25.07.2010 · Die Nfon AG bietet Telefondienste aus dem Internet an
hpe. MÜNCHEN, 25. Juli. Eine angemietete Büroetage in einem schlichten Münchner Geschäftshaus, mehrere Großrechner in zwei ebenfalls angemieteten Rechenzentren: Es ist nicht viel, was die Nfon AG einem Besucher an Vorzeigbarem bieten kann. Genau das ist aber die Geschäftsgrundlage des Telekommunikationsunternehmens, das mittelständischen Firmen virtuelle Telefonanlagen verkauft - und sich damit in einem Milliardenmarkt bewegt. "Wir sind ein zentraler Service-Provider, der für viele unsichtbar bleibt", sagt der Vorstandsvorsitzende Marcus Otto.
Der 45 Jahre alte Manager sitzt in einem leeren Besprechungszimmer, auf dem Tisch steht eine digitale Telefonanlage. Das ist alles. Um mehr als Telefonieren geht es im Prinzip auch nicht, allerdings benötigt Nfon nicht die Telefonleitung der Deutschen Telekom, sondern nutzt die breitbandige Internetverbindung und das sogenannte Cloud Computing. Dabei greifen Unternehmen über das Internet auf Software und Speicherplatz zu, die von Rechenzentren bereitgestellt werden. Bei Nfon übernehmen spezielle Telefonserver im Internet die Funktion der traditionellen Telefonanlagen des Kunden. Ein Nfon-Kunde, der seine Telefonanlage ausgelagert hat, bezahlt nur nach Gesprächsminuten und auch nur für die gerade benötigte Kapazität. Teure, oft schlecht ausgelastete Vermittlungstechnik entfällt. Nicht einmal eine Vertragsbindung muss ein Kunde von Nfon eingehen.
Otto hat Nfon vor gut drei Jahren mit seinen Partnern und heutigen Vorstandskollegen Fabian Hoppe und Jens Blomeyer gegründet. Anfang 2009 stieg der Wagniskapitalgeber Earlybird Venture Capital ein und besitzt mit drei weiteren institutionelle Investoren die Mehrheit.
Das Wachstum ist rasant, aber die Basis noch gering. In diesem Geschäftsjahr wird sich der Umsatz auf 5 Millionen Euro vervierfachen, für 2011 sind 12 Millionen Euro geplant. Trotz niedriger Kosten ist das Unternehmen mit seinen 35 Mitarbeitern nicht profitabel. "Wir stecken derzeit viel Geld in Vertrieb und Marketing", sagt Otto und gibt zu, vor einem großen Problem zu stehen: Virtuelle Telefonanlagen sind vielen mittelständischen Firmen schlicht unbekannt. "Manche merken erst jetzt, dass das eine ganz andere Welt ist da draußen." Immerhin 1200 meist kleinere Unternehmen zählt Nfon zu seinen Kunden, von der Anwaltskanzlei mit 12 Telefonanlagen bis hin zu einer kommunalen Verwaltung in Sachsen mit 600 Arbeitsplätzen. Doch auch sie mussten erst davon überzeugt werden, dass die neue Technologie virtueller Telefonanlagen in puncto Ausfallsicherheit und Gesprächsqualität wettbewerbsfähig ist.
Noch immer dominieren die herkömmlichen Telefonanlagenanbieter den Markt. Nach Einschätzung von Nfon nutzen gerade einmal 1 Prozent der Mittelständler eine Telefonanlage eines Cloud-Computing-Dienstleisters. Dabei kann sich Nfon, das seinen eigenen Marktanteil in der Nische auf mehr als 30 Prozent schätzt und als wichtigsten Wettbewerber die Kölner QSC nennt, ausgerechnet von den Platzhirschen eine bessere Markenbekanntheit erhoffen. Die Deutsche Telekom hat ebenfalls längst erkannt, dass Informations- und Kommunikationstechnik verschmelzen, dass künftig viele Unternehmen Telefondienste genauso aus dem Netz buchen wie Software. "Das ist die Zukunft", sagt ein Telekom-Sprecher. Seit März bietet der Bonner Konzern mit "Deutschland-LAN" ein mit Nfon vergleichbares Produkt an. Über den Erfolg schweigt sich die Telekom noch aus. "Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden", sagt der Sprecher lediglich.
Marktforscher von Gartner erwarten, dass 20 Prozent der Unternehmen im Jahr 2012 keine eigenen IT-Anlagen mehr besitzen werden. Grund für diese Entwicklung ist die wachsende Nutzung von Cloud-Diensten. Es gibt auch Studien, die deutschen Mittelständlern ein milliardenschweres Einsparpotential nachsagen, wenn sie zum Outsourcing von Telefonanlagen bereit sind. Bei der Deutschen Telekom glaubt man nicht, dass virtuelle Telefonanlagen eines Tages die herkömmliche ISDN-Leitung ersetzen. "Heute fahren Autos doch auch mit Benzin oder Diesel", bemüht der Sprecher einen Vergleich, der angesichts der aufkommenden Elektromobilität vielleicht nicht ganz so glücklich gewählt ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2369 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 103,03 $ | −0,21% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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