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Veröffentlicht: 07.02.2016, 17:22 Uhr

Staranwalt im Gespräch Wie kommt VW da heraus, Herr Feinberg?

Der Staranwalt Kenneth Feinberg wird gerufen, wenn es um besonders schwere Fälle geht – wie jetzt bei VW. Ein Gespräch über enttäuschte Autofahrer, echte Tragödien und Milliarden-Entschädigungen.

von
© EVAN MCGLINN/The New York Times/ Ken Feinberg soll Volkswagen rechtlichen Beistand liefern.

Herr Feinberg, was können Sie den mehr als 500.000 amerikanischen Besitzern von VW-Dieseln bieten?

Ich kann versprechen, dass es eine großzügige Lösung geben wird.

Und wie könnte die aussehen?

Das ist noch nicht entschieden, und im Moment stehen noch alle Optionen zur Debatte: Geldzahlungen, Rückkäufe von Autos, Reparaturen, Bereitstellung von Ersatzautos...

Warum sollten die VW-Kunden Ihnen vertrauen?

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Sie müssen mir gar nicht vertrauen. Es steht ihnen frei, sich auf mein Angebot einzulassen. Wenn es ihnen gefällt, stimmen sie zu, und wenn nicht, dann ziehen sie eben vor Gericht. Aber es gibt Grund zur Annahme, dass wir am Ende viele Leute überzeugen können.

Was macht Sie da so sicher?

Sehen Sie sich meine vergangenen Fälle an: Beim Fonds für die Opfer des 11. September haben 97 Prozent der Anspruchsberechtigten mein Angebot angenommen. Bei GM und BP waren es auch mehr als 90 Prozent. Das muss auch die Zielmarke für VW sein. VW hat mir volle Autorität gegeben, über Entschädigungen zu entscheiden.

Hat VW Ihnen auch ein unbegrenztes Budget gegeben, so wie GM?

Wir haben noch nicht über Geldbeträge gesprochen. Ich weiß nicht, ob VW zu mir sagen wird: „Geben Sie nicht mehr als x aus.“

Wie ernst meint es VW mit dem Fonds?

Ich verbringe derzeit 85 Prozent meiner Arbeitszeit mit VW, und ich sehe, wie ernsthaft VW mit mir zusammenarbeitet. Es gab schon mehr als ein halbes Dutzend Treffen, eines davon auch in Deutschland. Ich habe die Chefjuristen aus Deutschland und Amerika getroffen, Aufsichtsräte und Herrn Müller...

...dessen Reise nach Amerika sich nicht gerade als Erfolg erwiesen hat...

Ich kann nur sagen, ich fand ihn recht beeindruckend. Er schien mir sehr sachkundig und entschlossen.

Auto Show in Detroit © dpa Vergrößern Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG: „Ich kann nur sagen, ich fand ihn recht beeindruckend.“

Aber Müller hat sich mit den Umweltbehörden noch nicht über einen Rückrufplan geeinigt, bremst das nicht auch Ihre Arbeit? Bei Ihrer Berufung im Dezember haben Sie in Aussicht gestellt, innerhalb von 60 bis 90 Tagen ein Entschädigungsprogramm zu entwickeln.

Das ist schon richtig, mir sind die Hände gebunden, solange VW und die Behörden ihre Differenzen nicht überwinden. Der ursprüngliche Zeitrahmen könnte sich daher verzögern.

Was zahlt Ihnen VW denn in der Stunde?

VW zahlt mich nicht nach Stunden. Wie viel, müssen Sie VW fragen.

Und für Ihre öffentlichen Einsätze wie nach dem 11. September 2001 bekommen Sie wirklich gar nichts?

Keinen Cent, auch keine Aufwandsentschädigung. Wenn ich dafür einen Flug buchen muss, zahle ich den selbst. Ich fände es unpatriotisch, Geld zu verlangen.

Bei VW und in anderen Fällen sind Sie eine Art Schlichter. Was gefällt Ihnen daran besser, als Gerichtsprozesse zu führen?

Rechtsstreitigkeiten ohne Schlichtung sind hier in Amerika oft endlos. Schlichtung bringt schnell eine Lösung und Gewissheit. Prozesse sind oft wie eine Lotterie.

Deutsche sagen ja gerne, Amerikaner seien ein klagewütiges Volk.

Da ist schon etwas dran. Zu mir sagen deutsche oder britische Mandanten auch oft, das amerikanische Rechtssystem sei außer Kontrolle. Der Unterschied ist historisch gewachsen. Zur deutschen Tradition gehört es, dass der Staat ein soziales Sicherheitsnetz bietet, das Menschen einen finanziellen Schutz gibt, wenn ihnen ohne Verschulden etwas zustößt. Nach dem amerikanischen Verständnis sind Klagen ein wesentliches Vehikel, um sich nach einem Unglück Einkommen und finanzielle Sicherheit zu erstreiten. Ohne das Sicherheitsnetz gibt es mehr Anreiz, zu klagen.

Welches System finden Sie besser?

Ich denke, das amerikanische System hat in den vergangenen 250 Jahren ganz gut funktioniert. Es ist aber lausig, wenn es um Massenklagen wie bei VW geht. Die überfordern die Gerichte.

Neben Ihrer Pro-bono-Arbeit sind Sie ja vor allem bekannt dafür, mit Unternehmen zu arbeiten, die in der Öffentlichkeit als Schurken dastehen.

Moment, das sind nur wenige Fälle. Und diese Fonds von Unternehmen sind auch keineswegs ein Trend, sondern Anomalien.

Aber sie helfen dabei, Ihre honorarfreien Aufgaben zu subventionieren.

Wenn Sie das so sehen wollen. Natürlich muss auch ich irgendwie meine Stromrechnung bezahlen.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen den privaten und öffentlichen Entschädigungsfonds?

Sehr viele sogar. In beiden Fällen werden ganz ähnliche Fragen gestellt: Wer ist anspruchsberechtigt? Nach welcher Methode werden die Entschädigungen kalkuliert?

Ihre Aufgabe ist es oft, menschliches Leid mit einer Zahl zu bewerten. Ist das nicht ziemlich hart?

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