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Volkmar Denner Der Mann für Bosch 3.0

 ·  Volkmar Denner übernimmt zur Jahresmitte die Führung beim Traditionskonzern Bosch. Der drahtige Manager gilt als toller Motivator, seine Begeisterung für neue Technologien ist riesig. Die große Politik wird er hingegen wohl auch in Zukunft seinem Vorgänger überlassen.

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Daheim hat er drei Kinder der Generation Facebook, doch im Gegensatz zu anderen Vätern wird Volkmar Denner selten in die Verlegenheit kommen, seinen Nachwuchs um ein bisschen Nachhilfe in Hightech-Angelegenheiten zu bitten: Da macht ihm so schnell niemand etwas vor. Denners Begeisterung für neue Technologien ist so groß, dass sie ihn nun an die Spitze des Bosch-Konzerns bringt. Dort übernimmt er zur Jahresmitte den Vorsitz der Geschäftsführung von Franz Fehrenbach, der seinerseits Hermann Scholl als Aufsichtsratschef ablöst. Denner ist erst der sechste Chef nach Robert Bosch, der das Unternehmen vor 126 Jahren gegründet hat. Er wird es sein, der das Traditionsunternehmen in die Zukunft katapultiert, er ist der Mann für Bosch 3.0.

„Wir wollen die virtuelle und die physische Welt verbinden“

Innovationen waren für Bosch schon immer der Treiber des Erfolgs. Ob man es an der Zahl der Patente misst oder an der Quote für Forschung und Entwicklung: Überall nimmt Bosch einen Spitzenplatz ein. Doch Denner, der in der Geschäftsführung bisher schon für Forschung, Technikkoordination und Produktplanung aller Unternehmensbereiche verantwortlich war, lässt keinen Zweifel daran, dass es um mehr geht als um evolutionäre Weiterentwicklung: „Wir wollen die virtuelle und die physische Welt verbinden“, lautet seine Vorgabe. Bosch werde nicht nur Dinge herstellen, sondern dafür sorgen, dass diese Produkte miteinander über das Internet vernetzt sind, was es wiederum ermöglicht, völlig neue Dienstleistungen anzubieten. Waschmaschinen, die sich selbst einschalten, wenn der Strom gerade billig ist, sind ein durchaus schon realistisches Beispiel.

Deutlich komplexer wird die Angelegenheit, wenn das Auto ins Internet geht und in Echtzeit Informationen aus der Umwelt bezieht - etwa darüber, wo gerade eine Baustelle ist oder die Kröten über die Straße wandern, wie in diesen Wochen im Wald rund um die Bosch-Zentrale auf der Schillerhöhe bei Stuttgart. „Dann entsteht eine komplett neue Welt, die nichts mehr mit dem altbekannten Fahrzeug und seinen räumlichen Begrenzungen zu tun hat“, zeichnet der promovierte Physiker sein Bild von der Bosch-Zukunft: „Wir bauen eine virtuelle, elektronische Welt um das Auto herum.“ Die zugehörigen Geschäftsmodelle, das räumt Denner ein, sind nur teilweise planbar. In einigen Fällen wird Bosch auch ins Risiko gehen müssen.

Da der 55 Jahre alte Schwabe sein ganzes Berufsleben bei Bosch verbracht hat, ist ihm sehr wohl bewusst, dass die Revolution kein Selbstläufer ist für den Konzern mit seinen 300.000 Mitarbeitern. „Wir müssen an der ein oder anderen Stelle umdenken“, sagt Denner: „Wir müssen vor allem schnell genug sein, um mit der rasanten Entwicklung im Markt dauerhaft Schritt halten zu können.“ Allzu viele Fehler sollten dabei nicht passieren. Zwar gehört es auch zur Kultur von Bosch, einen langen Atem zu beweisen und schwierige Entwicklungen auszusitzen. So hatte der derzeitige Aufsichtsratschef Hermann Scholl, der nach seinem 77. Geburtstag Ende Juni den Platz für Franz Fehrenbach räumt, in seiner aktiven Zeit als Bosch-Chef jahrelang Vorleistungen in die Dieseltechnik rechtfertigen müssen, bevor reiche Ernte eingefahren werden konnte. Fehrenbach wiederum kann sich auf die Fahnen schreiben, das Mega-Thema Energie für Bosch entdeckt zu haben, muss allerdings aktuell milliardenschwere Investitionen in die Solarbranche gegen Kritiker verteidigen. Unterm Strich, so lautet die Maßgabe, sollte immer genug übrig bleiben, dass die Unabhängigkeit des Stiftungsunternehmens nicht in Gefahr gerät - was in Ziffern eine Umsatzrendite von 7 bis 8 Prozent bedeutet.

Guter Motivator

Der drahtige Volkmar Denner, der gern mit Rennrad und Mountainbike unterwegs ist und ein schnelles Motorrad sein eigen nennt, hat in der Bosch-Welt schnell Karriere gemacht. In der Entwicklung von Leistungshalbleitern startete er 1986 als Fachreferent, drei Jahre später war er schon Abteilungsleiter. Weitere drei Jahre später avancierte Denner zum Verkaufsleiter, bald danach zum Entwicklungsleiter und zum Produktmanager im Geschäftsbereich Motorsteuerungen. Seit 2003 leitet Denner den Geschäftsbereich Automotive Electronics, seit 2006 ist er Mitglied der Geschäftsführung. Auch als Bosch-Chef wird er Entwicklungschef bleiben, und damit ganz eng mit den Geschäften der Zukunft verbunden sein.

„Er hat ein gutes Gefühl dafür, wie man Mitarbeiter anspornt, damit sie über sich hinauswachsen“, heißt es auf der Schillerhöhe über den eher ruhigen, introvertierten Physiker. Die große Politik dagegen ist seine Leidenschaft nicht: Das Poltern gegen Investmentbanker oder das Schimpfen über die Schuldenpolitik der EU wird er Franz Fehrenbach überlassen: dieser wird es sich auch in seiner neuen Rolle als Aufsichtsratschef nicht nehmen lassen, Tacheles zu reden, wenn er es für angemessen hält.

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