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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vorwurf der organisierten Kriminalität Champignons von ausgebeuteten Erntehelfern

Jeder zweite Import-Champignon stammt aus Holland. Dort werden sie womöglich unter erbärmlichen Bedingungen geerntet. Den Produzenten wird Ausbeutung und Sklaverei vorgeworfen.

© Grimm, Lena Champignons im Frischezentrum in Frankfurt

Die Hälfte aller Champignons, die in Deutschland eingeführt werden, stammt aus den Niederlanden. Dort werden sie offenbar unter haarsträubenden Bedingungen gepflückt. Aus Polen und Bulgarien stammende Helfer in der Pilzernte werden massiv ausgebeutet, berichtet der niederländische Fernsehsender KRO in einer Reportage. Die Vorwürfe, die darin geäußert werden, sind gravierend. Sie reichen von organisierter Kriminalität bis hin dazu, dass die Erntehelfer äußert mickrig bezahlt, mangelhaft untergebracht und zu extremen Arbeitszeiten verpflichtet würden.

„Die Menschen müssen sieben Tage in der Woche arbeiten und jeden Tag zwischen 10 und 16 Stunden“, sagt Wim Baltussen vom sozialdemokratischen Gewerkschaftsbund FNV in Interviews des Beitrages, die schon auf Youtube zu sehen sind. Er erhebt darüber hinaus den Vorwurf der Sklaverei gegen die Pilze produzierenden Unternehmen.

„Wenn Frauen ohnmächtig werden, dürfen sie nur kurz pausieren“

Das deckt sich mit Äußerungen der Erntehelfer selbst, die freilich im Dunkeln vor der Kamera stehen und nicht zu sehen sind. „In der Regel müssen wir von 6 bis 20 Uhr arbeiten“, sagt eine Erntehelferin mit osteuropäischen Akzent. Je nach Auftragslage zwängen die Farmer ihre Arbeiter aber auch dazu, bis 1 Uhr nachts zu pflücken. Und weiter: „Auch wenn Frauen ohnmächtig werden, dürfen sie nur kurz pausieren und müssen dann zurück an die Arbeit.“

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Offen wollen sich die Erntehelfer nicht äußern - aus Angst, äußert Henk Koenders vom niederländischen Sozialministerium. Auf die Frage, ob die Mehrheit der holländischen Pilze unter dem Dach organisierter Kriminalität hergestellt wird, antwortet er: „Ja, das ist das Bild, das wir momentan von der Situation haben.“

Die Niederlande gehören zu den bedeutendsten Pilze-Herstellern und -Exporteuren innerhalb Europas. Rund die Hälfte der deutschen Champignon-Importe stammt nach Angaben des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer aus Holland - 30.000 Tonnen im Jahr.

Quelle: FAZ.NET

 
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