http://www.faz.net/-gqe-75y76
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 22.01.2013, 19:15 Uhr

Vorschläge der Liikanen-Kommission Deutschland und Frankreich wollen Banken aufspalten

Noch wehren sich Großbanken, allen voran die Deutsche Bank. Doch in der Politik wächst die Bereitschaft, eine Abspaltung risikoreicher Geschäfte in Banken durchzusetzen.

von und
© AFP Die Deutsche Bank erzielt die Hälfte ihrer Erträge im Investmentbanking.

Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs wollen in Europa die Abspaltung riskanter Handelsgeschäfte großer Banken durchsetzen. In einer gemeinsamen Erklärung zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags unterstützte der deutsch-französische Ministerrat am Dienstag in Berlin die Vorschläge der EU-Expertenkommission um den finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen. „Diese stellen einen wichtigen Beitrag für die Einführung einer rechtlichen Abtrennung besonders riskanter Banktätigkeiten unter Beibehaltung der für Kunden und die Wirtschaft im Allgemeinen wichtigen Tätigkeiten dar.“ Deutschland und Frankreich wollen auf europäischer und nationaler Ebene die Umsetzung der Vorschläge vorantreiben „mit dem Ziel, die mit spekulativen Tätigkeiten verbundenen Risiken zu mindern, die Finanzstabilität zu bewahren und die Wirtschaft effizient zu finanzieren“.

Hanno Mußler Folgen: Markus Frühauf Folgen:

Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin hegt im Gegensatz zu den Banken und Industrieverbänden Sympathien für die Liikanen-Vorschläge zu einem moderaten Trennbankensystem. „Das ist ein guter Ansatz, der allerdings seine Grenzen hat“, sagte Bafin-Präsidentin Elke König am Dienstagabend zu Journalisten. Eine rechtliche, organisatorische und wirtschaftliche Trennung des riskanten Handelsgeschäfts vom Kredit- und Einlagengeschäft erleichtere die Abwicklung einer Großbank, während die Vorteile des Universalbankensystems durch die eigentumsrechtliche Verbindung in einer Holding-Struktur erhalten blieben, lobte König. Niemand solle künftig mit Geld spekulieren dürfen, das letztlich dem Steuerzahler gehöre.

Die Bafin hat laut Finanzkreisen die Deutsche Bank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aufgefordert, die Folgen der Liikanen-Pläne abzuschätzen. In beiden Instituten hat das von den Kapitalmärkten abhängige Investmentbanking, dem auch das Handelsgeschäft mit Wertpapieren und Devisen zugeordnet ist, einen hohen Anteil. Gleichzeitig sind Deutsche Bank und LBBW im Privat- und Firmenkundengeschäft verankert. Vor einem Trennbankensystem warnte am Montagabend Anshu Jain, Ko-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Sollte sich das Investmentbanking nicht mehr so günstig wie bisher über Einlagen finanzieren können, stiegen dessen Kosten. Dies enge den Spielraum zur Finanzierung großer Unternehmen ein. Die Deutsche Bank erzielt die Hälfte ihrer Erträge im Investmentbanking.

Nach Ansicht von König reicht aber nicht einmal eine strukturelle Trennung, weil das Investmentbanking dann mehr - etwa von Hedgefonds - im nichtregulierten Schattenbankensektor betrieben werde. „Die Regulierung des Bankensektors kann ihre volle Wirksamkeit nur entfalten, wenn wir auch den Schattenbankensektor endlich international umfassend regulieren und beaufsichtigen.“ König gab zu, dass die Regulierung von Hedgefonds noch „mitten in den Überlegungen der internationalen Aufseher steckt“.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Faule Kredite Staatshilfen für Italiens Banken rücken näher

Die italienischen Krisenbanken werden der faulen Kredite nicht mehr Herr. Ein Lösungsvorschlag von EZB-Präsident Mario Draghi hat derweil großen Widerhall gefunden. Mehr Von Markus Frühauf und Tobias Piller, Rom

23.07.2016, 13:36 Uhr | Finanzen
Ausstellung in London Königlicher Einblick in den Kleiderschrank der Queen

Während Queen Elisabeth im Sommerurlaub weilt, ist im Buckingham Palace eine Ausstellung mit einer Auswahl ihrer Roben und Kostüme zu sehen. Auch Uniformen der Königin und das Krönungskleid Elisabeths sind Teil der Schau. Mehr

25.07.2016, 02:00 Uhr | Stil
Reutlingen Mann greift Menschen mit Machete an

In Reutlingen hat ein syrischer Asylbewerber mit einer Machete um sich geschlagen und eine Frau getötet. Weitere Menschen wurden verletzt. Der Mann wurde festgenommen. Mehr Von Rüdiger Soldt, Stuttgart

24.07.2016, 18:00 Uhr | Politik
Nach dem Amoklauf Fassungslosigkeit in München, Solidarität in Paris

Nach dem Amoklauf in München herrscht weiterhin Fassungslosigkeit in der bayrischen Landeshauptstadt. Ein im wahrsten Sinne des Wortes strahlendes Beispiel der Anteilnahme haben die Betreiber des Eiffelturms gesetzt – die Stahlkonstruktion leuchtete in Gedenken an die Toten von München in den deutschen Nationalfarben. Mehr

24.07.2016, 17:43 Uhr | Gesellschaft
Todesschüsse von München Was wir über den Angriff wissen

Zehn Menschen sind tot, unter ihnen auch der Täter, mehr als 20 wurden verletzt. Was wir über die tödliche Attacke von München wissen. Mehr

23.07.2016, 12:15 Uhr | Gesellschaft

Terror, virtuell und real

Von Carsten Knop

Innenminister Thomas de Maizière klagt über das „unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“. Viele vernünftige Menschen sehen das anders. Mehr 59

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden