http://www.faz.net/-gqe-78qcb

Schwerpunkt „Vollbeschäftigung“ : Arbeit für alle

  • Aktualisiert am

Bild: Illustration: André Laame

Die Vollbeschäftigung kommt. Denn viele alte Menschen gehen in Rente. Die jüngeren haben tolle Chancen am Arbeitsmarkt. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles wirft der Bundesregierung vor, Geringqualifizierte zu wenig zu fördern.

          Deutschland steuert mit großen Schritten auf die Vollbeschäftigung zu. „Arbeit findet sich: Das wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren als Grundgefühl durchsetzen“, sagte Joachim Möller, Arbeitsmarktforscher der Bundesagentur für Arbeit, der F.A.S. Schon heute lebt ein Viertel der Deutschen in Landkreisen mit Vollbeschäftigung.

          Künftig werde sich das Phänomen ausbreiten, erwartet Wirtschaftsforscher Karl-Heinz Paqué von der Universität Magdeburg. Denn in den nächsten Jahren gehen die ersten Babyboomer in Rente. Das sind die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1965. Dafür rücken nur wenige junge Leute nach, die die Stellen besetzen könnten. Die Jahrgänge von 1990 an umfassen bis zu 500.000 Menschen weniger als die Babyboomer-Jahrgänge.

          Firmen horten schon seit einigen Jahren ihr Fachpersonal

          Der Fachkräftemangel macht sich auf breiter Front bemerkbar. Die Firmen „horten“ deshalb schon seit einigen Jahren ihr Fachpersonal, sagt Ökonom Paqué: Selbst bei schlechter Auftragslage behalten sie die Mitarbeiter, statt sie zu entlassen. So habe die tiefe Wirtschaftskrise 2009 auf dem Arbeitsmarkt kaum Spuren hinterlassen.

          Ältere werden inzwischen deutlich länger beschäftigt als früher. Die Zahl der Arbeitnehmer, die zwischen 60 und 64 Jahre alt sind, verdoppelte sich binnen zehn Jahren auf 1,5 Millionen. Ein Drittel der Rentner gibt laut Demographie-Forscher Axel Börsch-Supan an, gerne wieder arbeiten zu wollen. Sollte sich die Eurokrise nicht dramatisch zuspitzen, ist der Trend zur Vollbeschäftigung kaum zu brechen. „Wir werden Gelegenheit haben, verstärkt auch Langzeit-Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt Arbeitsmarktforscher Möller. Dafür brauchten sie zusätzliche Qualifikationen.

          Nahles: Regierung fördert Geringqualifizierte zu wenig

          SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf der Regierung vor, Geringqualifizierte zu wenig zu fördern. „Wenn hier weiter gekürzt wird, wie es die schwarz-gelbe Bundesregierung tut, dann werden wir statt Vollbeschäftigung in der Zukunft einen tief gespaltenen Arbeitsmarkt haben“, sagte Nahles der F.A.S. „Mit einem großen Facharbeitermangel auf der einen und einem felsenfesten Sockel von unqualifizierten Langzeitarbeitslosen auf der anderen Seite.“

          CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bezeichnete das Ende der Arbeitslosigkeit als realistisch. „Wir wollen in der nächsten Legislaturperiode dem Ziel der Vollbeschäftigung einen deutlichen Schritt näherkommen“, sagte er. Dazu müsse die Politik alles verhindern, was Arbeitsplätze aufs Spiel setze - etwa die Steuerpläne von SPD und Grünen.

          Wie wahrscheinlich ist Vollbeschäftigung? Wie verändert sie Deutschland? FAZ.NET, F.A.S. und F.A.Z. loten das in einem Themenschwerpunkt aus. Am Sonntag startet unsere FAZ.NET-Themenseite zur Vollbeschäftigung. Die F.A.S. veröffentlicht ein Spezial am Sonntag, die F.A.Z. berichtet von Montag an.

          Quelle: F.A.S. / bern., boll., wvp.

          Weitere Themen

          Mit Nahles in die Opposition Video-Seite öffnen

          SPD : Mit Nahles in die Opposition

          Die bisherige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles soll den Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann bei der Führung der SPD-Fraktion ablösen. Nahles hatte eine gründliche Ursachenforschung für das schlechte Abschneiden der SPD angekündigt.

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Die Zentralregierung greift härter als erwartet durch, aus Protest gehen hunderttausende Katalanen auf die Straße. Mit Spannung erwarten sie die Ansprache von Regionalpräsident Puigdemont, den Madrid in Kürze entmachten will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.