Der Aufsichtsratschef von Volkswagen, Ferdinand Piëch, wehrt sich gegen ein Gerichtsurteil des Oberlandesgerichts Stuttgart. In einer Mitteilung dazu erklärte er am Sonntag: „Eine Pflichtverletzung meinerseits kann ich - auch nach Durchsicht des Urteils des OLG Stuttgart - nicht sehen.“ Am vergangenen Mittwoch waren die Richter zum Ergebnis gelangt, dass Piëch eine schwerwiegende Pflichtverletzung begangen und so die Kreditwürdigkeit des Sportwagenbauers Porsche gefährdet habe (F.A.Z. vom 1. März).
Dabei stützten sich die Richter auf Äußerungen Piëchs gegenüber Journalisten im Mai 2009. Der VW-Aufsichtsratschef kritisierte damals die Finanztransaktionen, mit denen Porsche versucht hatte, VW zu übernehmen. Ihm sei es nicht gelungen, Klarheit über die Folgen der Optionsgeschäfte und die darin schlummernden Risiken zu erkennen.
An diese Informationen sei er als einfaches Aufsichtsratsmitglied von Porsche nicht herangekommen, sagte Piëch damals. Nach Ansicht des OLG Stuttgart hat er damit „eine schwerwiegende Pflichtverletzung“ begangen, denn zu seinen Aufgaben als Aufsichtsrat gehörte die Erfassung und Beurteilung bedeutsamer Geschäfte der Porsche SE. Demnach hätte Piëch sich um weitere Informationen bemühen oder aber gegen die Optionsgeschäfte einschreiten müssen, erläuterten die Richter in ihrem Urteil, gegen das sie keine Revision zuließen.
Dagegen will die Porsche SE mit einer Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof vorgehen. In seiner Mitteilung schreibt Piëch weiter: „Das OLG schätzt die Situation meines Erachtens nicht zutreffend ein.“ Er dementiert das Gesagte nicht, interpretiert es aber anders: „Meine Kernposition, die ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass ich das vom damaligen Vorstand verfolgte Konzept nicht mehr als den richtigen Weg für die Zukunft angesehen habe. Deshalb war ich auch der Auffassung, dass die Optionen - und die damit naturgemäß verbundenen Risiken - nicht länger aufrechterhalten werden sollten.“ Piëch hat sich nach eigenem Bekunden im Mai 2009 für die Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns mit Volkswagen durch Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung ausgesprochen. „Wer Porsche und Volkswagen heute sieht, weiß, dass dies richtig war“, betonte Piëch.