Oswald Bubel kann Dibbelabbes und Schales nicht mehr sehen. Der Präsident der saarländischen Unternehmerverbände ist zwar Lokalpatriot, aber dass das Saarland-Bild in der Öffentlichkeit seit Jahren nur von den beiden Nationalgerichten, von Oskar Lafontaine oder der vermeintlich lockeren Lebensart a la „Hauptsach gudd gess“ bestimmt wird, stört nicht nur ihn. Das Saarland habe sich dank seines robusten industriellen Kerns zum Wachstumsmotor entwickelt, sagt er. Die Zahl der Beschäftigten habe einen neuen Rekord erreicht. Die Arbeitslosenquote war 2011 mit durchschnittlich 6,8 Prozent so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr.
Von der am Sonntag neu zu wählenden Landesregierung erwarten die Unternehmer deshalb eine Marketing-Kampagne für das Land, denn nur durch qualifizierte Zuwanderung könne man die Fachkräftelücke schließen. Ob sich das Saarland-Bild auf Dauer ändert, hängt freilich vor allem davon ab, wie das Land seinen Schulden in den Griff bekommt - das weiß auch Bubel. In einem gemeinsamen Appell fordern daher Industrie- und Handwerkskammer gemeinsam mit den Unternehmerverbänden, die Sparbemühungen drastisch zu verstärken. Nur wenn es gelinge, die Schuldenbremse einzuhalten, könne auf Dauer die Eigenständigkeit des Landes gesichert werden. „Nur dann bleiben wir selbstbestimmt“, sagt Verbands-Geschäftsführer Joachim Malter. Sowohl SPD als auch CDU seien sich grundsätzlich darüber im Klaren, dass mehr gespart werden müsse. Über den Weg aber gibt es Streit.
Die Frage ist nur noch, wer die Koalition führt
Die Forderung nach einem Teilzeitparlament etwa oder nach der Abschaffung der Landkreise sorgt für Unruhe. Auch der Vorschlag der Unternehmer, nur noch jede zweite frei werdende Stelle in der Verwaltung zu besetzen, stößt auf Vorbehalte. Hinter dem Sparappell steckt Kalkül: die Unternehmer hoffen darauf, dass es am Ende für die mehr als 12 Milliarden Euro Altschulden Hilfe vom Bund gibt, etwa in Form eines Altschuldentilgungsfonds - vorausgesetzt, das Land schafft die Schuldenbremse. Ohnehin bleibe dem Saarland keine andere Wahl, sagt Malter. „Entweder wir sparen, oder die Emissäre vom Bund kommen und schreiben uns das Sparen vor.“
Dass die Haushaltsnotlage das Bild des Landes bestimmt und wirtschaftliche Erfolge wie der Strukturwandel vom Bergbauland zum lebendigen Industriestandort kaum nach außen dringen, hat freilich noch einen anderen Grund. Nur wenige Konzerne haben ihren Hauptsitz im Saarland. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen etwa hat mit 7000 Beschäftigen mittlerweile Ford und Bosch als größten Arbeitgeber an der Saar überholt. Über Erfolge jedoch berichten die Unternehmer von der Heimat aus. Der Aufstieg von Lafontaine sei denn auch lange vom Minderwertigkeitsgefühl der Saarländer geprägt gewesen, sagt Malter.
Im Saarland dürfte der ehemalige Linken-Chef politisch keine Rolle mehr spielen, soviel ist klar: nach dem Platzen der Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP wird es nach der Neuwahl am Sonntag aller Voraussicht nach eine große Koalition aus SPD und CDU geben, zu groß sind die Differenzen zwischen SPD-Chef Heiko Maas und seinem einstigen Ziehvater. Die Grünen haben Mühe, wieder ins Parlament einzuziehen, die FDP kam vor vier Wochen in Umfragen auf 2 Prozent. Die Frage ist nur noch, ob die CDU unter Annegret Kramp-Karrenbauer oder Maas die Koalition führt. Dass das Land kräftig sparen muss, um die Eigenständigkeit zu halten, diese Frage stellt sich nicht mehr.
Der "Landkreis Saarbrücken" (F.J.S.)
Gerhard Katz (spital8katz)
- 24.03.2012, 16:21 Uhr
wenn die AL so gering ist, müssten die Steuergelder ja nur so sprudeln
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 24.03.2012, 12:50 Uhr