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Verzicht auf Tariferhöhung Poker um Opel-Sanierung spaltet die IG Metaller

 ·  Mit dem Verzicht auf eine Tariferhöhung sollen die Opel-Beschäftigten die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze bis Ende 2016 erkaufen. Das schmeckt nicht allen Gewerkschaftern.

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Opel hat es wieder spannend gemacht. Am vergangenen Mittwoch, einen Tag nach der Hauptversammlung und der Aufsichtsratssitzung des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors, wartete die Öffentlichkeit gespannt darauf, wie es nun weitergehen soll mit der Sanierung des Rüsselsheimer Unternehmens. Stunde um Stunde verrann, ohne dass Neuigkeiten durchsickerten - bis Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall am frühen Abend ihre Mitteilung in alle Welt versandten: Das Opel-Werk in Bochum soll eine Gnadenfrist bis Ende 2016 bekommen. Zusätzlich will das Unternehmen ebenso lange auf jegliche betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland verzichten. Als Gegenleistung wird der Verzicht auf die branchenweit vereinbarte Tariferhöhung von 4,3 Prozent verlangt.

Dass die Einigung auf die Eckpunkte des Sanierungsplans am Mittwoch so lange dauerte, hat einen gewichtigen Grund: Die Betriebsräte und die IG Metaller bei Opel sind sich nicht mehr ganz so einig, wie es sich die Gewerkschaft wünschen müsste, um ihre Schlagkraft zu erhalten. Insbesondere dem Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel genügte dem Vernehmen nach der ausgehandelte Kompromiss nicht. Er will eine Standortperspektive für Bochum, die über 2016 hinausreicht. Sein Rüsselsheimer Kollege, der Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug, hält dies jedoch für überzogene Ansprüche. Einenkel gilt mit seiner harten Haltung inzwischen als isoliert.

Damit zeichnet sich abermals eine interne Konfliktlinie in der Belegschaft ab, obwohl die europäischen Betriebsräte noch vor wenigen Wochen in einem gemeinsamen Brief an Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke feierlich erklärt hatten, keiner von ihnen werde einzeln verhandeln. Man werde sich nicht auseinander dividieren lassen. Doch kurz darauf knickten die Beschäftigten im englischen Ellesmere Port ein. Im Gegenzug für eine Standortgarantie für ihr von einer Schließung bedrohtes Werk sagten sie zu, künftig billiger und flexibler zu arbeiten - und erhielten deshalb den Zuschlag für die Produktion des bisher in Rüsselsheim vom Band laufenden Astra-Fünftürers.

Selbst in der Zentrale der IG Metall in Frankfurt ist der Kompromiss bei Opel ein heiß diskutiertes Thema. „Es handelt sich noch nicht um einen fest zugesagten Verzicht, sondern zunächst nur um eine Stundung der Tariferhöhung bis Oktober“, sagte IG-Metall-Chefjurist Thomas Klebe dieser Zeitung. Alles hänge von einer Gesamtlösung für alle vier deutschen Opel-Standorte ab. Gemeint sind damit die Spekulationen um eine Verlagerung der Produktion des Familienwagens Opel Zafira von Bochum ins Stammwerk Rüsselsheim. „Die Auszahlung ist nur ausgesetzt“, sagt auch der IG-Metall-Chef von Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard. Beide Seiten hätten nun vier Monate Zeit. Falls Ende Oktober keine Einigung erzielt sei, könne die IG Metall von Opel rückwirkend die Auszahlung der Tariferhöhung in voller Höhe verlangen.

Kritik auch von den Konkurrenten

Dass die Erhöhung bei Opel nun zur Debatte steht, wird nicht nur in Gewerkschaftskreisen kritisch gesehen. Auch die beiden deutschen Konkurrenten Ford und Volkswagen fragen sich, ob die Lohnkosteneinsparung bei Opel noch mit dem Prinzip gleicher Wettbewerbsbedingungen für die gesamte Branche zu vereinbaren ist. Öffentlich äußern will man sich jedoch nicht dazu.

Opel-Chef Stracke will die Sanierung zunächst ohne Werksschließungen vorantreiben. Man verständigte sich bisher aber nur darauf, gemeinsam eine Lösung zu suchen. Stracke soll den detaillierten Plan am 28. Juni im Aufsichtsrat vorstellen. Bis dahin können aber eigentlich noch keine Einzelheiten zur Allianz von GM und dem Pariser PSA-Konzern vorliegen, die erst im Oktober fertig verhandelt wird. Erst dann klären sich wichtige Zukunftsfragen für die Auslastung der deutschen Opel-Werke - etwa ob eine Mittelklasselimousine von Citroën künftig in Rüsselsheim vom Band laufen wird.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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