http://www.faz.net/-gqe-757fp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 20.12.2012, 13:53 Uhr

Vorwurf der organisierten Kriminalität Champignons von ausgebeuteten Erntehelfern

Jeder zweite Import-Champignon stammt aus Holland. Dort werden sie womöglich unter erbärmlichen Bedingungen geerntet. Den Produzenten wird Ausbeutung und Sklaverei vorgeworfen.

© Grimm, Lena Champignons im Frischezentrum in Frankfurt

Die Hälfte aller Champignons, die in Deutschland eingeführt werden, stammt aus den Niederlanden. Dort werden sie offenbar unter haarsträubenden Bedingungen gepflückt. Aus Polen und Bulgarien stammende Helfer in der Pilzernte werden massiv ausgebeutet, berichtet der niederländische Fernsehsender KRO in einer Reportage. Die Vorwürfe, die darin geäußert werden, sind gravierend. Sie reichen von organisierter Kriminalität bis hin dazu, dass die Erntehelfer äußert mickrig bezahlt, mangelhaft untergebracht und zu extremen Arbeitszeiten verpflichtet würden.

„Die Menschen müssen sieben Tage in der Woche arbeiten und jeden Tag zwischen 10 und 16 Stunden“, sagt Wim Baltussen vom sozialdemokratischen Gewerkschaftsbund FNV in Interviews des Beitrages, die schon auf Youtube zu sehen sind. Er erhebt darüber hinaus den Vorwurf der Sklaverei gegen die Pilze produzierenden Unternehmen.

„Wenn Frauen ohnmächtig werden, dürfen sie nur kurz pausieren“

Das deckt sich mit Äußerungen der Erntehelfer selbst, die freilich im Dunkeln vor der Kamera stehen und nicht zu sehen sind. „In der Regel müssen wir von 6 bis 20 Uhr arbeiten“, sagt eine Erntehelferin mit osteuropäischen Akzent. Je nach Auftragslage zwängen die Farmer ihre Arbeiter aber auch dazu, bis 1 Uhr nachts zu pflücken. Und weiter: „Auch wenn Frauen ohnmächtig werden, dürfen sie nur kurz pausieren und müssen dann zurück an die Arbeit.“

Mehr zum Thema

Offen wollen sich die Erntehelfer nicht äußern - aus Angst, äußert Henk Koenders vom niederländischen Sozialministerium. Auf die Frage, ob die Mehrheit der holländischen Pilze unter dem Dach organisierter Kriminalität hergestellt wird, antwortet er: „Ja, das ist das Bild, das wir momentan von der Situation haben.“

Die Niederlande gehören zu den bedeutendsten Pilze-Herstellern und -Exporteuren innerhalb Europas. Rund die Hälfte der deutschen Champignon-Importe stammt nach Angaben des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer aus Holland - 30.000 Tonnen im Jahr.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Niederlande Wilders fordert Koranverbot und Schließung aller Moscheen

Der Rechtspopulist Geert Wilders macht im Wahlkampf Stimmung gegen muslimische Einwanderer. Im Zentrum seines Wahlprogramms steht eine Ent-Islamisierung der Niederlande. Verbieten will er nicht nur das Kopftuch. Mehr

26.08.2016, 05:17 Uhr | Politik
Guatemala Vulkan Santa Maria ausgebrochen

Der Vulkan Santa Maria ist kürzlich ausgebrochen. Dabei konnte beobachtet werden, wie eine rund 4000 Meter hohe Aschewolke in den Himmel stieg. Nun sind Videoaufnahmen des Ausbruchs veröffentlicht worden. Mehr

26.08.2016, 16:09 Uhr | Gesellschaft
Diskussion um Heilpraktiker Ohne Zulassung und trotzdem erlaubt

Nachdem drei Patienten einer alternativen Krebsklinik gestorben sind, konzentrieren sich die Ermittler auf den Behandlungswirkstoff 3-Bromopyruvat. Es werden Forderungen zur Reformierung des Heilpraktikerwesens laut. Mehr Von Reiner Burger

26.08.2016, 16:54 Uhr | Gesellschaft
Italien Tod und Zerstörung im Erdbebengebiet

Nach dem schweren Erdbeben steht im Zentrum von Amatrice kaum ein Stein mehr auf dem anderen. Doch die Anwohner hier haben zunächst andere Sorgen. Über 280 Menschen haben ihr Leben verloren und weitere werden noch unter den Trümmern vermutet. Amatrice, so der Bürgermeister des Ortes, sei nicht mehr zu retten. Alles müsse abgerissen und neu aufgebaut werden. Mehr

27.08.2016, 10:30 Uhr | Gesellschaft
Der Fall Goudstikker Doppelte Raubkunst

Das Diptychon von Lucas Cranach d. Ä. mit Adam und Eva, entstanden 1530, bleibt im Norton Simon Museum in Pasadena - trotz seiner bewegten Provenienz. Mehr Von Patrick Bahners

26.08.2016, 10:00 Uhr | Feuilleton

Nach dem Golde drängt alles

Von Christian Siedenbiedel

Schon in Goethes „Faust“ heißt es: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“. Was aber rückt das Gold heute wieder so in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger? Der Brexit? Sorgen um die Weltwirtschaft? Etwas ganz anderes? Mehr 12 18

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden