswagen gekommen war, gilt als einer der Nachfolgekandidaten.

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