26.08.2003 · Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück wird voraussichtlich in den kommenden Wochen zum zweiten Mal in diesem Jahr den Kapitalmarkt anzapfen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's macht Druck.
Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück wird voraussichtlich in den kommenden Wochen zum zweiten Mal in diesem Jahr den Kapitalmarkt anzapfen. Nach Analystenschätzung benötigt die Rück 3 bis 4 Milliarden Euro Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel, um ihre Bonitätseinstufung bei Standard & Poor's (S&P) zu halten, einer ihrer drei wichtigen Rating-Agenturen. Im Frühjahr hatte S&P die Einschätzung für die Rückversicherung um zwei Stufen auf "AA-" zurückgenommen, die fünftbeste Note. Die nunmehr drohende Abstufung in die "A"-Klasse muß die Münchener Rück verhindern, da viele Versicherungskunden sie sonst kaum mehr als ihren Rückversicherer akzeptieren würden.
So schließt ein Sprecher der Rückversicherung eine Kapitalerhöhung nicht mehr aus. "Wenn eine Kapitalerhöhung notwendig ist, werden wir sie machen", sagte er am Dienstag. In den vergangenen Monaten hatte die Rück stets kommentiert, eine Kapitalerhöhung stehe nicht an. Über die Frage der Notwendigkeit sind sich die Rück und S&P allerdings nicht einig. S&P bekräftigte trotz der seit Monaten kräftig steigenden Börsenkurse ihre Aussage vom Juni, man erwarte von der Münchener Rück "substantielle Kapitalerhöhungsmaßnahmen". Der Rück-Sprecher hingegen sagte, auf Basis ihres eigenen Risikokapitalmodells sei die Münchener Rück "sehr stark kapitalisiert".
Analysten rechnen trotzdem fest mit Kapitalmaßnahmen. "Die Münchener Rück wird das Kapital erhöhen, wenn S&P das fordert", sagte Michael Huttner, Versicherungsanalyst bei J.P. Morgan. Der Aktienkurs der Rück gab am Dienstag wegen der Spekulationen um 3,5 Prozent auf 99,40 Euro nach. Einzelheiten dürfte die Münchener Rück bald mitteilen. Denn Ende September beginnt sie die Verhandlungen mit ihren Erstversicherungskunden über deren Rückversicherungsverträge für das kommende Jahr. Bis dahin braucht sie ein stabiles Rating. Ob die Rück allerdings den Schleier schon an diesem Donnerstag mit Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen lüftet, wird in Branchenkreisen bezweifelt.
Im Zuge der Börsenbaisse ist bei der Münchener Rück ähnlich wie bei der Allianz der Wert ihres Beteiligungsportfolios stark abgeschmolzen. Als der Aktienmarkt im März seinen Tiefpunkt erreichte,betrug ihr Eigenkapital noch 12,5 Milliarden Euro, fast 7 Milliarden Euro weniger als Ende 2001. Zunächst hatte sie daher im April zwei nachrangige Anleihen über 3,4 Milliarden Euro begeben, die im Insolvenzfall nach den anderen Gläubigern bedient werden. Allerdings dürfte die Münchener Rück damit den Rahmen, innerhalb dessen diese Anleihen von den Rating-Agenturen als Eigenkapitalersatz gewertet werden, schon zum großen Teil ausgeschöpft haben. Unternehmenskenner rechnen damit, daß die Münchener Rück im ersten Schritt eine Kapitalerhöhung von 2 Milliarden oder mehr ankündigt. Dann könnte eine weitere nachrangige Anleihe plaziert werden. Die Rück könnte zudem Mittel durch eine weitere Reduzierung des Allianz-Pakets von 15 Prozent freisetzen. Somit kommt die Entflechtung von der Schwestergesellschaft Allianz sowie dem strategischen Partner Hypo-Vereinsbank (HVB) einen weiteren Schritt voran.
Die Allianz würde bei einer Kapitalerhöhung der Münchener Rück voraussichtlich nur teilweise mitziehen und allein die Erlöse aus dem Verkauf von Bezugsrechten reinvestieren ("Opération blanche"). Dies würde ihren am Montag auf 15,3 Prozent gesenkten Anteil weiter auf 12 bis 13 Prozent drücken. Von der HVB erwarten Beobachter höchstens eine Opération blanche. Möglicherweise wird die HVB aber auch ihre Bezugsrechte verkaufen. HVB-Chef Dieter Rampl hatte mehrfach betont, die Münchener-Rück-Beteiligung von 13,2 Prozent sei "keine heilige Kuh".
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2481 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?