27.07.2004 · Das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in ihre Wirtschaft ist im Juli überraschend kräftig gestiegen - auf den höchsten Stand seit gut zwei Jahren. Das wird die Geldpolitik und den Wahlkampf berühren.
Die Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern hat sich im Juli deutlich stärker aufgehellt als erwartet. Wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag berichtete, stieg der Index des Verbrauchervertrauens auf 106,1 und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2002.
Volkswirte hatten einen Stand von 102,0 prognostiziert. Für den Vormonat war zunächst ein Wert von 101,9 ausgewiesen worden, der nun auf 102,8 korrigiert wurde. Der Index für die Erwartungen wurde für Juli mit 105,8 (Vormonat revidiert: 100,8; vorläufig: 100,0) angegeben. Der Index für die Einschätzung der gegenwärtigen Situation erhöhte sich auf 106,5 (Vormonat revidiert: 105,9; vorläufig: 104,8).
Conference-Board-Chevolkswirtin Lynn Franco verwies darauf, daß sich das Verbrauchervertrauen nunmehr den vierten Monat in Folge verbessert habe. Mit einem Ende dieses Trends seit erst zu rechnen, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt eintrüben sollte, sagte sie. „Das sind starke Zahlen. Ich habe keinen Zweifel daran, daß sie auf eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Expansion hindeuten und das Vorspiel eines zweiten Halbjahres sind, das stärker als das erste sein wird", sagte Chefanalyst David Littmann von der Comerica Bank.
Dollar und Aktien beflügelt
Der Dollar und die Aktienmärkte beidseits des Atlantik legten nach den Daten zu.
Ökonomen führten den Optimismus vor allem auf die verbesserte Arbeitsmarktlage zurück. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sind in den Vereinigten Staaten 1,27 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden, und für Juli wird ein weiterer Zuwachs von rund 230.000 Jobs erwartet. Daraus könnte dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten ein Problem im Wahlkampf erwachsen (). 26 Prozent der befragten Verbraucher gaben an, es sei schwer, in Amerika einen Arbeitsplatz zu bekommen. Vor einem Monat hatte dieser Anteil noch bei 26,2 Prozent gelegen.
Der Verbrauchervertrauensindex auf Basis einer Befragung von rund 5000 Haushalten gilt als wichtiger Indikator für die künftige Entwicklung der Konsumausgaben, die rund zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung ausmachen. In den vergangenen Monaten stieg das Verbrauchervertrauen, während es gleichzeitig deutliche Anzeichen für einen nachlassenden Konsum gab. So hinkten etwa die Umsätze im Einzelhandel und mit Autos im Juni deutlich der gesamten Entwicklung hinterher.
Das Ende lockerer Geldpolitik
Daher bleibt einigen Volkswirten zufolge noch abzuwarten, ob die jüngste Verlangsamung des Wachstums der größten Volkswirtschaft der Welt wirklich, wie von Vertretern der Notenbank Fed wiederholt bekräftigt, nur vorübergehend ist, oder ob sie den Beginn eines Konjunkturtrends darstellt. Die Antwort auf diese Frage gilt als zentral für die Entwicklung der Leitzinsen. Greenspan hatte sich vergangene Woche zuversichtlich zu den Aussichten der amerikanischen Konjunktur geäußert und zugleich eine Straffung der Geldpolitik in gemäßigtem Tempo bekräftigt.
Die amerikanischen Wirtschaft habe eine Phase selbst tragenden Wachstums erreicht und die Inflation stelle offenbar kein größeres Risiko
dar. Deshalb werde die Fed an ihrer Politik einer maßvollen Beendigung der Phase lockerer Geldpolitik festhalten.
Die Fed hatte Ende Juni erstmals seit vier Jahren den Leitzins angehoben, und zwar um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent. Volkswirte erwarten, dass der Schlüsselzins Ende dieses Jahres bei 2,00 Prozent und Ende 2005 bei 3,75 Prozent liegen wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2481 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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