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Verteilung der Vermögen : Bei 261.000 Euro beginnt der Reichtum

Reichtum, so weit das Auge reicht: Ein Straßenzug in Wentorf bei Hamburg, einem Dorado für Fertighausbesitzer Bild: Aufwind-Luftbilder/ VISUM

In Deutschland zählt oft schon zu den Reichen, wer ein Reihenhäuschen abgezahlt hat. Dabei sind die Vermögen oft selbst erarbeitet - und nicht geerbt.

          Selbständig, eigenes Haus, mehr als 50 Jahre alt – wer das von sich behaupten kann, hat gute Chancen, zu den reichsten zehn Prozent der Gesellschaft zu gehören. Und wer nach Abzug der Verbindlichkeiten noch über Sach- und Finanzwerte von mindestens 261.000 Euro verfügt, gehört dazu. Das ist nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Schwelle, von der an man in Deutschland, gemessen am Vermögen, mindestens 90 Prozent der Gesellschaft übertrifft. Um auch mit dem Durchschnitt der oberen zehn Prozent mitzuhalten, braucht man allerdings schon ein Vermögen von 639.000 Euro.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          In einer dieser Zeitung vorab vorliegenden Analyse hat die IW-Forscherin Judith Niehaus mit Hilfe von Daten einer großen Vermögensstudie der Europäischen Zentralbank (EZB) näher ergründet, was sich über das vermögendste Zehntel der Deutschen aussagen lässt. Sie kommt damit insbesondere zu zwei bemerkenswerten Erkenntnissen. Zum einen: Reichtum sei hierzulande „oft das Ergebnis eines Lebenswerks“, was sich an der Altersstruktur der Vermögenden ablesen lasse. Zum anderen stecke ein überproportional großer Teil des Vermögens der oberen zehn Prozent in Betriebsvermögen und Eigenheimen; ihr Finanzvermögen halte sich dagegen „in überschaubaren Grenzen“.

          Neun von zehn Reichen haben Wohneigentum

          Wichtige Eckdaten zur Vermögensverteilung auf der Ebene der Haushalte hatte schon die Erhebung durch die EZB im vergangenen Jahr geliefert. Sie hatte unter anderem die recht verblüffende Erkenntnis zutage gefördert, dass das durchschnittliche Nettovermögen der Haushalte in Deutschland erheblich geringer ist als etwa in Spanien, Italien oder Frankreich. Für Deutschland wurde damals ein Mittelwert von 51.400 Euro errechnet, in Spanien und Italien waren es hingegen mehr als 170.000 Euro. Als wichtige Erklärungen dafür wurden vor allem unterschiedliche Haushaltsgrößen und die in Deutschland eher geringe Verbreitung von Wohneigentum genannt.

          Das IW hat nun für einen genaueren Blick auf die überdurchschnittlich Vermögenden in Deutschland die Verteilung auf erwachsene (Einzel-)Personen ermittelt, um den Einfluss unterschiedlicher Haushaltsgrößen auszuschalten; indirekt sorgt dies dafür, dass der rechnerische Schwellenwert für Vermögensreichtum auf jene 261.000 Euro sinkt. Unabhängig davon belegt auch diese nationale Betrachtung, dass Wohneigentum ein besonders wichtiger Faktor ist. Neun von zehn Reichen haben eigene vier Wände, dagegen gilt das im Durchschnitt nur für 40 Prozent.

          Der Anteil derer, die ihre Immobilienkredite getilgt und ihr berufliches Lebenswerk gesichert haben, wächst mit steigendem Alter. Auch das spiegelt sich in der Altersstruktur der oberen zehn Prozent: Fast drei Viertel von ihnen sind mindestens 50 Jahre alt, 40 Prozent haben schon das Rentenalter überschritten, wie das IW feststellt. Gleichzeitig sind etwas mehr als 21 Prozent aus der Gruppe der besonders Vermögenden Selbstständige; der Anteil liegt damit dreimal so hoch wie in der Gesellschaft. Genauso deutlich ist der Unterschied bei der Verteilung von Betriebsvermögen: Unter den Reichen sind fast 30 Prozent direkte Miteigentümer eines Betriebs (Geldanlage in Aktien zählt hier nicht); auch das ist dreimal so viel wie im Durchschnitt der Gesellschaft.

          Rentenansprüche zählen nicht zum Vermögen

          Neben den oft guten Verdiensten der Selbstständigen wird ihr Vorsprung in der Vermögensstatistik aber auch durch die Art der Altersversorgung verstärkt: Während sie privat vorsorgen müssen, beziehen Arbeitnehmer den Großteil ihres Ruhegelds aus der gesetzlichen Rente – Ansprüche, die nicht als Vermögen zählen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte vor einigen Jahren ausgerechnet, dass sich die als sehr ausgeprägt geltende Vermögensungleichheit hierzulande statistisch um ein Fünftel verringert, wenn man die Rentenansprüche in diesem Sinne mitrechnet.

          Ein weitere interessante Erkenntnis betrifft die Bedeutung von Erbschaften für den Vermögensreichtum. Sie wird offenbar in der Tendenz überschätzt: Ererbtes und geschenktes Vermögen machen laut den Berechnungen des IW für das obere Zehntel der Gesellschaft knapp 16 Prozent ihres Gesamtvermögens aus. Der Anteil liege damit nur geringfügig höher als für die übrige Bevölkerung, die im Durchschnitt 14 Prozent ihres Vermögens geerbt habe. In absoluten Größen sind die Erbschaften der besonders Vermögenden damit allerdings deutlich größer als die durchschnittlichen Erbschaften oder gar die Erbschaften derer, die sich im unteren Bereich der Vermögensskala bewegen.

          Vermögen und Einkommen sind indes zweierlei, wie nicht nur Reiche wissen. 40 Prozent der besonders Vermögenden haben laut IW zugleich auch Spitzeneinkommen. 15 Prozent von ihnen erreichen hingegen mit ihren laufenden Einkommen nicht einmal das Durchschnittsniveau.

          Quelle: F.A.Z.

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