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Arbeitszeiten : Für die Karriere reichen auch vier Tage

Entspannen in der Hängematte. Bild: Julia Zimmermann

Teilzeit arbeiten, das wollten lange Zeit nur junge Mütter. Doch jetzt kommen auch die beruflich Erfolgreichen der älteren Generation auf den Geschmack. Über eine neue Freizeitbewegung - und warum weniger manchmal mehr ist.

          Die Sonntagabende hat Wolf Heumann schon gehasst, als er noch zur Schule ging. Immer war da diese unbändige Lust, noch etwas Schönes zu unternehmen, auszugehen, lange aufzubleiben jedenfalls. Und fast immer siegte die Vernunft oder der Elternwille: Geh früh ins Bett, wird eine anstrengende Woche, du musst fit sein. Später, im Beruf, wurde die Sache nicht besser. Heumann lebt in Berlin, aber er arbeitet in Hamburg, bei der Werbeagentur Scholz&Friends. Sonntagabends saß er entweder im Zug, oder er war am Packen. Schön geht anders.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Schön geht so: Seit November vergangenen Jahres fährt Heumann erst montagmittags in die Hansestadt. Er hat seine Arbeitszeit reduziert, 80 Prozent, vier statt fünf Tage in der Woche. Der Montag ist für ihn noch Wochenende. Wenn er eine junge Mutter wäre, die zwischen Beruf und Kita hin und her hetzt oder sich um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmert, dann wäre so eine Teilzeitstelle nicht weiter bemerkenswert, eher sogar ziemlich normal. Doch hier liegen die Dinge anders. Heumann, 49 Jahre alt, arbeitet nicht Teilzeit, weil er mehr Zeit für andere haben will, sondern mehr Zeit für sich selbst. Dafür war er sogar bereit, auf seinen Vorstandsposten in der Agentur zu verzichten, zurück in die zweite Reihe zu treten.

          Der Trend geht zu mehr Freizeit

          Ist Heumann verrückt? Oder macht er nur das, wovon viele andere insgeheim träumen? Fakt ist: Zwanzig Jahre nachdem die IG Metall für ihre Klientel die 35-Stunden-Woche durchgesetzt hat, gibt es einen neuen Abwärtstrend. Weniger Arbeit, mehr Freizeit. Weniger Hamsterrad, mehr Freiheit. Zuerst waren es nur die Jungen, die vielzitierten Vertreter der Generation Y, die das Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben neu tarierten. Doch inzwischen kennt der Wunsch nach mehr Freizeit keine Alters- und Hierarchiegrenzen mehr. Als die Personalberatung Odgers Berndtson kürzlich mehr als 2000 Manager fragte, wie viel Zeit sie in einer typischen Siebentagewoche mit dem Beruf, der Familie, Freunden und Hobbys verbringen, nahm die Arbeit 63 Prozent ein. Die Manager wünschten sich aber, dass es nur 54 Prozent wären. Die Bereitschaft steigt, Rückschritte auf der Karriereleiter und Gehaltseinbußen hinzunehmen, wenn es denn dem persönlichen Wohlbefinden dient. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die etablierten Manager-Generationen ihre Wertvorstellungen und Karriereziele hinterfragen“, sagt Studienautorin Veronika Ulbort.

          Bei Wolf Heumann war es der in diesem Jahr anstehende 50. Geburtstag, der ihn ins Grübeln brachte. In jungen Jahren hatte Heumann in einer Band gespielt. Die Leidenschaft für die Musik war immer noch da, was fehlte, war die Zeit. Dem Werber erging es wie so vielen anderen, die der Beruf mit all seinen Überstunden, Abendterminen und Geschäftsreisen so sehr in Beschlag nimmt, dass sie es kaum mal mehr ins Kino schaffen. „Ich mag meinen Beruf“, sagt Heumann, „ich mag ihn sogar sehr. Aber ich will nicht von ihm aufgefressen werden.“

          Umdenken mit knapp 50

          Auch Eva-Maria Weidner erging es so. Seit 14 Jahren arbeitet die 49-Jährige beim Industriekonzern Bosch, sie ist Teamleiterin in der Personalabteilung. „Ich hab mein Leben voll auf die Arbeit konzentriert“, sagt Weidner, „meine Selbstbestätigung daraus gezogen.“ Zwar sind die Arbeitszeiten bei Bosch anders als in der Werbebranche einigermaßen geregelt, Überstunden werden mit Freizeit ausgeglichen. Und doch hatte Weidner das Gefühl, dass sich unter der Woche alles um die Arbeit drehte und es auch an den Wochenenden kaum eine ruhige Minute gab: Kühlschrank füllen, Wäsche machen, Post erledigen, Freunde treffen – und schon begann wieder eine neue Arbeitswoche.

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