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Schwerpunkt „Arbeit für alle“ Hunderttausende schwere Fälle von Langzeitarbeitslosigkeit

 ·  Auch in der Vollbeschäftigung werden geringqualifizierte und kranke Menschen nicht automatisch vom Arbeitsmarkt aufgesaugt. Mit staatlicher Hilfe und entgegenkommenden Arbeitgebern können sie die Arbeitslosigkeit überwinden.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (14)
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Stefan Kunze

...der letzte Absatz, wirft einige Fragen auf!

Wie einige Kommentare zuvor stellt sich mir die Frage was meint der Personalverantwortliche wenn er ausdrückt er hätte 90 Menschen zusammen mit einem Psychologen beackert?

Herr Christoph Schäfer, gerade hier wird der Artikel erst interessant! Was ist denn aus diesen Menschen geworden? Setzen Sie doch bitte Ihre journalistische Spürnase ein oder hat Ihr Vorgesetzter Ihnen verboten hierüber genauer zu berichten? Wahrscheinlich werden Sie die Antwort schuldig bleiben.
MfG
Stefan Kunze

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.05.2013 16:51 Uhr
Ralf Schneider

Ich glaube ich kann ihre Frage...

..beantworten, ohne Anspruch auf Repräsentativität zu erheben.

Ich habe eine Bekannte, ebenfalls in HartzIV. Sie bemühte sich in ihrem Rahmen um eine Tätigkeit als Altenpflegehelfer und bekam eine geringfügige Stelle in diesem Bereich. Sehr bald merkte sie, das die Arbeitsverdichtung für die vorgeschalteten Altenpfleger so stark war, das von ihr erwartet wurde, diese arbeitstechnisch zu entlasten, eben nur NOCH schlechter bezahlt als die sowieso schon schlecht bezahlten Altenpfleger. Da sie immer noch Aufstockerin war, wurde ihr parallel eine Maßnahme aufgedrückt, in der eine Gruppe von Psychologen und Pädagogen sie beackerte, der sie als Einzelperson gegenüberstand, entweder noch einen zweiten Job zu suchen, oder in der Einrichtung in der sie nun schlecht bezahlt arbeitete, eine Vollzeitstelle anzustreben. Nach einer gewissen Zeit hielt sie dem Druck nicht mehr Stand, meldete sich von der ArGe ab und verzichtete auf den Aufstockerbetrag. Jetzt lebt sie von einem Betrag unter 600.-€

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Andreas Wilfling

Fachkraeftemangel...

Fragen Sie doch einmal, wieviele qualifizierte Arbeitskraefte auf Arbeitssuche sind, weil sie ueber 45 oder 50 sind. Angeblich besteht ein grosser Bedarf an Ingenieuren, Maschinenbau, Hoch und Tiefbau usw.
Schauen Sie doch mal, wieviele ueber 50 jaehrige, bestens ausgebildete und erfahrene auf Arbeitssuche sind, weil man sie aus "betrieblichen" Gruenden gekuendigt hat , nur um dann 25 bis 30 jaehrige Hochschulabsolventen ums halbe Geld einzustellen...

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michael schneider

Tja,

ich sehe das anders. Es ist trotz intensiver Betreuung lediglich gelungen, 9 von 90 in Arbeit zu bringen. Der Rest bezieht lieber gar keine Leistungen, als sich einzubringen. Das deckt sich mit eigenen Erfahrungen hier im Betrieb. Nicht jeder Arbetislose ist automatisch gut, ehrlich und fleißig. Für einige ist schon das Mitmachen bei Hilfemaßnahmen zu viel Stress und sowas von uncool.

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Dirk Sternberg

Randlage

Nun ja, die Frage der Vermittelbarkeit erklärt sich über die Qualifikation nicht erst seit dem Beginn der Arbeitslosigkeit. Bildung ist ein lebenslanger Prozess, das sollten nicht nur die begreifen, die am Rande stehen. Sie mit den gängigen Stammtisch-Stigmen zu überziehen, ist zynisch und hilft in der Sache nicht weiter. Vielleicht sollte man doch 'mal dort schauen, wo Arbeit entsteht, in den Betrieben z. B., die über kostenintensive Kontroll- und Abgabesysteme zu sehr von ihrer Arbeit ablenkt werden. Oder kann mir hier einer verraten, warum Startup-Unternehmen immer erst Steuern und andere Zwangsbeiträge entrichten müssen, bevor sie den ersten satten Gewinn einfahren können? Entlastung kann an vielen Stellen stattfinden, ohne dass ein Steuer-und Abgaben-Euro auf der Streck bleibt.

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Karl Rotte

Konzertierte Aktion: Vollbeschäftigung

Dieser Tage häufen sich die Vollbeschäftigungsartikel in der FAZ. Alles wird gut und wir müssen dran glauben...
Mal unter Marktgesichtspunkten betrachtet: Mancher Arbeitslose will nicht arbeiten, weil er auf Staatsknete stressfreier lebt. Und manche junge Mutter würde liebend gern arbeiten, weiß aber nicht, wo währenddessen die Kinder hin sollen. Das Angebot ist also nicht homogen. Weiter gibt es viele Fachkräfte, die beim Verleih angestellt sind (offiziell in Arbeit, de facto nur bis zum Quartalsende fest), die machen das nicht freiwillig, sondern mangels Alternative. Die Personalabteilungen der Firmen hingegen sind überaus mäkelig, von wegen "hat mal eine Zange in der Hand gehalten". Da wartet man gerne mal ein Jahr oder zwei, bis doch noch einer auftaucht, der genau den gesuchten Job gerade jetzt hat. Und neue Werke baut man gleich in China, Osteuropa oder Lateinamerika, da sind die Lohnkosten deutlich geringer. Die Nachfrage ist also nicht wirklich gegeben. Siehe Stellenanzeigen.

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Roland Müller

Herr Schäfer,

von 45. Lebensjahr an aufwärts interessiert sich auch kaum jemand für qualifizierte Arbeitskräfte. Die werden mit und ohne Aufschwung ebenso wie die Unqualifizierten einfach links liegen gelassen. Das Ziel der Bemühungen ist offenbar 20-25 Jahre Kleinkind und Schulbildung, 20 Jahre arbeiten und dann ca. 40 Jahre lang Rente. Auf stabilere Beine kann man das Sozialversicherungssystem gar nicht stellen. Das ist einfach alles grandios alternativlos.

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Otto Meier

"Die 81 anderen hätten sich ohne Begründung vom Leistungsbezug abgemeldet."

Und wovon leben die 90% jetzt?

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie mit diesen 90 umgegangen wurde. Und die Gleichgültigkeit im Umgang mit Menschen, die ist erschreckend. Was aus 81 von 90 Menschen wurde, scheint niemanden zu interessieren. Wer will sich auch schon mit diesem arbeitsscheuen Gesindel abgeben, nicht wahr? Hauptsache die Statistik sieht wieder etwas besser aus.

Das ist doch einfach erbärmlich.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.05.2013 15:39 Uhr
Otto Meier

Woher wußte ich nur, daß solche Reaktionen folgen würden?

Sicherlich gibt es Menschen, die nicht arbeiten wollen oder die lieber für 10€/Std. einer Schwarzarbeit nachgehen, als sich für für 5€/Std. ausbeuten zu lassen und dennoch als Aufstocker zum Amt rennen zu müssen. Und sicherlich gibt es auch Menschen, die einfach nicht (mehr) arbeiten können. Um welche Menschen mit welchen Schicksalen es sich hier handelte, wurde ja (wohlweislich) nicht genannt. Daher finde ich eine Verurteilung ohne Faktenwissen nicht angemessen. Aber, und darauf habe ich hingewiesen, das ist der Standard im Umgang mit Menschen in dieser Gesellschaft geworden.

Es ist halt einfacher, Arbeitslosigkeit als Schuld des Arbeitslosen zu betrachten, als sich die Frage zu stellen, warum die Arbeitslosigkeit trotz Vollbeschäftigungstrend nicht abnimmt.

Der Schwarzarbeiter, Faulheit kann man ihm wohl nicht unterstellen, hat dabei ebenso meine Sympathie, wie der psychisch oder wie auch immer gebrochene oder benachteiligte Mensch, dem das Arbeiten (so) einfach nicht möglich ist.

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Michael Kautz

Die arbeiten jetzt nur noch schwarz

Das Schwarzgeld reicht auch zum leben. Zur Not eben ohne Krankenversicherung.

Haben sie schon mal die Zollfahnder auf Baustellenkontrolle gesehen? Dort arbeiten viele Menschen mit Migrationshintergrund schwarz, gleichzeitig kassiert man Harz4 damit man versichert ist. Zusammen mit Kindergeld lässt es sich so super leben.

Natürlich haben die Schwarzarbeiter dann keine Zeit für Fortbildung oder Termine beim Amt...

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Dirk Häßner

Ruhig bleiben

Langsam, Herr Meier. Ich will es nicht für 90% behaupten, aber meine Erfahrung ist, dass für gewöhnlich einige dabei sind, die ihren Lebensunterhalt sehr gut mit Schwarzarbeit bestreiten. 9 von 10 Leuten melden sich nicht wegen irgendwelcher Schikanen des Jobcenters ab, wenn sie danach nichts mehr zu beißen hätten.

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Volker Krück

Die Stärkung der Eigeninitiative der Betroffenen könnte ein wesentliches Element sein

Bei der Arbeitsvermittlung von Menschen in der Grundsicherung gibt es neben den genannten Hindernissen noch zwei weitere, die in Ihrem Artikel nicht thematisiert wurden.
- Für mich war und ist es schwer nachzuvollziehen warum die Suche eines Arbeitsplatzes ausschließlich dem Mitarbeiter einer Behörde überlassen wird. Die eigenen Leidenschaften, Fähigkeiten und Vorlieben kennt jeder für sich selbst am besten. Wie wäre es, wenn Menschen mit vollständiger Grundsicherung verpflichtet würden, sich selbständig, z. B. mindestens zweimal wöchentlich, um Arbeit bemühten. Aus den USA gibt es hierzu ein sehr überzeugendes Beispiel.
- Dann ist noch die Höhe der Grundsicherung ein Problem. Rechnet man alle Leistungen zusammen (Auszahlung, Miete, Kranken- und Rentenversicherung) ergibt sich ein hoher Betrag, insbesondere wenn die Transferleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung mit betrachtet werden, was m. E. notwendig ist.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.05.2013 13:05 Uhr
Marie Kelkmann
Marie Kelkmann (MKelk) - 07.05.2013 13:05 Uhr

Henne-Ei-Frage

Ist der Mensch, der hohe Krankenkassenkosten verursacht, krank weil er keiner Erwerbstätigkeit nachgeht oder geht er keiner Erwerbstätigkeit nach, weil er krank ist? Ich würde einem kranken Mneschen keine Vorwürfe machen, weil er keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und auch keinem Unternehmer, dass er einen kranken Menschen nicht einstellt.

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Marie Kelkmann
Marie Kelkmann (MKelk) - 07.05.2013 12:13 Uhr

Das klingt, als handelte es sich um Verbrecher

ich frage mich ob wir überhaupt noch mitbekommen, dass wir Menschen immer mehr wie Vieh wahrnehmen und behandeln. Wie Nutzvieh, wie Zuchtvieh. Und wenn beides nicht passt, machen wir Schlachtvieh aus den Menschen? Mir schauderts.

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07.05.2013, 11:33 Uhr

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