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Versicherer Münchener Rück hält an Verlustbringern fest

11.06.2003 ·  Die Münchener Rück hält an ihrem hoch defizitären Erstversicherer Ergo fest. HVB und Hypo Group erhielten auf der Hauptversammlung der Münchener Rück aber keinen Bestandsschutz.

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Die Münchener Rück hält an ihrem hoch defizitären Erstversicherer Ergo (Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV, D.A.S.) fest. "Wenn Sie diese Tochtergesellschaft abstoßen, amputieren Sie die Münchener Rück", sagte Vorstandschef Hans-Jürgen Schinzler vor 3700 Aktionären in der neuen Messe München. Damit widersprach er Spekulationen, die Münchener Rück erwäge eine Trennung von der zweitgrößten deutschen Erstversicherung. Die Ergo, die sich die weltgrößte Rückversicherung seit Mitte der neunziger Jahre als zweites Standbein aufgebaut hat, hat 2002 fast eine Milliarde Euro verloren und leidet weiter unter hohen Wertpapierabschreibungen.

Auch den krisengeschüttelten amerikanischen Rückversicherer American Re will Vorstandschef Schinzler behalten. Keinen Bestandsschutz gab der Vorstandschef für die 25,7-Prozent-Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank (HVB). Die Höhe der Beteiligung sei "nicht sakrosankt". Die Kooperation mit der HVB könne auch mit einer niedrigeren Beteiligung an der Bank unterlegt sein. Derzeit stehe eine Reduzierung aber nicht an. Die Hypo-Vereinsbank sei "eindeutig unterbewertet", sagte Schinzler. Die künftige Beteiligung an der Immobilienbank Hypo Group, die im Herbst von der HVB abgespalten wird, sieht der Versicherungschef als "reines Finanzinvestment". "Wir werden sie auch so behandeln", sagte er. Dies deutet darauf hin, daß sich die Rückversicherung schnellstmöglich davon trennen will. Auf seiner elften und letzten Hauptversammlung als Vorstandschef - er verläßt das Unternehmen altershalber zum Jahresende - erhielt Schinzler deutliche Kritik, aber auch Zuspruch. "Sie haben viel positiv verändert. Ihr Nachfolger muß sich aber mit einigen Baustellen von großem Gewicht beschäftigen", sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Die meisten Redner beklagten den Aktienkurs, der binnen eines Jahres um 60 Prozent und damit im Vergleich zum Wettbewerb überproportional gesunken ist. Sie vermuteten Mängel im Management der Risiken auf der Kapitalanlageseite, da der Anteil der Aktien am Anlageportfolio erst von Ende 2002 an massiv reduziert worden ist.

"Haben die hohen Kapitalerträge der Vergangenheit dazu geführt, daß die Risiken auf der Assetseite unterschätzt worden sind?" fragte Henning Gehardt von der Publikumsfondsgesellschaft DWS, mit rund 3 Prozent Kapitalanteil einer der größten Aktionäre. "Waren hier mehr Amateure und keine Profis am Werk?" zweifelte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Thomas Körfgen (SEB Invest) monierte das "extrem starke Engagement im krisengeschüttelten deutschen Bankgewerbe". Neben dem HVB-Anteil hält die Rück 10 Prozent an der Commerzbank und ist über ihre 15 Prozent an der Allianz indirekt auch an der Dresdner Bank beteiligt. Eine weitere Entflechtung mit der Allianz steht laut Schinzler indes nicht bevor: "Wir haben jetzt unser vorläufiges Ziel erreicht." Die Aktionäre fragten, warum der Vorstand bei dem Wertverfall der Kapitalanlagen, den Problemen bei HVB und American Re so spät gegengesteuert habe. Der 1996 für 3,3 Milliarden Dollar gekauften American Re mußte die Rück 2001 und 2002 insgesamt 2,5 Milliarden Dollar nachschießen. 2003 solle die zweitgrößte amerikanische Rückversicherung aber einen Gewinn von 550 bis 600 Millionen Dollar vor Steuern erwirtschaften, bei einer Schaden-Kosten-Quote von 95 Prozent, versprach Vorstandsmitglied John Phelan.

Einig Redner kritisierten wie auf den Hauptversammlungen von Allianz und HVB den "Automatismus", daß der Vorstandschef direkt auf den Aufsichtsratsvorsitz wechselt. Der 62 Jahre alte Schinzler übergibt zum Jahresende den Stab an seinen Vorstandskollegen Nikolaus von Bomhard (46 Jahre), der sich auf der Hauptversammlung nicht öffentlich äußerte. Per Gerichtsbeschluß soll Schinzler dann direkt in den Aufsichtsrat aufrücken. "Ich schätze Ihre integre Persönlichkeit. Aber Sie sollten diesen Weg als Vorbild nicht gehen", rief Bergdolt Schinzler zu. Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann verteidigte die Entscheidung: "In Kenntnis der Person und des Charakters von Herrn Schinzler hat der Aufsichtsrat keinen Zweifel. Der Aufsichtsrat sieht keine gleichwertige oder gar bessere Besetzung für den Aufsichtsratsvorsitz."

Eine Prognose für 2003 gab Schinzler weiter nicht ab: "Grundsätzlich erwarte ich, daß sich gegenläufige Einflüsse aus der Kapitalmarktentwicklung und aus dem operativen Geschäft überlagern werden." Die Rück hatte wegen hoher Wertpapierabschreibungen in den vergangenen vier Quartalen Verluste gemacht. Wegen des starken Euro werde der Konzernumsatz etwa auf dem Niveau des Vorjahres von etwa 40 Milliarden Euro liegen.

Quelle: mag. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2003, Nr. 134 / Seite 16
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