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Vorbild soll Stiftung Warentest sein Westerwelle dringt auf eine Stiftung für Ratings

 ·  Der Druck auf die großen amerikanischen Ratingagenturen nimmt zu. Außenminister Westerwelle spricht sich für ein europäisches Konkurrenzunternehmen aus, das sich an der Stiftung Warentest orientieren soll. Andere wollen die große Bedeutung von Bonitätsnoten generell nicht länger hinnehmen.

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Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kritisiert in einem der F.A.Z. vorliegenden Papier die Arbeit der großen drei Ratingagenturen. „Wie ein Kartell dominieren sie den Markt und gestalten mit ihren Entscheidungen scheinbar Politik und wirtschaftliche Entwicklungen maßgeblich mit“, heißt es darin. Er schlägt daher vor, die Konkurrenz zu befördern, indem eine unabhängige europäische Ratingagentur etwa nach dem Modell der Stiftung Warentest geschaffen wird. „Die Ratingagentur könnte als Non-Profit-Organisation aufgebaut sein, um eine echte Alternative zu den Ratings der kommerziellen Agenturen darzustellen.“ Ähnliche Stimmen waren aus der Union zu hören. Wie eine Sprecherin der Stiftung Warentest berichtete, hat sich die Regierung dort noch nicht wegen des Aufbaus einer Ratingagentur gemeldet. Man sei bereit zu helfen, falls Unterstützung benötigt werde.

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel verteidigte dagegen die Ratingagenturen gegen Kritik. Er glaube nicht an die Verschwörungstheorie, dass die bösen Amerikaner Europa ruinieren wollten. Die Tatsache, dass die von ihnen dominierten Ratingagenturen auch Schaden anrichteten, müsse nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Bewertung der europäischen Situation durch Standard & Poor’s (S&P) falsch sei.

Der Euro-Hilfsfonds EFSF hat sich trotz seiner Herabstufung durch die Ratingagentur S&P zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt finanzieren können. Am Tag nach dem Verlust der besten Bonitätsnote hat er wie geplant 1,5 Milliarden Euro zu niedrigen Zinsen aufnehmen können. Die Bundesregierung wertete die erfolgsreiche Auktion der Titel als eine Bestätigung ihrer Einschätzung, nach der sich eine schlechtere Note für den Hilfsfonds nicht groß auswirken wird.

Interaktiv: Das Rating der wichtigsten Länder

Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, stellte klar, dass die Entscheidung die Ausleihkapazität des EFSF von 440 Milliarden Euro nicht beeinträchtige. Damit trat er Spekulationen entgegen, der Fonds müsse wegen des schlechteren Ratings seine Kreditsumme senken. Indirekt schloss er damit zudem aus, dass einige Mitgliedstaaten ihre Garantien für den Fonds erhöhen müssten, um die Ausleihkapazität zu sichern. Unionsfraktionsvize Michael Meister warnte ebenfalls davor, dem Urteil von S&P ein zu großes Gewicht beizumessen. „Die Herabstufung des EFSF ist kein Grund zur Sorge“, sagte er dieser Zeitung. Deutschland werde kein Geld nachschießen müssen.

Roland Berger will das Oligopol der großen Ratingagenturen brechen

Seit dem vergangenen Sommer bemüht sich die Unternehmensberatung Roland Berger um den Aufbau einer europäischen Ratingagentur. Dafür ist der Partner Markus Krall verantwortlich. Er will das Oligopol der drei großen Ratingagenturen über ein Stiftungsmodell brechen. „Eine Stiftung arbeitet nicht gewinnorientiert und kann die maximale Unabhängigkeit aufweisen“, sagt er dieser Zeitung.

Hinter S&P steht die an der Börse notierte amerikanische Verlagsgruppe McGraw-Hill. Moody’s ist als Aktiengesellschaft an der New Yorker Börse notiert. Fitch, die zuletzt das AAA-Rating Frankreichs bestätigt hatte, wird von der französischen Finanzholding Fimalac kontrolliert. Derzeit bemüht sich Krall um die Finanzierung seiner Rating-Stiftung. Anfangs könne sich die europäische Ratingagentur ihre Analysen von den Emittenten bezahlen lassen. Mittelfristig strebt er den Übergang zu einem von den Investoren bezahlten Modell an.

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