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Kaum Planer, hohe Baupreise : Das sind Deutschlands kaputte Brücken

  • -Aktualisiert am

Die Rheinbrücke in Leverkusen zählt zu den Problemfällen in Deutschland. Bild: dpa

Jede achte Brücke in Deutschland ist sanierungsbedürftig. Sogar Italien gibt mehr Geld für seine Straßen aus als Deutschland. Unsere Karte zeigt, wo es bröckelt.

          Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua fällt der Blick auf den Zustand italienischer Brücken und auch auf die Brücken in Deutschland. Nach Daten der OECD investierte Italien 2015 über 5 Milliarden Euro in sein Straßennetz, dazu kommen noch 9 Milliarden Euro für die Wartung – macht zusammen 14 Milliarden. Zum Vergleich: Deutschland investierte im gleichen Jahr nur etwas über 11,6 Milliarden Euro in sein Straßennetz.

          Dass Italien also tatsächlich mehr in seine Straßen investiert hat, ist umso erstaunlicher, weil zumindest das Autobahnnetz Italiens wesentlich kleiner ist: Während Deutschland nach aktuellsten OECD-Zahlen auf 13.000 Autobahnkilometer kommt, sind es in Italien nur 7000.

          In Deutschland stagnieren die Investitionen ins Straßennetz seit Jahren. Das ist problematisch, denn auch viele Brücken hierzulande sind sanierungsbedürftig. Nach einer Benotung der Bundesanstalt für Straßenwesen hat jede achte deutsche Brücke einen „nicht ausreichenden“ oder „ungenügenden“ Zustand.

          Viele Brücken sanierungsbedürftig

          Das liegt unter anderem auch am Alter der Brücke. Ein Großteil der deutschen Brücken ist mehr als 30 Jahre alt. Bei Bundesstraßen überschreiten laut Bundesanstalt für Straßenwesen knapp 30 Prozent der Brücken die Altersmarke von 30 Jahren. Bei Autobahnen sind es sogar 37 Prozent. Vereinzelt stammen Brücken bei Bundesstraßen sogar noch aus der Zeit vor 1899.

          Dagegen wurden in den letzten zehn Jahren eher wenige Brücken errichtet. Bei Bundesstraßen stammen zehn Prozent der Brücken aus dem letzten Jahrzehnt, bei Autobahnen sind es 13 Prozent. Die Lebensdauer von Brücken kann im Bestfall zwar bis zu 80 Jahre betragen. Allerdings ist die Belastung durch mehr Autos und Lastwagen in den letzten Jahrzehnten gestiegen, sodass auch modernere Brücken sanierungsbedürftig sind.

          Vor allem an Nadelöhren wie der Leverkusener Rheinbrücke wird das sichtbar. Das Bauwerk ist wegen Rissen seit 2012 für Laster gesperrt. Um Abhilfe zu schaffen, muss Deutschland nicht nur mehr Geld in sein Straßennetz investieren. Denn seit 2015 investiert der Bund zwar wieder mehr in seine Bundesstraßen, allerdings kommt der Ausbau von Brücken trotzdem nur schleppend voran. Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt Thomas Puls, Verkehrsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft.

          So seien beispielsweise die Baupreise im Straßenbau in den letzten Jahren explodiert. Seit 2005 seien die Preise um knapp 40 Prozent gestiegen, viele Baufirmen seien voll ausgelastet. Das erhöhe die Kosten für den Neubau von Brücken, sagt der Experte. Viel gravierender wirke aber, dass viele Länder zwar Brücken sanieren wollen, aber schlicht nicht können.

          Länder können Gelder für Brückenbau nicht abrufen

          Denn: Seit Jahren fehlen Planungsingenieure in den jeweiligen Landesbehörden, welche die Brücken planen. Dazu kommt noch, dass einzelne Bundesländer die Planungskosten für Brücken und Co. erst gar nicht bezahlen können. Diese können bis zu 20 Prozent der Baukosten ausmachen. Viele Gelder des Bundes werden somit erst gar nicht abgerufen.

          Mit der Neugestaltung der Bund-Länder-Finanzierung im vergangenen Jahr sei dieses Problem zwar angegangen worden, indem die Planung der Bauwerke dem Bund übertragen wurde. Bis die Neugestaltung in der Planungsebene abgeschlossen ist, vergingen aber noch einige Jahre, sagt Verkehrsexperte Puls.

          Bis dahin werden Brücken in Deutschland notdürftig instand gehalten. Wie das Beispiel Leverkusen zeigt: Die dortige Rheinbrücke wird nur weiter eingeschränkt befahrbar sein – der Neubau soll erst 2024 fertig sein.

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