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Vier Dollar je Gallone Der hohe Benzinpreis in Amerika zeigt Wirkung

27.05.2008 ·  Preisschock an der Tankstelle: Noch nie war Benzin in Amerika so teuer. Jetzt reagieren die Autofahrer. Sie lassen den Wagen öfter stehen. Durstige Geländewagen werden zu Ladenhütern.

Von Claus Tigges
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Aus den „Steuerferien“ für amerikanische Autofahrer wird vermutlich nichts. Zumindest gibt es bisher in Washington keine ernstzunehmenden Hinweise darauf, dass der Kongress den Vorschlag der beiden Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und John McCain aufgreifen und in den Sommermonaten die Benzinsteuer erlassen wird, um den geplagten Familien bei der Fahrt in den Urlaub finanziell behilflich zu sein. Dafür deutet einiges darauf hin, dass die hohen Benzinpreise Wirkung zeigen, und zwar sowohl im Geschäft mit Neuwagen als auch in der Nachfrage nach Kraftstoff.

Im Landesdurchschnitt kostet eine Gallone (3,8 Liter) Normalbenzin mittlerweile 3,88 Dollar, so viel wie nie zuvor und 65 Cent mehr als vor einem Jahr. In den ersten vier Monaten des Jahres haben Amerikas Autofahrer rund 158 Milliarden Dollar für Benzin und Diesel ausgegeben. Im März, so berichtet das Verkehrsministerium, sind die Amerikaner rund 11 Milliarden Meilen (17,6 Milliarden Kilometer) weniger gefahren als im März 2007 – ein ungewöhnlich scharfer Rückgang von 4,3 Prozent. Die Regierung rechnet damit, dass die Kraftstoffnachfrage auf Jahressicht zum ersten Mal seit 17 Jahren sinken wird. In dieses Bild passt das Ergebnis einer Umfrage des Automobilclubs AAA: Danach planen angesichts der hohen Benzinpreise in diesem Sommer weniger Amerikaner als im vergangenen Jahr eine Urlaubsreise mit dem eigenen Auto. Eine Rolle spielt freilich auch die verhältnismäßig schwache Wirtschaft, eine wachsende Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und die insgesamt trübe Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern.

Ungefähr dreimal so viel wie vor zehn Jahren

Im internationalen Vergleich ist Kraftstoff in Amerika trotz des schnellen Preisanstiegs der vergangenen Monate auch jetzt noch billig: Rund 1 Dollar je Liter entspricht zum aktuellen Wechselkurs beispielsweise rund 64 Euro-Cent, weniger als die Hälfte des Preises, den Autofahrer in Deutschland und anderen europäischen Ländern bezahlen müssen. Und ein historischer Vergleich zeigt, dass auch die Amerikaner fürs Autofahren schon einmal tiefer in die Tasche greifen mussten: Lee Schipper von der Universität Berkeley nahe San Francisco hat ausgerechnet, dass das Fahren einer Meile derzeit durchschnittlich 15 Cent kostet. Das ist zwar ungefähr dreimal so viel wie vor zehn Jahren, aber immer noch gut 2 Cent weniger als im Jahr 1980 – wenn man den Preis um die Inflation bereinigt und berücksichtigt, dass Autos heutzutage im Durchschnitt sparsamer sind als vor fast 30 Jahren. Eine andere Statistik stützt diese These: Amerikaner geben rund 3,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Kraftstoff aus, deutlich mehr als jene 1,9 Prozent des Jahres 1998, aber weniger als die 4,5 Prozent aus dem Jahr 1981.

Gleichwohl scheint die Aussicht auf einen Benzinpreis von 4 Dollar je Gallone – Superbenzin und Diesel liegen schon über dieser Marke – eine steigende Zahl von amerikanischen Verbrauchern zum Umdenken zu bewegen. Die Verkaufszahlen der lange Zeit so beliebten und ungeheuer durstigen Geländewagen und Pick-ups sind in den vergangenen Monaten deutlich gesunken, während kleinere, sparsamere Autos begehrt sind, etwa der „Prius“ von Toyota, der mit einem kombinierten Benzin- und Elektroantrieb fährt.

Schwere Zeiten für die Autohändler

Ein Blick in den wöchentlichen Anzeigenteil der Zeitung genügt, um die Schwierigkeiten der Autohändler zu erahnen, die auf immer mehr Geländewagen sitzenbleiben: Rabatte von 30 Prozent und mehr auf Modelle wie den Chevrolet „Trailblazer“ oder einen Ford F-150 Pick-up sind ebenso üblich wie Tankgutscheine über bis zu 5000 Dollar als Dreingabe beim Kauf eines besonders durstigen Autos. Und auch die deutschen Hersteller reagieren mit Sonderangeboten auf die Nachfrageverschiebung. Der VW Touareg, der mit einem Einstiegspreis von rund 40.000 Dollar deutlich günstiger als in Deutschland zu haben ist, wird von zahlreichen Händlern unter deren Einkaufspreis angeboten – unterstützt vom Volkswagen-Konzern selbst, der aktuellen VW-Besitzern einen zusätzlichen Rabatt von 1000 Dollar als „Loyalitätsbonus“ gewährt. Mercedes bietet seinen großen Geländewagen GL 450, der einen Listenpreis von 64.965 Dollar hat, derzeit zu einer Leasingrate von 699 Dollar im Monat bei einer einmaligen Sonderzahlung von gut 6000 Dollar und einer Laufzeit von 33 Monaten an.

Für all jene, die auf diese Angebote nicht eingehen können oder wollen, hat das Energieministerium in Washington auf seiner Internetseite eine Reihe von Tipps parat, wie sich der Benzinverbrauch senken lässt: „Fahren Sie langsamer, vermeiden Sie schnelles Beschleunigen und abruptes Bremsen.“ Auch sei es ratsam, den Luftdruck in den Reifen zu prüfen und auf dem empfohlenen Niveau zu halten. „Nutzen Sie nach Möglichkeit dem Tempomat, gründen Sie Fahrgemeinschaften, benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel“, heißt es weiter. Und: „Halten Sie Ihr Auto leicht. Allzu häufig werden Autos zu Lagerräumen.“

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