28.10.2008 · Der Wolfsburger Autohersteller war am Dienstag für eine Weile der wertvollste Konzern der Welt. Hedge-Fonds drohen hohe Verluste. Schnäppchenjäger und Hoffnungen auf sinkende Zinsen lösten in New York ein Kursfeuerwerk aus.
hena./ham. HAMBURG/FRANKFURT/NEW YORK, 28. Oktober. In einem furiosen Kursfeuerwerk haben die amerikanischen Börsen am Dienstag deutlich im Plus geschlossen. Schnäppchenjäger und die Hoffnung auf eine abermalige Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed ließen die Kurse vor allem gegen Handelsschluss in die Höhe schießen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging nach einer Kursexplosion 10,9 Prozent höher mit 9065 Punkten aus dem Handel. Der Dax stieg bis Handelsschluss um 9,9 Prozent oder 428 Punkte auf 4762 Punkte. Das allerdings beruhte ausschließlich auf dem Kursanstieg der VW-Aktie. Ohne VW-Aktie, die den Index mit 590 Punkten positiv beeinflusste, hätte er deutlich im Minus geschlossen. Vor allem Finanztitel verloren kräftig.
Der raketenartige Höhenflug des Kurses der Volkswagen-Stammaktie geht weiter. Nachdem der Kurs sich am Montag auf 520 Euro verdoppelt hatte, schoss er im Verlauf des Dienstagvormittags auf den Höchstwert von 1005 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von 296 Milliarden Euro hatte VW den amerikanischen Ölkonzern Exxon Mobil überholt und war zumindest zwischenzeitlich an der Börse der wertvollste Konzern der Welt. Am Abend schloss der Kurs auf 945 Euro und damit 82 Prozent im Plus. Zwischenzeitlich brachte VW mehr als die Hälfte der Kapitalisierung aller 30 Dax-Unternehmen auf. VW war auch mehr wert als alle europäischen und amerikanischen Autohersteller zusammen. Schon am Montag hatte nur VW als einziger Tagesgewinner im Dax einen Rutsch auf weniger als 4000 Dax-Punkte verhindert. Da die Deutsche Börse das Gewicht von VW im Dax, das wegen der hohen Marktkapitalisierung auf 27 Prozent geklettert ist, erst im Dezember kappen will, sind Fondsmanager gezwungen, VW nachzukaufen und andere Aktien zu verkaufen. Denn viele Fonds bilden den Dax genau nach, andere orientieren sich zumindest daran.
Die weiteren Gründe für die Kursrally der VW-Aktie waren die gleichen wie am Vortag - nur die Folgen waren noch gravierender: Banken und Hedge-Fonds haben sich in der Vergangenheit VW-Aktien geliehen und weiter verkauft. Gründe, gegen VW zu spekulieren, gibt es manche. Das Unternehmen gilt als sehr teuer im Vergleich zu Konkurrenten wie Daimler. Die Stammaktie ist viel teurer geworden als die Vorzugsaktie, und manche Anleger meinten auch, gegen den Übernehmer Porsche wetten zu müssen. Angeblich sind rund 15 Prozent aller VW-Stammaktien auf dem Leihmarkt. Da sich jedoch Porsche - zusätzlich zu den schon gehaltenen 42,6 Prozent - über Optionen weitere 31,5 Prozent gesichert hat und gut 20 Prozent vom Bundesland Niedersachsen gehalten werden, ist der Markt für VW-Aktien sehr klein. Mit der am Sonntag gezielt plazierten Meldung über den Erwerb weiterer VW-Optionen hat Porsche nun die Anleger, die sich Aktien geliehen hatten und sie nicht mehr besitzen, in Zugzwang gebracht. Um ihre Verluste zu begrenzen, mussten sie schnell VW-Aktien kaufen, die aber nur schwer zu bekommen sind. Das Auflösen der alten Positionen mit Verlust treibt den VW-Kurs hoch. Es gibt Schätzungen, nach denen Hedge-Fonds 20 Milliarden Euro verloren haben. Auch Banken sollen betroffen sein. Deutsche Bank und Commerzbank seien nicht involviert, wohl aber britische Banken, hieß es. Zudem gibt es das Gerücht, die französische Société Générale habe Milliarden verloren. Der Kurs der Bank, die im Frühjahr schon mit Fehlspekulationen eines einzelnen Händlers für Aufsehen gesorgt hatte, brach um 12 Prozent ein.
Es gilt als möglich, dass der VW-Kurs in den nächsten Tagen neue Spitzenwerte erreichen wird. "Rein theoretisch gibt es kein Limit", sagt Analyst Marc-René Tonn von M. M. Warburg. Dies beruhe auf der Psychologie der Märkte. "Theoretisch braucht es für den Kursanstieg keine einzige Verkaufsposition", sagte Tonn. "Es braucht nur Leute, die glauben, es gäbe solche Positionen, und deshalb Aktien kaufen."
An den Finanzmärkten wird oft die Frage gestellt, warum Porsche ausgerechnet am Sonntag seinen Plan zum Aktienkauf angekündigt hat. Unter britischen Investmentbankern hat eine Theorie mit dem Titel "Der VW-Spielautomat" große Aufmerksamkeit erlangt. Demnach kauft Porsche selbst am Markt Aktien, um den Kurs zu treiben und den zum Kauf gezwungenen Hedge-Fonds diese dann wieder zu einem höheren Preis zu verkaufen. Max Warburton von der Investmentbank Sandford Bernstein glaubt, dass Porsche "dadurch Milliarden Euro" verdiene. Porsche wies dies strikt zurück. "Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt", sagte ein Sprecher.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.244,48 | −0,17% |
| EUR/USD | 1,3016 | −0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 118,53 $ | −0,43% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |