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Gina McCarthy : Obamas Klimaschützerin

Gina McCarthy: Chefin der amerikanischen Umweltschutzbehörde Bild: dpa

Die von ihr geführte oberste amerikanische Umweltschutzbehörde EPA setzte das Untersuchungsverfahren gegen VW wegen Manipulationen der Abgaswerte in Gang. Doch EPA-Chefin Gina McCarthy steht selbst politisch unter Druck.

          Im Januar reiste Gina McCarthy in den Vatikan. Dort sprach die Leiterin der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA) mit Beratern von Papst Franziskus, die dessen Klima-Enzyklika „Laudato Si“ vorbereiteten. Die Frage, mit welchem Auto Franziskus im September durch Amerika fahren werde, dürfte dabei nicht aufgekommen sein. Lange haben sich in Washington Gerüchte gehalten, der Papst könnte sich in einem koreanischen Kia-Kleinwagen kutschieren lassen.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Doch dann gab es Entwarnung: An diesem Mittwoch wird Franziskus mit einem uramerikanischen Jeep Wrangler durch das Spalier der Gläubigen hinter dem Weißen Haus fahren. Auch wenn der Jeep deutlich mehr Treibstoff verbraucht: Eine ergebnisorientierte Frau wie Gina McCarthy, die sich einen guten Draht zur Industrie zugutehält, hätte dagegen nie Einspruch erhoben.

          Den Brief, in dem die EPA Volkswagen am Freitag systematische Täuschung bei der Schadstoffmessung vorwarf, hat McCarthy nicht unterzeichnet.

          Doch sie griff selbst zum Telefon, um Tennessees Gouverneur vorzuwarnen, für den das VW-Werk in Chattanooga ein wichtiger Wirtschaftsmotor ist. Anderswo in Amerika dürfte sich kaum ein Politiker an einem harten Kurs gegen den deutschen Konzern stören.

          Das wäre eine Abwechslung für McCarthy: Als Chefin einer Behörde, die viele Republikaner abschaffen möchten, steht sie seit ihrer Ernennung durch Präsident Barack Obama Anfang 2013 unter Feuer.

          136 Tage dauerte es, bis der Senat die Beförderung der bis dahin stellvertretenden EPA-Leiterin erlaubte. Dabei hatte die Frau aus Boston, deren Herkunft an ihrem Akzent unschwer erkennbar ist, vor ihrem Wechsel nach Washington 2009 viele Jahre sowohl republikanische als auch demokratische Gouverneure in Massachusetts und Connecticut beraten.

          Dabei lernte sie, anstelle abstrakter Warnungen vor der Erderwärmung lieber Gesundheitsgefahren in den Vordergrund zu rücken. Noch als sie voriges Jahr strenge CO2-Grenzwerte für Kohlekraftwerke vorstellte, sagte sie: „Wenn Ihre Kinder ohne Inhalator auskommen, dann schätzen Sie sich glücklich!“ Weil der Kongress nicht mitmacht, hatte Obama die EPA-Chefin angewiesen, die Regulierung so weit wie möglich zu treiben.

          Die 1954 geborene, burschikose McCarthy nahm die Rolle an. Eher im Stile einer Politikerin als einer Administratorin zog sie das Kritiker-Wort vom „Krieg gegen die Kohle“ ins Lächerliche, als sie sich über Leute mokierte, die „eine Kaltfront für einen Grund halten, nichts für den Klimaschutz zu tun“.

          Die schlagfertige McCarthy gibt zu, dass sie mit den vielen Flügen zu ihrem in Boston mit Blumen handelnden Ehemann und den drei Kindern selbst zum Klimawandel beiträgt.

          Doch nicht deshalb versucht ein republikanischer Abgeordneter aus Arizona, McCarthy des Amtes zu entheben. Paul Gosar klagt, die Behördenleiterin habe die Amerikaner über die neue Wasserrichtlinie belogen und sei einzig darauf aus, den Arm Washingtons zu verlängern. Den Papst will Gosar auch nicht sehen. Aus Protest gegen die Klima-Enzyklika boykottiert der Katholik Franziskus’ Rede vor dem Kongress.

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