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Vom Arbeiterkind zum Missionar Der Aufstieg des Peter Hartz

13.01.2007 ·  Anfang des Jahrtausends war Peter Hartz gelungen, was kein Manager vor ihm zustande gebracht hatte: Sein Name ist zum klingenden Symbol im politischen Geschäft geworden. Der Weg vom Arbeiterkind zum Missionar.

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Anfang des Jahrtausends war Peter Hartz gelungen, was kein Manager vor ihm zustande gebracht hatte: Sein Name ist zum klingenden Symbol im politischen Geschäft geworden. Der Weg vom Arbeiterkind zum Missionar.

Der Arbeiterjunge von der Saar: Am 9. August 1941 wird Peter Hartz als Sohn eines Hüttenarbeiters in St. Ingbert geboren. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann holt er das Abitur nach und studiert Betriebswirtschaft. Nach einer ersten Station in einem französischen Konzern wechselt er in die saarländische Stahlindustrie, wird Vorstand und Arbeitsdirektor der Dillinger Hütte Saarstahl. „Der Niedergang der Montanindustrie hat bei mir Narben hinterlassen“, sagt er später oft. Daraus leitete er seine Mission für den Erhalt von Arbeitsplätzen ab. Zu der Zeit tätigte er auch schon seine ersten Übungen als Wortakrobat. So verkaufte er den Stellenabbau in den Hüttenwerken als „Fortschrittsprogramm“.

Der Visionär in Wolfsburg: Im Oktober 1993 holt der damalige VW-Chef Ferdinand Piëch den Saarländer nach Wolfsburg. Auch dort tobt eine Krise, nur geht es um Zahlen mit ein paar Nullen mehr: 30.000 von 100.000 VW-Beschäftigten sind zu viel an Bord. Zur Verschleierung dieser Tatsache erfindet Hartz die Vier-Tage-Woche und einiges mehr, immer verpackt in Slogans wie den von der „atmenden Fabrik“. „Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht“, proklamiert er in Büchern, beschwört den „workholder value“, fordert Nachhaltigkeit an allen Ecken und Enden und formuliert Sätze wie: „Die Zukunft befindet sich im Quantensprung.“ Das empfiehlt das SPD-Mitglied für höhere Aufgaben - Hartz wird zeitweise der wichtigste Ratgeber für den Kanzler, seinen Duzfreund Gerhard Schröder.

Der Missionar in der Politik: „Hartz eins zu eins umsetzen“, so klingt der Schlachtruf anfangs des Jahrtausends. Peter Hartz ist oben angekommen, als Stifter einer rot-grünen Ersatzreligion, der eine „Bibel für den Arbeitsmarkt“ (O-Ton Hartz) geschrieben hat. Ich AG, Job-Floater, Personal-Service-Agenturen sind die Stichworte. Hartz gelingt, was kein Manager vor ihm zustande gebracht hatte: Sein Name wird zum klingenden Symbol im politischen Geschäft. Journalisten beschreiben sein „inneres Leuchten“. Visionäre Kraft wird ihm bescheinigt, wenn er ankündigt, „die heiligen Kühe auf eine neue, gesunde Weide zu führen“.

Hartz wegen Untreue angeklagt

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.01.2007, Nr. 2 / Seite 34
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